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Umweltatlas Berlin

01.10 Rieselfelder

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Belastungen der Rieselfeldböden

Neben den Nährstoffen werden bei der Bodenpassage auch die im Abwasser befindlichen Schadstoffe zurückgehalten. Die beaufschlagten Böden sind daher flächendeckend in zum Teil erheblichem Maße mit Schwermetallen belastet (vgl. Karten 01.03.1 und 01.03.2). Dies führt zu Beeinträchtigungen der Nutzbarkeit der Böden. So reichern sich die im Boden befindlichen Schwermetalle in den angebauten Nahrungspflanzen an (vgl. Karte 01.03.3). Die ermittelten Belastungen sind lokal so hoch, daß gesundheitliche Risiken bei direktem Bodenkontakt nicht auszuschließen sind. Dies wird dann relevant, wenn auf ehemaligem Rieselland empfindliche Nachnutzungen (z.B. Kinderspielplätze) vorgesehen sind.

Insgesamt ist davon auszugehen, daß die Schadstofffracht der verrieselten Abwässer durch die zunehmende Verwendung von Haushaltschemikalien, Waschmitteln sowie die Zunahme des gewerblichen Abwasseranteils im Laufe der Betriebsdauer der Rieselfelder stetig zunahm. Hinzu kam die steigende Belastung mit den durch die Mischwasserkanalisation zugeführten Straßenabwässern. Nicht untersucht wurden bisher Bodenbelastungen mit organischen Schadstoffen. Aufgrund der Abwasserzusammensetzung ist auch für diese Schadstoffgruppe mit relevanten Belastungen zu rechnen.

Innerhalb eines Rieselfeldes bestehen in Abhängigkeit von der Menge der aufgebrachten Abwässer erhebliche Gradienten in der Schadstoffbelastung der Böden. Entscheidend hierfür sind die Betriebsdauer sowie die Menge der jährlich aufgebrachten Abwässer. Daher sind besonders hohe Belastungen im Bereich der Intensivfilterflächen zu erwarten. Zusätzliche Abstufungen ergeben sich aus den betriebstechnischen Abläufen, so daß Tafeln in der Nähe der Absetzbecken in der Regel stärker belastet sind als weiter entfernte Bereiche. Im Bereich der Absetzbecken und Schlammtrockenplätze sind immer dann besonders hohe Belastungen zu vermuten, wenn die Flächen keine Abdichtung aufweisen.

Abbildung 2
Abb. 2: Schematische Darstellung der Aufteilung eines Rieselfeldes

Nach Einstellung des Rieselfeldbetriebs wurden die aufgegebenen Flächen zumeist eingeebnet und umgepflügt. Hierdurch erfolgte eine Durchmischung von Böden mit unterschiedlicher Belastung. Zudem wird belastetes Bodenmaterial in tiefere Bodenschichten eingebracht.

Bei der Bodenpassage werden nicht alle Inhaltsstoffe des Abwassers zurückgehalten. So zeigten sich in den Rieselfeldabläufen erhebliche Konzentrationen von Stickstoff- und Phosphatverbindungen, die die aufnehmenden Vorfluter belasteten. Im Stadtgebiet waren hiervon insbesondere Panke/Nordgraben, Tegeler Fließ, Wuhle, Unterhavel und Rudower Fließ betroffen. Die Stillegung von Rieselfeldern hat hier in den vergangenen Jahren zu einer Verbesserung der Wasserqualität geführt. Neben der Belastung von Oberflächenwasser ist ein Transfer von Stickstoffverbindungen und organischen Schadstoffen ins Grundwasser nachgewiesen. Schwermetalle werden dagegen weitgehend im Oberboden zurückgehalten.

Auch die Aufgabe der intensiven Rieselfeldnutzung hat vielfältige Auswirkungen auf das Ökosystem:

Die während des Rieselfeldbetriebs akkumulierten Nähr- und Schadstoffe sind im wesentlichen in der organischen Substanz des Bodens gebunden. Bei aufgegebenen Rieselfeldern ist infolge des veränderten Wasserhaushalts und chemischen Bodenzustands mit einem Abbau der organischen Substanz und mit einer Abnahme des Bindungsvermögens zu rechnen. Dabei können die gebundenen Nähr- bzw. Schadstoffverbindungen remobilisiert und ins Grundwasser bzw. in die angrenzenden Vorfluter ausgewaschen werden.

Die Aufgabe der Rieselfelder hat zudem erhebliche Konsequenzen für den Gebietswasserhaushalt. So wurde an Pegeln im Bereich der südlichen Rieselfelder ein deutliches Fallen des Grundwasserspiegels registriert. Dies hat unmittelbare Konsequenzen für die jeweilige Vegetation bzw. für das Ertragspotential der landwirtschaftlichen Nutzflächen. Zudem hat die Einstellung der Verrieselung eine Verringerung des Grundwasserdargebots des Ballungsraums Berlin zur Folge. Nach Aufgabe der nördlichen Rieselfelder traten Probleme mit der Wasserführung von Panke und Tegeler Fließ auf, die vorher ihr Wasser zum Teil aus Rieselfeldabläufen erhielten.

Um die negativen Folgen zu mindern, die sich durch die Einstellung des Rieselfeldbetriebes ergeben, werden derzeit verschiedene Konzepte diskutiert und erprobt. Mögliche Maßnahmen wären z.B.:

  • die Erhaltung der Bindungsstärke des Bodens durch Zufuhr von organischer Substanz bzw. Kalk zur Stabilisierung des pH-Wertes
  • der Schadstoffentzug durch Pflanzen mit hoher Biomasseproduktion
  • die Wiedervernässung bzw. Weiterberieselung mit Klärwerksabläufen mit dem Ziel der Grundwasseranreicherung und der Unterbindung des Abbaus organischer Substanz.

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