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Umweltatlas Berlin

01.10 Rieselfelder

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Funktionsweise der Rieselfelder

Die Einrichtung der Rieselfelder erfolgte nach einem Entwässerungsentwurf von J. Hobrecht, der 1869 vom Magistrat Berlin für die Leitung des Berliner Latrinenwesens gewonnen wurde. Hobrecht teilte die gesamte Stadtfläche in 12 Gebiete, sogenannte Radialsysteme auf. In jedem Radialsystem war ein Pumpwerk vorgesehen, dem die Abwässer, die sich aus häuslichem, gewerblichem und industriellem Schmutzwasser und aus Niederschlagswasser zusammensetzten, durch Gefälleleitungen zuflossen. Vom Pumpwerk aus wurden die Abwässer mittels Druckrohren zu außerhalb der Stadt liegenden Rieselfeldern verbracht. Ein Teil der Rieselfelder wurde zusätzlich von Direktzuleitern beschickt.

Aus der Druckleitung, die das Abwasser von den Pumpwerken zu den Rieselfeldern führt, gelangt es zunächst in Absetzbecken, die als Beton- oder Erdbecken ausgebildet sind. Beim Strömen des Wassers durch die Becken setzt sich der größte Teil der Sinkstoffe am Boden ab, und Tauchwände halten vorhandene Schwimmstoffe zurück. Die in den Absetzbecken abgelagerten Sedimente werden regelmäßig ausgeräumt und auf speziellen Schlammtrockenplätzen entwässert. In früheren Jahren fand der entwässerte Schlamm als Bodenverbesserungsmittel in der Landwirtschaft und im Gartenbau Verwendung. Auch das Grabensystem eines Rieselfeldes wird regelmäßig gereinigt, wobei die entfernten Sedimente in der Regel direkt am Grabenrand abgelagert werden. Nachdem das Abwasser die Absetzanlage passiert hat, d.h. mechanisch gereinigt ist, fließt es über Zuführungen durch natürliches Gefälle auf die Rieselstücke.

Die natürliche Oberflächengestalt des für die Verrieselung vorgesehenen Bodens war für die Aufleitung des Abwassers nicht ohne weiteres geeignet. Je nach Oberflächengestaltung wurden die Rieselstücke (Tafeln) entweder als Horizontal- oder Hangstücke in einer Größe von ca. 0,25 ha ausgebildet und mit Wällen umgeben. Die Berieselung geschieht in der Weise, daß die Horizontalstücke über umlaufende Verteilungsrinnen ganzflächig überstaut werden, während bei den Hangstücken das Wasser der oberen Kante zugeführt wird und von dort aus dem Gefälle folgend herabrieselt. Ursprünglich gab es noch Beetstücke mit Furchenbewässerung, bei welchen das Wasser in parallelen Längsgräben von etwa einem Meter Abstand, die untereinander verbunden waren, über die Stücke floß und nur eine Befeuchtung der Pflanzenwurzeln eintrat (vgl. Abb. 1)

Abbildung 1
Abb. 1: Schematische Darstellung der Berieselungsarten (nach Erhardt et al. 1991)

Im Umfeld der eigentlichen Rieseltafeln befinden sich häufig sogenannte Wildrieselflächen, auf die bei Überlastung der aptierten Flächen über Wildrieselungsschieber unvorbehandeltes Abwasser direkt auf Naturland aufgebracht werden konnte.

Bei der Bodenpassage werden die Inhaltsstoffe des Abwassers zurückgehalten, im humosen Oberboden adsorbiert, sowie chemisch und biologisch umgewandelt. Damit erfolgt auch eine Zufuhr landwirtschaftlich verwertbarer Nährstoffe. Aufgrund der zunächst hohen erzielbaren Erträge wurde die Mehrzahl der Flächen landwirtschaftlich genutzt und durch eigens gegründete Rieselgüter bewirtschaftet. Dabei erfolgte zumeist eine Mischnutzung von Grünland und Ackerkulturen.

Zur schnelleren Abführung des gefilterten und gereinigten Wassers sowie zur Wiederbelüftung und Belebung des Bodens wurden die berieselten Flächen meist schon bei der Herrichtung in gleichmäßigen Abständen mit Dränrohren durchzogen. Die Ableitung des Dränwassers erfolgt über Sammeldräns in Entwässerungsgräben zu den Vorflutern. Ein Teil des Sickerwassers gelangt nach der Bodenpassage ins Grundwasser.

Im Normalbetrieb werden die Flächen überstaut. Anschließend wird abgewartet, bis das Wasser versickert und der Boden wieder durchlüftet wird. Erst danach wird mit dem nächsten Überstau begonnen. Die Berieselungsrhythmen richten sich zudem nach den Wachstumsperioden der landwirtschaftlichen Kulturen. So sind für Grünland jährlich 4 - 8 Berieselungen mit Beaufschlagungsmengen von 2 000 - 4 000 mm möglich, während Flächen, die für den Anbau von Wintergetreide genutzt werden, nur einmal jährlich mit 100 - 500 mm Abwasser beschickt werden können.

Durch die Überbeanspruchung der Rieselfelder durch zunehmende Abwassermengen, Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion und Stillegung von Rieselfeldflächen wurden in einigen Bereichen sogenannte Intensivfilterflächen angelegt, die dauerhaft überstaut und zu diesem Zweck eigens mit erhöhten Wällen umgeben wurden. Hier wurde nur eine ungenügende Reinigungsleistung erzielt, da aerobe Abbauprozesse nicht stattfinden konnten. Diese Flächen wurden nicht landwirtschaftlich genutzt.

Mit der Aufgabe der Rieselfeldnutzung erfolgte in vielen Fällen eine Einebnung der Rieselfeldstrukturen. Gräben und Tafeln wurden mit dem im Bereich der Wälle aufgeschütteten Material verfüllt.

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