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Umweltatlas Berlin

01.09 Radioaktivität im Boden (Cäsium-134 und Cäsium-137)

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Karte 01.09.1 Cäsium-137 vor dem Reaktorunfall in Tschernobyl

Die berechnete räumliche Verteilung des Cäsium-137 im Oberboden vor dem Reaktorunfall in Tschernobyl ist aus Karte 01.09.1 zu erkennen. Der Mittelwert aller berechneten Einzelwerte liegt bei etwa 1 300 Bq/m², ihre Wertverteilung und -höhen sind dem Histogramm in Abbildung10 zu entnehmen. Dabei zeigt ein Vergleich mit der Situation in Bayern außerdem, daß auch beim kernwaffenbedingten Fallout die Lage des Untersuchungsgebietes eine mitentscheidende Rolle spielt.

Während die Vorbelastung im Berliner Raum besonders durch Werte im Bereich von 300 bis 2 500 Bq/m² Cäsium-137 bestimmt wird, liegt das Niveau in bayerischen Böden höher. Die bayerischen Werte konzentrieren sich besonders auf den Bereich von 1 200 bis 5 000 Bq/m², einzelne Werte liegen auch um den Faktor 10 höher. Selbst unter Berücksichtigung der dortigen Beprobung bis in 30 cm Tiefe, durch die in gestörten Böden (z.B. Äcker) auch die Aktivitäten in größerer Tiefe miterfaßt werden, sind die Ursachen dieser Ungleichheit der Belastungsverteilung und -höhen vorrangig zurückzuführen auf kleinräumig wirksame Faktoren sowie auf die meteorologischen Bedingungen wie langjährige Niederschlagshäufigkeit, -menge und Windrichtungsverteilung.

Eine Interpretation der räumlichen Belastungsverteilung in Berlin zeigt, daß die im langjährigen Mittel für Berlin vorherrschenden West-/Südwest-Winde im Verbund von trockener und feuchter Deposition zu Konzentrationsspitzen im westlichen Stadtbereich führen. Besonders hervorzuheben sind darüberhinaus die Forststandorte, da hier in der meist nur wenige Zentimeter mächtigen Humusschicht die höchsten Aktivitätskonzentrationen auftreten. In dieser Humusschicht findet eine besonders starke Bindung des Isotops Cäsium-137 an die Bodenbestandteile statt. Im Stadtgebiet muß dagegen häufig mit kleinräumig differierenden Einflußfaktoren gerechnet werden, die sich auf den äußeren Einflußpfad (Immission) ebenso beziehen wie auf das Bodensubstrat selbst. Hier könnten nur aufwendige Untersuchungen zur kleinräumigen Varianz der Radionuklide weiteren Aufschluß bringen.

Karte 01.09.2 Deposition von Cäsium-134 und Cäsium-137 infolge des Reaktorunfalls in Tschernobyl

Die Eintragssituation durch die während des Reaktorunfalls emittierten Stoffe war dagegen im wesentlichen durch die meteorologischen Bedingungen der Zeit vom 26. April bis 13. Mai 1986 bestimmt. Die während der ersten 10-12 Tage herrschende regenfreie Hochdruckwetterlage führte zunächst zu einer Depositionsverteilung, welche hauptsächlich von der Filterwirkung der Oberflächenstrukturen sowie dem Feuchtegehalt der Atmosphäre abhängig waren. Neben Waldstandorten waren damit besonders solche Flächennutzungen betroffen, über denen ganztägig hohe Luftfeuchtigkeit herrschte, bzw. wo durch nächtliche Abkühlung der Wasserdampf der Atmosphäre kondensierte. Diese Taubildung führt ähnlich einer nassen Deposition durch Niederschlag zu erhöhtem Bodeneintrag.

Der erste Niederschlag fand in der Zeit vom 7. bis 8. Mai statt. Je nach Niederschlagsmenge kam es dabei zu sehr unterschiedlichen Depositionsraten. So reicht die zusätzliche Deposition des relevanteren Cäsium-137 an den einzelnen Untersuchungspunkten von 860 bis etwa 5 600 Bq/m²; der Neueintrag des Cäsium-134 schwankt zwischen 430 und 2 600 Bq/m².

Abbildung 11
Abb. 11: Wertverteilung und -höhen der Deposition von Cäsium-137 in Böden in Berlin und Bayern infolge des Unfalls in Tschernobyl (nach Kannenberg 1991 und Bay. Staatsministerium f. Landesentwicklung und Umweltfragen 1987)

Excel
[Die Datengrundlage der Abbildung liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Dabei zeigt ein Vergleich mit der Situation in Bayern wie schon in Abbildung 10, daß auch beim Neueintrag die Lage des Untersuchungsgebietes eine entscheidende Rolle spielt (vgl. Abb. 11).

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