Geoportal  



 

Umweltatlas Berlin

01.03.1 Blei im Boden / 01.03.2 Cadmium im Boden

Kartenansicht Kartenansicht English Text available Inhalt    zurück kein weiter

Belastungsursachen

Ablagerungen

Ursächlich für Bodenbelastungen mit Blei bzw. Cadmium sind zumeist Beimengungen kontaminierter Materialien (z.B. Bauschutt, Schlacke), die zum Teil aus einer Vornutzung als Deponie oder Industriestandort stammen.

Entsprechend überformte Böden finden sich insbesondere im Bereich von Klein- und Hausgärten, Grünanlagen und sonstigen Nutzungen. So liegen im Westteil der Stadt 115 Kleingartenkolonien auf nachgewiesenen Altablagerungen bzw. Altstandorten oder im Bereich von Altlastenverdachtsflächen. Auffällig sind großflächige Ablagerungen am ehemaligen Stadtrand West-Berlins, die heute kleingärtnerisch genutzt werden (SenStadtUm 1991c). Auch im Innenstadtbereich finden sich großflächige Ablagerungen von Trümmerschutt.

An diesen Standorten finden sich regelmäßig die höchsten Schwermetallgehalte. Insbesondere Belastungsspitzen im Außenbereich können vielfach durch anthropogene Ablagerungen erklärt werden. Darüberhinaus können aber auch im Bereich kleinräumiger Verfüllungen, etwa im Zusammenhang mit Baumaßnahmen in Hausgärten, erhebliche Bodenbelastungen auftreten.

Bodenverbesserungsmittel

Auch im Rahmen der Bewirtschaftung von Klein- und Hausgärten sowie gärtnerisch gepflegter Grünflächen kommt es durch die Aufbringung belasteter Komposte und Bodenverbesserungsmittel, insbesondere unter Berücksichtigung einer regelmäßigen und langfristigen Anwendung, zu erheblichen Schwermetalleinträgen in den Boden. Die Belastung von Komposten wurde im Rahmen der Untersuchungen des Berliner Schwermetallprogramms vielerorts nachgewiesen. Ursächlich hierfür ist vorwiegend die Kompostierung schadstoffhaltiger Abfälle (z.B. von Aschen). Auch die früher weit verbreitete Anwendung belasteter Klärschlammkomposte in Klein- und Hausgärten bzw. Grünanlagen, die heute nur noch kleinflächig erfolgt, hat zur Bodenbelastung beigetragen. Auf Landwirtschaftsflächen im Umfeld der Gatower Rieselfelder wurden Rieselfeldschlämme zur Bodenverbesserung eingesetzt.

Abwasser

Die Belastung der Böden auf aktuellen und ehemaligen Rieselfeldern erklärt sich durch die Schadstoffbelastung des aufgebrachten Abwassers, wobei sich das Schadstoffspektrum des Abwassers in der Belastung des Bodens widerspiegelt. Die Variationsbreite der Belastung zwischen verschiedenen Rieselfeldgebieten und innerhalb einzelner Rieselfelder resultiert aus der Dauer und Intensität der Beaufschlagung sowie der Herkunft der verrieselten Abwässer. Dabei ist davon auszugehen, daß sowohl die Schadstofffracht der Abwässer als auch die Berieselungsintensität früher wesentlich höher war als bei den aktuell noch in Nutzung befindlichen Flächen.

Belastungsgradienten innerhalb einzelner Rieselfeldgebiete lassen sich durch die inhomogene Bewirtschaftung erklären. So nimmt die Belastung der Tafeln mit zunehmender Entfernung vom Standrohr, von dem aus das Abwasser aufgegeben wird, ab. Besonders hohe Belastungen treten regelmäßig im Bereich von Schlammtrockenplätzen und Absetzbecken auf. Diese Beziehungen werden beim Vergleich der gemessenen Belastungen mit der in Karte 01.10 dokumentierten Nutzungskartierung der Rieselfelder deutlich.

Die Blei- bzw. Cadmiumbelastungen im Bereich der Tiefwerder Wiesen verdeutlichen die Auswirkungen periodischer Überflutungen mit belastetem Oberflächenwasser.

Belastungen von Spielplätzen ergeben sich aus der Verwendung kontaminierter Deck- und Baumaterialen, wie z.B. Schlacken und Bauschutt.

Einträge aus der Luft

Schwermetalleinträge aus der Luft führen für alle Nutzungen zu einer zusätzlichen Belastung des Bodens. Aufgrund der höheren Depositionsmenge zeigt sich dieser Einfluß für Blei deutlicher als für Cadmium. Böden im Innenstadtbereich werden stärker belastet als Böden am Stadtrand. Belastungsspitzen zeigen sich in der Umgebung von gewerblichen Emittenten, aber auch in unmittelbarer Nähe von stark befahrenen Straßen (vgl. Karte 01.03.3). Belastungen im Bereich der Forsten sind fast ausschließlich auf die durch deren Filterwirkung noch verstärkte Deposition aus der Luft zurückzuführen. Bei den bearbeiteten Garten- bzw. Landwirtschaftsflächen erfolgt eine regelmäßige Durchmischung des Oberbodens, so daß der Immissionseinfluß nicht sehr deutlich erkennbar ist.

Tabelle 4
Tab. 4: Eintrag und Akkumulation von Blei und Cadmium in Böden

Excel
[Die Tabelle liegt auch im Excel-Format vor (MS-Excel wird benötigt).]

Gesamteinschätzung

Art und Vielfalt möglicher Belastungsursachen veranschaulichen, daß die dargestellten Blei- bzw. Cadmiumbelastungen im Oberboden vielerorts nur einen Teil der Belastungssituation des Standorts kennzeichnen. Für einen großen Teil der Standorte sind Kontaminationen mit anderen Schwermetallen (insbesondere Zink, Kupfer und Chrom) nachgewiesen. Hierdurch wird das Risikopotential der Böden zum Teil deutlich erhöht. Im Bereich von Rieselfeldern oder Altlasten wurden zum Teil auch organische Schadstoffe in relevanten Konzentrationen gefunden. Im Bereich von Aufschüttungen, für Rieselfelder und an Standorten mit einem geringen Bindungsvermögen des Oberbodens ist zudem davon auszugehen, daß Schadstoffe auch in tiefere Bodenbereiche eingetragen bzw. ausgewaschen worden sind.

Darüberhinaus ist davon auszugehen, daß vergleichbare Schadstoffgehalte auch auf vielen bisher nicht untersuchten Flächen, insbesondere im Ostteil der Stadt, auftreten können.

Von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz wurden Handlungsmöglichkeiten zur Minderung der von Bodenbelastungen ausgehenden Risiken erarbeitet (vgl. Tab. 2). Diese können jedoch nur nach eingehender Ursachenrecherche standortspezifisch und unter Berücksichtigung des Gesamtbelastungsspektrums sinnvoll konzipiert werden. Zum Teil sind auch zusätzliche Informationen zur Bodenbeschaffenheit hinzuzuziehen. Entsprechende Vorgaben wurden den betroffenen Flächennutzern zur Verfügung gestellt. Für besonders belastete Spielplätze sind bereits konkrete Sicherungs- bzw. Sanierungsmaßnahmen eingeleitet worden.

Kartenansicht Kartenansicht English Text available Inhalt    zurück kein weiter

umweltatlas_logo_klein