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Umweltatlas Berlin

01.01 Bodengesellschaften (Ausgabe 1998)

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Anthropogene Veränderung des Bodens

Der Grad der anthropogenen Veränderung des Bodens nahm mit fortschreitender Technisierung sowie wachsender flächenmäßiger Inanspruchnahme zu.

Heute gibt es kaum noch unberührte und in ihrem Horizontaufbau unveränderte Böden. Wo die Horizontabfolge der Böden trotz Nutzung durch den Menschen weitgehend erhalten blieb, wie bei forstwirtschaftlicher Nutzung, werden die Böden als naturnahe Böden, bei Zerstörung der Horizontabfolge als anthropogene Böden eingestuft. Eine eindeutige Zuordnung der Böden in diese zwei Gruppen erweist sich als äußerst schwierig. Bei landwirtschaftlicher Nutzung sind in der Regel die oberen 20 - 30 cm des Bodenprofils durch Pflügen durchmischt. Bei Nutzung als Truppenübungsplatz oder Friedhof können naturnahe Böden z.T. in kleinräumigem Wechsel mit anthropogen veränderten Böden erhalten bleiben. Ohne Bodenuntersuchungen ist der Grad der anthropogenen Beeinflussung bzw. der Grad der Zerstörung des Bodens schwer einschätzbar. Ebenso kommt es bei der jeweiligen Nutzung darauf an, ob das zu betrachtende Gebiet durch die Nutzung nur teilweise oder flächendeckend in Anspruch genommen wurde.

Entwicklungsgeschichtlich gibt es relativ "alte" und relativ "junge" Böden. Von der Nutzung wenig beeinflußte Böden haben einen Entwicklungszeitraum bis zu einigen tausend Jahren. Der wesentliche Entstehungszeitraum der Böden im Berliner Raum ist das Holozän, das vor ca. 10 000 Jahren begann. Günstige klimatische Verhältnisse sowie die damit verbundene rasche Ausbreitung der Vegetation bewirkten eine verstärkte Bodenbildung. Während der langen Entwicklungszeit dieser Böden liefen verschiedene bodenbildene Vorgänge ab, die sich in der Ausbildung typischer Horizonte widerspiegeln. Deshalb ist die Horizontabfolge dieser Bodentypen wesentlich differenzierter als die der relativ "jungen" Böden.

Der Boden ist unvermehrbar. Seine Nutzung ist häufig mit einer Veränderung der ursprünglichen ökologischen Bedingungen verbunden und kann zu schwerwiegenden Gefährdungen der Funktionsfähigkeit oder gar des Bestandes des Bodens führen.

Die Ressource Boden ist aufgrund fortschreitender Versiegelung in ihrer Quantität gefährdet. In den letzten Jahren nahm die Inanspruchnahme des Bodens als Industrie-, Gewerbe-, Verkehrs- und Wohnfläche stark zu. Ehemals landwirtschaftlich genutzte, unversiegelte und in ihrem Bodenaufbau weitgehend naturnahe Böden wurden durch Bauvorhaben am Stadtrand umgelagert, durchmischt und großflächig versiegelt.

Belastungen durch Schadstoffe verändern den Boden in seiner Qualität. Schadstoffeinträge durch ungeregelte Abfallentsorgung, Unfälle, Leckagen und unsachgemäße Lagerung sowie Schadstoffeinträge aus den Emissionen von Industrie, Gewerbe und Verkehr beeinträchtigen die Böden.

Die eingetragenen Schadstoffe können direkt und indirekt zu einer Gefährdung aller Organismen einschließlich des Menschen führen. Im Vordergrund steht dabei die Aufnahme von Schadstoffen über den Nahrungskreislauf, aber auch der direkten oralen Bodenaufnahme (insbesondere durch Kleinkinder) muß Beachtung geschenkt werden.

Der Boden kann nur eine bestimmte Menge an Schadstoffen speichern. Wird seine Speicherkapazität überschritten, können sie den Boden ungehindert passieren und ins Grundwasser gelangen.

Gerade in einem Ballungsraum wie Berlin treten die Probleme hinsichtlich des "Flächenverbrauches" und der Versiegelung (quantitative Gefährdung) sowie der stofflichen Belastung des Bodens durch Altlasten und andere Bodenverunreinigungen (qualitative Gefährdung) konzentriert auf.

Da der Boden nicht vermehrbar ist und stark beeinträchtigte Böden kaum in ihren ursprünglichen Qualitäten wiederherstellbar sind, ist der Schutz verbliebener naturnaher Böden dringend notwendig.

Bodenschutz

Diskussionen und Überlegungen zum Bodenschutz sind auf Bundes- und auf Landesebene erst zu Beginn der 80er Jahre in Gang gekommen. Gesetzlich verankert wurde der Schutz des Bodens erst 1995 im Berliner Bodenschutzgesetz, ein Bundesbodenschutzgesetz liegt im Entwurf vor.

Ziel des Berliner Bodenschutzgesetzes ist es, "den Boden als Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen zu schützen, schädliche Veränderungen abzuwehren und Vorsorge gegen das Entstehen neuer zu treffen". Nachhaltige Einwirkungen auf den Boden sollen vermieden und die natürlichen Bodenfunktionen geschützt werden.

Voraussetzungen für wirksamen Bodenschutz sind Kenntnisse über den Zustand der Böden sowie ihre quantitative und qualitative Beeinträchtigung. In Berlin werden seit Jahren Informationen über die Nutzung, den Versiegelungsgrad und die stoffliche Belastung des Bodens erarbeitet, die die Grundlagen für die Bewertung der anthropogenen Belastung des Bodens darstellen. Ein Altlastenkataster und ein Schwermetallkataster wurden aufgebaut sowie eine Versiegelungs- und Nutzungskartierung durchgeführt.

Planungen von Bodenschutzmaßnahmen sowie die Berücksichtigung von Bodenschutzbelangen in den einzelnen Planungsebenen erfordern eine Bestimmung des Wertes, der Eignung oder der Empfindlichkeit der Böden. Hierzu müssen flächendeckende Daten bezüglich der Verbreitung der Böden und ihrer ökologischen Eigenschaften zur Verfügung stehen. Die vorliegende Karte bietet die Grundlage für die Ableitung ökologischer Kennwerte, die der Bewertung von Eigenschaften und Funktionen der Böden dienen. Hierzu gehören z.B. das Puffervermögen für Schadstoffe und die Grundwasserneubildung.

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