Der Zentralfriedhof Friedrichsfelde wurde nach Plänen des Berliner Stadtgartendirektors Hermann Mächtig von Gartenbaudirektor Axel Fintelmann angelegt. Die Anlage hat eine Ausdehnung von 1 km x 0,25 km und wurde als Parkfriedhof gestaltet. Die Einweihung erfolgte am 21. Mai 1881.
Bis 1911 ließ die Stadt die mittellosen Bürger ausschließlich
auf diesem Friedhof bestatten und übernahm die Kosten für die Grabstätten.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Friedhof auf Grund seiner ansprechenden
parkähnlichen Gestaltung auch von wohlhabenden Berliner Bürgerfamilien
als Begräbnisstätte genutzt.
Im Jahre 1926 entwarf der Architekt und spätere Bauhausdirektor Ludwig Mies
van der ein zwölf Meter langes, vier Meter breites und sechs Meter hohes
Revolutionsdenkmal aus roten Klinkern. Sein Entwurf war für die damalige
Zeit ungewöhnlich und wurde auch von den prominenten Vertretern der Arbeiterklasse
zunächst mit Skepsis betrachtet. Das Denkmal bestand aus dunklen Hartbrandklinkern.
Die Fassade wurde durch kastenartige Vorsprünge gegliedert. An der Seite
des Denkmals wehte eine rote Fahne. An der rechten Seite war ein großer
Sowjetstern mit einem Durchmesser von zwei Metern angebracht. Das Stahlunternehmen
Krupp soll die Anfertigung des Signums der radikalen linken Partei abgelehnt
haben. Mies van der Rohe ließ daraufhin von Krupp fünf identische
rhombische Platten anfertigen, die anschließend zu einem Stern zusammengesetzt
wurden. Der Großteil der Kosten konnte durch den Verkauf von Postkarten
mit dem Motiv des geplanten Denkmals finanziert werden. Am 13. Juni 1926 wurde
das Denkmal enthüllt. Bis zum Jahr 1933 fanden hier Gedenkfeiern von Arbeitern
und kommunistischen Politikern aus Deutschland und vielen anderen Ländern
statt. Im Januar 1935 erfolgte der Abriss des Monumentes bis auf das Fundament.
Heimlich wurde auch während der NS-Zeit am Ort des ehemaligen Revolutionsdenkmals
der Toten gedacht.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurden repräsentative Grabmale im heutigen Eingangsbereich
entfernt und mussten der Anlage der „Gedenkstätte der Sozialisten“ weichen.
Seit jeher ist der Zentralfriedhof der Bestattungsplatz für die deutsche
Arbeiterbewegung: u.a. liegt hier der Sozialdemokrat Wilhelm Liebknecht (1826-1900)
begraben, dessen Bestattung den Friedhof in ganz Deutschland bekannt machte.
Der Architekt Ludwig Hoffmann gestaltete die Grabstätte mit einer für
die damalige Zeit typischen Symbolik. Auf einem Granitsockel steht die Büste
Wilhelm Liebknechts, dahinter, auf einer Reliefplatte, reicht eine Siegesgöttin
einem Hüttenarbeiter die Hand und schmückt ihn mit einem Lorbeerkranz.
Wilhelm Liebknecht, ein Freund und Schüler von Karl Marx und Friedrich Engels,
verkörperte die Hoffnungen von Millionen Anhängern auf eine bessere
Zukunft.
Im Januar 1919 wurde Karl Liebknecht, der Sohn Wilhelm Liebknechts, auf dem Zentralfriedhof
begraben und im Mai desselben Jahres Rosa Luxemburg
.
Im Eingangsbereich des Friedhofes befindet sich heute die 1951 eingeweihte "Gedenkstätte
der Sozialisten". Es handelt sich um eine vier Meter hohe kreisförmige
Klinkermauer mit einer 25 m breiten Öffnung. Den Mittelpunkt der Gedenkstätte
bildet ein vier Meter hoher und etwa zwei Meter breiter Stein aus Rochlitzer
Porphyr mit der Inschrift "Die Toten mahnen uns". Um den Porphyrblock
sind Grab- und Gedenksteine für die Arbeiterführer gruppiert: u.a.
Karl Liebknecht (1871-1919), Rosa Luxemburg (1870-1919), Ernst Thälmann
(1886-1944), Rudolf Breitscheid (1874-1944), Franz Mehring (1846-1919), John
Schehr (1896-1934) und Franz Künstler (1888-1942).
Die Grabmäler für die Sozialdemokraten Paul Singer (1844-1911), Hugo
Haase (1863-1919) und Theodor Leipart (1867-1947) wurden in die linke Seite der
Ringmauer integriert, auf der rechten Seite befinden sich die Urnengrabstätten
von Politikern der ehemaligen DDR. Die Grabplatten der Dichter und Schriftsteller
Erich Weinert (1890-1953), Friedrich Wolf (1888-1953) und Willi Bredel (1901-1964)
wurden daneben angebracht. Die Einweihung der "Gedenkstätte der Sozialisten" erfolgte
am 14. Januar 1951 durch Erich Honecker, Fred Oelßler, Wilhelm Pieck, Friedrich
Ebert, Hans Jendretzky und Paul Wandel.
Ein Gedenkstein erinnert an 29 Opfer eines Schiffsunglückes bei Treptow am 5. Juli 1951. Die meisten der Opfer waren Kinder.
Im nördlichen Teil des Friedhofes sind noch einige hervorragende Grabanlagen
zu finden, wie die Grabstätte des wohlhabenden Kaufmanns und Rentiers Simon
Blad. Er verstarb 1896 und hinterließ sein ganzes Vermögen der Stadt
Berlin für soziale Einrichtungen. Die Muschelkalkstele von Ludwig Hofmann
ist mit einer Bronzetafel ausgestattet, die die Figur des Verstorbenen zeigt:
sitzend, mit einem Buch in der Hand. Das mit Akanthusblättern geschmückte
Relief weist in den Ecken Kinderköpfe auf, die angeblich eine Anspielung
auf die vielen unehelichen Kinder des lebenslustigen, unverheirateten Mannes
sein sollen.
Die Grabstätten bedeutender deutscher Künstler, wie das Grabmal der
Grafikerin Käthe Kollwitz (1867-1945) mit einer von der Künstlerin
1936 geschaffenen Bronzeplatte und die Grabstätte des Malers und Grafikers
Otto Nagel (1894-1967) liegen, ausgehend vom Haupteingang, an der westlichen
Hauptachse. Am Ende der Kastanienallee befindet sich auf der linken Seite ein
Rondell mit dem Grabmal des Schriftstellers F.C. Weiskopf (1900-1955). Am Pergolenweg
liegen u.a. die Grabstätten des Filmregisseurs Konrad Wolf (1925-1982) und
des Grafikers und Malers Paul Meyerheim (1842-1915).
Neben bekannten politischen Persönlichkeiten wurden auf dem Friedhof
viele Arbeiter, Besitz- und Obdachlose beerdigt.
Da Tausende von Berlinern im I. Weltkrieg an Elend, Hunger oder Grippe starben,
wurde der Friedhof eng belegt.
Gegen Ende des II. Weltkrieges mussten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde
zunächst viele Bomben- und Kriegsopfer beigesetzt werden. Die Soldatengräber
des Friedhofes tragen keine heroischen oder patriotischen Inschriften, wie
sie auf anderen Begräbnisplätzen zu finden sind.
Die in den Jahren 1890-1893 nach Plänen von Hermann Blankenstein errichtete
Feierhalle des Friedhofes wurde 1945 zerstört, in den 50er Jahren wieder
aufgebaut und 1979 modernisiert.
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Feierhalle

Grabmal Freiherr von
Wangenheim-Winterstein

Erdwahlgrab

Gedenkstein Urnengemein-
schaftsanlage

Familienrab

Ehrengrab Käthe Kollwitz
Weitere Informationen
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