Seit einigen Jahren werden Kriterien für die Beurteilung der Luftqualität nicht mehr nur national, sondern europaweit festgelegt.
Die EU-Richtlinien legen neben Mindestanforderungen an die Information der Bevölkerung auch Grenzwerte (Zielwerte für Ozon) fest, die innerhalb bestimmter Zeiträume überall in der EU eingehalten werden müssen.
Die nachfolgende Tabelle enthält eine Liste der Schadstoffe, für die solche Grenzwerte und Einhaltungsfristen existieren sowie ihrer Hauptverursacher. Sie enthält auch die neuen Zielwerte für Schwermetalle und Benz(a)pyren.
Tabelle 1: Die wichtigsten EU-weiten Immissionsgrenzwerte und Schwellenwerte zur Luftqualität
| Komponente |
Wichtigste Quellen der Belastung |
Art des Schwellenwertes |
Mittel über |
Konzentra-
tionsschwelle |
zulässige Anzahl von Über-
schreitungen |
Grenzwert einzuhalten bis |
Schwefel-
dioxid
(SO2) |
Importiertes Schwefeldioxid, Wohnungsheizungen, Kraftwerke, Industrie, inzwischen auch Verkehr (Dieselmotoren) |
Grenzwert zum Gesundheitsschutz |
1 h |
350 µg/m³ |
24 x / Jahr
(99.73- Perzentil) |
1.1.2005 |
| Grenzwert zum Gesundheitsschutz |
24 h |
125 µg/m³ |
3 x / Jahr
(99.18- Perzentil) |
1.1.2005 |
| Grenzwert zum Ökosystemschutz |
1 Jahr
Winter-
halbj. |
20 µg/m³ |
-- |
sofort |
Feinstaub (PM 10) |
Verkehr, private Haushalte (incl. Wohnungsheizung), importierter Sekundärstaub, Industrie, Baugewerbe, biologisches Material (z.B. Pollen) |
Grenzwert zum Gesundheitsschutz |
24 h |
50 µg/m³ |
35 x / Jahr
(90.41- Perzentil) |
1.1.2005 |
| 1 Jahr |
40 µg/m³ |
-- |
1.1.2005 |
| unverbindlicher
Richtgrenzwert zum Gesundheitsschutz |
24 h |
50 µg/m³ |
7 x / Jahr
(98- Perzentil) |
1.1.2010 |
| 1 Jahr |
20 µg/m³ |
-- |
1.1.2010 |
Stickstoff-
dioxid
(NO2) |
Verkehr, importiertes Stickoxid, Wohnungsheizung, Industrie und Kraftwerke |
Grenzwert zum Gesundheitsschutz |
1 h |
200 µg/m³ |
18 x / Jahr
(99.8- Perzentil) |
1.1.2010 |
| 1 Jahr |
40 µg/m³ |
-- |
1.1.2010 |
| Benzol |
Verkehr (Benzinmotoren) |
Grenzwert zum Gesundheitsschutz |
1 Jahr |
5 µg/m³
(10 µg/m³) |
|
1.1.2010 (2015)
(1.1.2010) |
Kohlen-
momoxid |
Verkehr, Ofenheizungen |
Grenzwert zum Gesundheitsschutz |
8 h |
10 mg/m³ |
|
1.1.2005 |
| Ozon (O3) |
Ozon wird kaum emittiert, sondern aus Stickoxiden und Kohlenwasserstoffen gebildet: Quellen dafür sind: Verkehr, Kraftwerke, Industrie, private Haushalte; Gut ein Drittel der Ozonkonzentration ist natürlichen Ursprungs |
Zielwert zum Gesundheitsschutz |
8 h |
120 µg/m³ |
an 25 Tagen im 3 Jahres-
mittel (93.15- Perzentil) |
1.1.2010 |
| Langfristziel zum Gesundheitsschutz |
8 h |
120 µg/m³ |
-- |
-- |
| Zielwert zum Vegetationsschutz |
AOT40
Mai - Juli |
18.000 µg/m³h |
|
1.1.2010 |
| Langfristziel zum Vegetationsschutz |
AOT40
Mai - Juli |
6.000 µg/m³h |
|
-- |
Informations-
schwelle |
1 h |
180 µg/m³ |
|
-- |
| Alarmschwelle |
1 h |
240 µg/m³ |
|
-- |
| Indikator zum Schutz der Wälder |
AOT40
April - Sept. |
20.000 µg/m³h |
|
-- |
Schwermetalle
Arsen (As)
Cadmium (Cd)
Nickel (Ni)
Blei (Pb)
|
Verbrennung von fossilen Brennstoffen |
Zielwert zum Gesundheitsschutz
Grenzwert zum Gesundheitsschutz |
1 Jahr
1 Jahr
1 Jahr
1 Jahr
|
6 ng/m³
5 ng/m³
20 ng/m³
500 ng/m³
|
|
1.1.2013
1.1.2013
1.1.2013
1.1.2005
|
Benz(a)pyren
(BaP)
|
unvollständige Ver-brennungsprozesse, z. B. in Automotoren und Kohleheizungen |
Zielwert zum Gesundheitsschutz |
1 Jahr |
1 ng/m³ |
|
1.1.2013
(1.1.2010) |
Die in den EU-Richtlinien definierten Grenzwerte orientieren sich an den Richtwerten der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie markieren ein Konzentrationsniveau, das auf der Basis neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Auswirkungen von Luftschadstoffen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt festgelegt wurde. Ziel ist die möglichst weitgehende Verringerung und Vermeidung solcher Schäden.
Werden die EU-weit geltenden Grenzwerte einschließlich der Toleranzmarge eines Schadstoffes überschritten, müssen in den betroffenen Regionen Luftreinhaltepläne erstellt werden. In Berlin werden die Grenzwerte für Feinstaub PM10 und Stickstoffdioxid NO2 überschritten, deshalb wurde der Luftreinhalte- und Aktionsplan 2005-2010 für Berlin erstellt, der im August 2005 vom Senat verabschiedet worden ist.