Aufgabe der Luftreinhalteplanung ist es, Maßnahmen zur Reduzierung der Luftbelastung zu entwickeln, die im Sinne des Verursacherprinzips und der Verhältnismäßigkeit die verschiedenen Emittenten entsprechend ihrer Beiträge zur beobachteten Luftbelastung treffen.
Im Rahmen der Ursachenanalyse wird daher untersucht, in welchem Maß einzelne Quellen oder Quellgruppen innerhalb und außerhalb Berlins zur Überschreitung
- des Tagesmittelgrenzwertes (24h-Wert) für Feinstaub PM10,
- des Jahresmittelwertes für Feinstaub PM10 bei ungünstiger Wetterlage und
- des Jahresmittelwertes Stickstoffdioxid NO2 in Hauptverkehrstraßen
beitragen. Hierfür müssen Daten zu Emissionen, Immissionen und zur Meteorologie in Rechenmodellen verknüpft werden.
Schema der Verteilung der Feinstaub (PM10)- Belastung in Berlin und Umgebung
Aufgrund des großräumigen Transportes von Luftschadstoffen in der Atmosphäre gelangt ein erheblicher Anteil von Schadstoffen von außen in die Stadt. Innerhalb der Stadt kommen zu dieser regionalen Hintergrundbelastung die Emissionen von städtischen Quellen wie Kraftwerken, Industrie oder Hausbrand sowie des städtischen Verkehrs hinzu, so dass sich in der Summe die urbane Hintergrundbelastung ergibt. An Straßen führen die zusätzlichen Emissionen des lokalen Verkehrs zu hohen Belastungsspitzen. Dieses Modell ist in der oberen schematischen Darstellung abgebildet.
Die Anteile dieser drei Quellgebiete an der gemessenen Feinstaubbelastung in einer typischen Straße sind in folgender Tabelle zusammengefasst.
Herkunft der Feinstaubbelastung und Stickstoffbelastung in Berlin
| |
Feinstaub PM10 |
Stickstoffdioxid NO2 |
Regionaler Hintergrund
Ferntransportquelle: Industrieemissionen aus östlichen Nachbarstaaten sowie auch Verkehr außerhalb der Stadt |
50 % |
7 % |
Urbaner Hintergrund
Berliner Quellen: Verkehr, Kraftwerke, Industrie, Kleinfeuerungsanlagen, Bautätigkeit |
24 % |
39 % |
Lokaler Verkehr
Berliner Quelle: Fahrzeuge (Auspuffemissionen von Dieselfahrzeugen und Abrieb von Reifen/Aufwirbelungen) |
26 % |
54 % |
Die Emissionen von Luftschadstoffen werden in Berlin seit 1979 in regelmäßigen Abständen ermittelt und im
Emissionskataster zusammengefasst. Einen Überblick über die einzelnen Emittentengruppen und deren Emissionen von Feinstaub PM
10 und Stickstoffdioxid NO
x in den letzten Jahren in Berlin geben die beiden Säulendiagramme wieder. Die Emissionen sanken von 1994-2000 um 40 % bei PM
10 und 47 % bei NO
x.

Feinstaubemissionen PM10 nach Emittentengruppen
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NOx-Emissionen nach Emittentengruppen
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Mit Hilfe von Modellrechnungen wird der prozentuale Quellanteil der Schadstoffbelastung den verschiedenen Verursachern zugeordnet. Die Ergebnisse sind aus den Tortendiagrammen zu entnehmen.
Auf der Basis von Emissions- und Immissionsdaten ermittelte Quellanteile an der PM10-Belastung an einer verkehrsreichen Straße in der Berliner Innenstadt
Für Feinstaub ergibt sich:
- Knapp die Hälfte des Feinstaubs wird durch Ferntransport von außen nach Berlin importiert.
- Der Verkehr verursacht verteilt auf regionale (10 %), urbane (16 %) und lokale (26 %) Beiträge etwa die Hälfte der gesamten Feinstaubbelastung (52 %). Der lokale Verkehrsbeitrag in einer Hauptverkehrsstraße mit durchschnittlichem LKW-Anteil (4 %) lässt sich zu etwa zwei Drittel auf den LKW-Verkehr zurückführen. Fast die Hälfte der verkehrsbedingten Feinstaubbelastung stammt nicht aus Dieselabgasen sondern aus dem Reifen- und Fahrbahnabrieb sowie der Aufwirbelung von Straßenstaub.
- Industrie- und Kraftwerke tragen etwa ein Viertel zur Gesamtbelastung bei, wovon der ganz überwiegende Teil aus Quellen außerhalb Berlins stammt. Der Anteil der Berliner Industrie- und Kraftwerke beträgt nur 3 %.
- Wohnungsheizungen und gewerblichen Emissionen innerhalb Berlins tragen nur noch mit circa 3 % zur Feinstaubbelastung bei. Dies ist in erster Linie der Erfolg der Umstellung von Kohleheizung auf sauberer Heizungen mit Fernwärme, Gas und Öl sowie von Energieeinsparungen.
Mit Modellen berechnete Quellanteile
an der NO2-Belastung an Hauptverkehrstraßen
Für Stickstoffdioxid ergibt sich:
- Die Belastung mit Stickstoffdioxid NO2 an Hauptverkehrsstraßen wird sehr viel stärker durch Berliner Quellen dominiert.
- Der Beitrag des lokalen Verkehrs verursacht mit 54 % mehr als die Hälfte der gesamten Belastung. Weitere 32 % stammen aus den Stickoxidemissionen des Verkehrs im übrigen Stadtgebiet.
- Andere Berliner Quellen wie Industrie, Kraftwerke und Hausheizung sowie der Beitrag durch Ferntransport spielen mit Anteilen von jeweils 7 % nur eine untergeordnete Rolle.