Langzeittest für Photovoltaik-Anlagen
Die WISTA-MANAGEMENT GMBH und die Arbeitsgemeinschaft für die Anwendung der Solarenergie (WISTAsolar) starteten im Jahr 2001 ein Projekt zum Vergleich der Leistungsfähigkeit von Photovoltaik-Anlagen.
Das nach Angaben der Initiatoren in Europa bisher einmalige Projekt wurde am Wissenschafts- und Technologiestandort Berlin-Adlershof (WISTA) realisiert. Dort sind insgesamt sieben Solaranlagen in Betrieb. Davon sind die vier Anlagen auf den Gebäuden in der Rudower Chaussee 25 in den Vergleichstest eingezogen.
Der Einsatz unterschiedlicher Technologien soll erstmals einen Vergleich der verschiedenen Silizium-Elemente über einen langen Zeitraum ermöglichen. Eingesetzt werden Silizium-Dünnfilm, monokristallines Silizium sowie unterschiedliche Varianten von polykristallinem Silizium. Die Gesamtleistung aller Energiespender beträgt 125 kWpeak. Damit erbringen sie zusammen einen jährlichen Ertrag von mindestens 100.000 kWh. Das entspricht dem jährlichen Verbrauch von mehr als 30 Einfamilienhäusern. Der in Adlershof erzeugte Strom wird in das Netz der BTB GmbH eingespeist. Die Firma betreibt am Standort ein Blockheizkraftwerk. Mit den Einnahmen aus der Netzeinspeisung werden die über die Fördersumme hinausgehenden Kosten der vier Anlagen refinanziert.
Das Ensemble der sieben Solaranlagen besteht aus:
- vier Anlagen gleicher Leistung, die auf jeweils einem Dach der vier Uni-Gebäude installiert sind,
- zwei identischen Anlagen mit monokristallinen Silizium-Zellen mit zusammen 66 kWpeak auf den Dächern der Gebäude Rudower Chaussee 17 und Kekuléstrasse 2,
- einer Photovoltaik-Fassade am Innovationszentrum für Umwelttechnik (UTZ) mit 14 kWpeak.
Für die vier Anlagen auf den Uni-Gebäuden wurden jeweils unterschiedliche Silizium-Technologien verwendet. Dadurch soll ein Vergleich des Verhaltens dieser verschiedenen Elemente über einen langen Zeitraum ermöglicht werden. Im einzelnen bestehen die Anlagen aus vier verschiedenen Teilgeneratoren mit einer Einzelleistung von ca. 11,8 kWpeak. Zum Systemvergleich wurden vier unterschiedliche Modultypen, zwei unterschiedliche Stringwechselrichter und drei verschiedene Montagesysteme verbaut.
Der erste Baustein des Solarstandortes Adlershof ist die Errichtung der multifunktionalen Photovoltaik - Fassade am Neubau des UTZ. Die Leistung der schon im Herbst 1998 in Betrieb genommenen Anlage ist wegen der erforderlichen Kompromisse relativ gering: Die stelenförmigen Fassadenelemente sollten gleichzeitig Schatten spenden, Licht durchlassen und Gestaltungselement sein. Die Zellen durften nicht blau (Ausbeuteerhöhung durch Antireflexionsschicht), sondern mussten grau sein. Außerdem waren die einzelnen Stelen nicht optimal nach Süden ausgerichtet (10° SSO) und - was besonders ungünstig ist - sie sind oft teilweise abgeschattet, besonders im oberen Teil.
Damit sie auch den ästhetischen Vorstellungen der Architekten gerecht wurden, kamen - übrigens erstmalig in Europa - am UTZ polykristalline Silizium-Dünnschichtzellen zum Einsatz. In diesem Sinne muss die Fassade als Kohlendioxid sparendes Architekturelement angesehen werden, das gleichzeitig Strom liefert. Immerhin erzeugt die Fassade pro Jahr circa 1.800 kWh Strom.
Eine neue Digitalanzeige im UTZ gibt Auskunft über die Gesamtleistung der Anlagen in kW, den Ertrag des laufenden Jahres sowie den kumulativen Ertrag in MWh der auf verschiedenen Dächern im Wissenschafts- und Technologiepark montierten Anlagen.