Planen  

 

Planung

Entwicklungsleitsätze für die Nachnutzung des Flughafens Tegel (Juni 2010)


Präambel

Die Entwicklungsleitsätze wurden ebenfalls im Rahmen der Werkstatt II erarbeitet. Der heutige Flughafen Berlin-Tegel soll nach Aufhebung der Flughafennutzung zum künftigen Standort moderner Umwelttechnologien einerseits und zum übergeordneten und integrierenden Landschaftsraum andererseits entwickelt werden. Dies geschieht auf Grundlage der durchgeführten planerischen Vorarbeiten, des Strukturkonzepts zur Masterplankonzeption und der nachfolgenden Leitsätze:


1. Vernetzung mit dem Umfeld

Die Entwicklung des Standorts ist abhängig von seiner feinteiligen Vernetzung mit den benachbarten Stadtquartieren und Freiräumen, wie auch von der Anbindung an die Innenstadt und die großen Orte des Ankommens in der deutschen Hauptstadt: dem Hauptbahnhof und dem Flughafen Berlin Brandenburg International. Die bestehende Autobahnanbindung und die Verknüpfungen mit der Stadt sind zu nutzen, insbesondere der Kurt-Schumacher-Damm und die Jean-Mermoz-Straße. Für die Anbindung und Integration der neuen Nachnutzungsstandorte in die Gesamtstadt ist eine leistungsfähige, attraktive und umweltgerechte Nahverkehrserschließung, mindestens auf dem Niveau der Buserschließung des heutigen Flughafens auch zukünftig erforderlich. Wünschenswert ist eine in das bestehende Netz integrierte Schienenanbindung. Netzergänzende people-mover-Systeme sind möglich. Neue übergeordnete Hauptverkehrsstraßen sind nicht erforderlich. Es gilt, das bislang nicht zugängliche Flughafengelände sichtbar und spürbar zu öffnen und "in die Köpfe zu bringen".

2. Landschaftsentwicklung

Die Landschaft muss als Ganzes gedacht, integriert entwickelt und in ihrer Funktion im Ökosystem erhalten werden. Sie verbindet Reinickendorf mit der Havellandschaft. Sie konstituiert sich aus den Elementen Wald (Jungfernheide), Wasser (Havelseen, Flughafensee, Hohenzollernkanal) und Offenlandschaft (Flugfeld). Sie muss der baulichen Entwicklung ein eigenes Gesicht gegenüberstellen und kann einen eigenständigen Beitrag zur Ökologiediskussion leisten. Die Entwicklung von Baufl ächen und Landschaft ist aufeinander bezogen und bereichsweise funktional verschränkt. Sie kann weitgehend unabhängig voneinander qualifi ziert werden.

3. Ortscharakter zur Standortprofilierung nutzen

Maßstäbe und Zeichen der Luftfahrt-Ära sind ein Bezugspunkt für die Entwicklung und dienen der Identitätsbildung. Übergänge zwischen städtischer Dichte und Weite der Landschaft müssen gestaltet werden. Übergeordnete Blickbeziehungen zu Fernsehturm, Borsigturm, Jungfernheide und zu Terminalgebäude und Tower dienen der strukturellen Vernetzung.
Flughäfen sind Knoten in globalen Netzen. Sie sind in einem hohen Maße mit Technologie und mit Emotionen besetzt. Diese Identität von Tegel muss mit der neuen Entwicklung aufgenommen und fortgeschrieben werden – durch internationales wie auch lokales Engagement für die ‚Marke TXL’. Die Integration flughafentypischer Elemente wie Runways, Taxiways, Markierungen, Leitsignale, Tower und so weiter in die Raum- und Erschließungsstruktur kann einen wichtigen Impuls zur Standortprofi lierung geben.

4. Entwicklungsstufen

Der Entwicklungsprozess ist mit der Schaffung sinnvoller, funktionsfähiger Einheiten mittel- und langfristig angelegt. Die Entwicklung ist prozesshaft, situativ und ausgehend von Vorhandenem und auf Grundlage des Strukturkonzepts zur Masterplankonzeption zu gestalten.
Der Schwerpunkt der Bauflächenentwicklung liegt im Süden. Die Entwicklung beginnt vorrangig an den Bestandsgebäuden und den versiegelten Flächen des Vorfelds und ist, soweit die vorhandene Erschließung dies zulässt, grundsätzlich mehrpolig möglich. Nördlich des Vorfelds liegt ein Flächenpotenzial für eine industrielle Nutzung, das aktiviert werden kann, sobald es von der Flächennachfrage her erforderlich ist und standortpolitisch erfolgreich zu werden verspricht. Umfang, Entwicklungsrichtung, Erschließung und Verhältnis zum Vorfeld sind in einem qualifizierenden Verfahren zu klären.

5. Terminalgebäude als Zentrum

Das Terminal und sein Umfeld bilden das urbane Zentrum der Entwicklung. Hier konzentrieren sich zentrale Funktionen des Gebiets: Forschung, Service, Konferenz, Ausstellung, Dienstleistungen, Versorgung, Gastronomie. Um das Terminal entwickelt sich eine Zone auch freiraumbezogener Urbanität. Im Kontext mit dem Gesamtziel sollen das Terminal und sein Umfeld in städtischer Dichte entwickelt werden. Die Bauflächen sind so zu gestalten, dass eine qualitätvolle, nachhaltige, nach ökologischen Kriterien verdichtete und lebenswerte Arbeitswelt entsteht. Hierfür sollen verbindliche Qualitätsanforderungen entwickelt werden.

6. Adressbildung

Entlang der Haupterschließungen, der tangierenden Hauptverkehrsstraßen an den Landschaftskanten und rund um das Terminal liegen Potenziale für die Bildung von Adressen und Identitäten. Alleinstellungsmerkmale wie die besondere Architektur des Terminals, die Einbindung in die Landschaftsszenerie, die Nähe zur City-West und zur Heidestraße schaffen Bezugspunkte und sind geeignet den Standort Tegel als Angebot für besondere Adressen zu profi lieren. Damit die positiven Effekte des Forschungs- und Industrieparks "Technologien der Zukunft" für die Entwicklung Berlins erzielt werden können, bedarf es einer gemeinsamen Anstrengung und der zielgerichteten Kooperation von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung.

7. Integrierter Planungsprozess

Lage, Größe und Qualität der Fläche erfordern einen verantwortungsbewussten planerischen Umgang im Sinne einer nachhaltigen, umweltgerechten Entwicklung sowie einen inhaltlich und gestalterisch hohen Qualitätsanspruch. Der Planungs- und Entwicklungsprozess für die Nachnutzung von Tegel bedarf der Beteiligung der Berliner Stadtgesellschaft und -akteure. Auf Grundlage der Leitideen werden im Prozess weitere förderliche Ideen integriert. Themenbezogene Zwischennutzungen müssen bei der Standortentwicklung aktiv entwickelt und konzeptionell integriert werden

8. Gemeinsam städtisch getragen

Damit die erwünschten Effekte des Forschungs- und Industrieparks "Technologien der Zukunft" erzielt werden können, bedarf es einer gemeinsamen Anstrengung und der zielgerichteten Kooperation von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Der Planungs- und Entwicklungsprozess für die Nachnutzung von Tegel braucht die Beteiligung der Berliner Zivilgesellschaft und engagierter Akteure. Verfahren zur Beteiligung sind im Vorfeld der Planung sorgfältig und verantwortungsbewusst zu entwickeln. Ein erster Schritt ist eine sukzessive Öffnung des Geländes nach Aufgabe der Flughafennutzung. Dazu sollten fachliche Informationen und Führungen angeboten werde.

9. Entwicklungsmanagement durch Entwicklungsträger

Der Entwicklungsprozess bedarf einer Steuerung durch einen Entwicklungsträger. Dieser richtet sein Handeln nach den Leitlinien und Planungsgrundsätzen aus, um den hohen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden, die eine Nachhaltigkeit der Gesamtentwicklung gewährleisten. Neben den Vorgaben der Bauleitplanung nutzt der Entwicklungsträger hierzu auch die privatrechtlichen Instrumente der Grundstücksvergabe