Städtebau  

 

Umfeld St. Marienkirche

Geschichte



Planung um 1970

Die St. Marienkirche (um 1270/80, Fertigstellung Anfang 14. Jahrhundert, Erneuerung nach 1380, Turmhelm, 1789-90 von Carl Gotthard Langhans, Restaurierung und Umgestaltung 1893-1895 durch Hermann Blankenstein, Restaurierung 1969-70) ist eines der ältesten Gebäude in Berlin. Sie wurde im späten 13. Jahrhundert, innerhalb der Wallanlagen, als Teil eines Marktviertels (die erste mittelalterliche Stadterweiterung Berlins), angelegt.

Nach dem Mittelalter wird die Marienkirche mit niedrigen Häusern umgeben, die vermutlich auf beiden Seiten an die alte Kirchhofmauer gebaut worden sind. Die Kirche steht diagonal im Baublock. Der Friedhof ist befestigt, aber nicht bebaut.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts bleibt die mittelalterliche Struktur noch weitgehend erhalten. Die St. Marienkirche liegt innerhalb einer Blockbebauung. Die Kirche ist nur über schmale Gassen zu erreichen. Das Kirchengebäude liegt versteckt hinter den umliegenden Häusern. Im Stadtbild ist lediglich der Kirchturm wahrnehmbar.

Erst in der Gründerzeit ändert sich das städtebauliche Gewebe. Die Kaiser-Wilhelm-Straße (heute: Karl-Liebknecht-Straße) wird zwischen 1876 und 1887, als neue Stadtachse durch den Lustgarten, an der St. Marienkirche und der neuen zentralen Markthalle entlang und weiter Richtung stadtauswärts angelegt. Die Blockbebauung um die Kirche wird z.T. abgerissen und die verbleibenden mittelalterlichen Häuser wurden ersetzt. Zum ersten Mal seit 6 Jahrhunderten steht die Marienkirche an einer Straße. Der neue Markt verliert seine Marktfunktion und wird als Schmuckplatz umgestaltet. 1885 wird ein Wettbewerb für die Errichtung eines Luther-Denkmals ausgelobt und von Paul Otto gewonnen. Das Lutherdenkmal wird erst nach seinem Tod 1895 enthüllt.

Nach der Kriegszerstörung durch den Zweiten Weltkrieg werden die verbleibenden Häuser des Marienviertels nach und nach abgerissen. Als eines der letzten Häuser wurde das Probst-Grüber-Haus, der Sitz des Generalbevollmächtigten der EKD der DDR, gesprengt, um Platz zu schaffen für das Zentrumsband der Hauptstadt der DDR.

Die Planung des Kollektivs H. Matthes, E. Horn und R. Rühle sah eine Reihe von Atmosphären und Freiraumtypologien vor und spannte sich entlang einer breiten Symmetrieachse zwischen Bahnhof Alexanderplatz und der Spree auf: beginnend mit der Platzfläche um den Fernsehturm, gefolgt vom Stadtgarten mit Wasserkaskaden und Rosenbeeten, hin zur parkartigen Fläche am Marx-Engels-Forum. Diese gärtnerische Achse ist auch heute noch gut erkennbar und weitgehend erhalten gebliebenen Faltdächern. Die Verwendung dreieckiger und sechseckiger Elemente entsprach dem damaligen Zeitgeist und stellte eine gestalterische Reaktion auf die dynamische Formsprache des Sockelgebäudes mit seinen markanten, damals innovativen, Faltdächern dar.
Die Marienkirche wurde städtebaulich ignoriert und liegt als Fremdkörper innerhalb der streng geometrischen Raumachse.

Die Freiflächen des Fernsehturms werden auf dem Bauschutt der Kriegszerstörungen und späteren Sprengungen aufgebaut. Die St. Marienkirche verschwindet optisch in einer Senke.
Postkarte St. Marienkirche um 1906; Quelle: http://de.wikipedia.org/
Postkarte St. Marienkirche um 1906;
Quelle: de.wikipedia.org

Luftbild um 1910; Quelle: Landesarchiv Berlin
Luftbild um 1910;
Quelle: Landesarchiv Berlin

Planung um 1970; Quelle: Vorlass Hubert Matthes
Planung um 1970;
Quelle: Vorlass Hubert Matthes

Luftbild um 1977; Quelle: Vorlass Hubert Matthes
Luftbild um 1977
Quelle: Vorlass Hubert Matthes