Städtebau  
 

Rathausforum - Projekte

Archäologische Grabungen


Karte: archäologische Fundstellen
Karte: archäologische Fundstellen

Archäologische Grabungen vor dem Berliner Rathaus


Der Platz vor dem Berliner Rathaus war einst Standort des alten Rathauses, das erstmalig im späten 14. Jahrhundert erwähnt wird. Dieses Gebäude entstand zwischen 1240 und 1270 als rechteckiger gotischer Backstein­bau mit den Ausmaßen 39 m x 17 m und diente als städtische Rats- sowie als Kauf- bzw. Tuchhalle. An seine westliche Giebelseite grenzte die Berliner Gerichtslaube, in der seit Ende des 13. Jahrhundert das städtische Gericht tagte. Im 15. Jahrhundert erfolgte die Erweiterung um einen Turm für die Aufstellung der Stadtuhr. 1865 musste dieser beinahe 500 Jahre alte, gewachsene Gebäude­komplex dem Neubau des repräsenta­tiveren Berliner Rathauses weichen. Die Keller des mittel­alter­lichen Kernbaus wurden dabei nicht zerstört, sondern nach Abbruch der Gewölbe verfüllt. Der einzig verbliebene Überrest des Gebäudes, die Gerichts­laube, wurde 1871 abgerissen und 1872 in rekonstruierter gotischer Form im Schlosspark Babelsberg wieder aufgebaut.

Seit 2008 finden in Vorbereitung des Weiterbaus der U-Bahnline U5 archäologische Grabungen auf verschiedenen Grundstücken vor dem Rathaus auf der ehemaligen Königstraße statt. Sie ermöglichen detaillierte Aussagen zur Bau- und Nutzungs­geschichte der Häuser. Das Grabungs­gebiet überlagert sich mit dem Planungs­gebiet der zukünftigen Bahnstation "Berliner Rathaus" der Linie U5. Durch rechtzeitige Verhandlungen zwischen dem Landes­denkmalamt, der Senats­verwaltung für Stadt­entwicklung und der BVG gelang es dieses historisch einmalige Erbe in der Planung zu berücksichtigen. Es ist beabsichtigt die historischen Keller des alten Rathauses nach Fertig­stellung der U5-Bahnstation für die Öffentlichkeit erlebbar zu machen.

Überraschende Funde ergaben sich im Oktober 2010, als elf Skulpturen der Klassischen Moderne geborgen werden konnten. Dieser spektakuläre Fund wirft ein neues Licht auf den Verbleib der Kunstwerke, die im Rahmen der national­sozialistischen Beschlagnahme­aktion "Entartete Kunst" den Museen entzogen und in Ausstellungen verhöhnt wurden und die bis heute verschollen waren.

Archäologische Fenster und Pfad


Die Bezeichnung "Archäologisches Fenster" wird für die Präsentation besonderer, ortsfester Bodendenkmale "in situ" (an ihrem Fundort) verwendet. Die Bandbreite reicht dabei von Hinweisen ausschließlich auf Informationstafeln bis zu großen, begehbaren und museal aufbereiteten archäologischen Grabungsorten.

Der für die Berliner Mitte geplante "Archäologische Pfad" soll der Orientierung in der gewachsenen Stadtlandschaft dienen und die "Archäologischen Fenster" zueinander in Beziehung setzen. Ausgehend vom geplanten archäologischen Besucherzentrum am Petriplatz sollen im Verlauf des Archäologischen Pfades Informationstafeln aufgestellt werden. (alle Textauszüge aus der Ausstellung "Zukunft für die Vergangenheit")