Städtebau  
 

Rathausforum - Planungsverfahren - Gutachten

Stellungnahme Baukollegium 2010 zur Zukunft des Rathausforums


Das Baukollegium nimmt Stellung zu wichtigen Entwicklungs- und Einzelprojekten in der Stadt. Die Senatsbaudirektorin beruft die Mitglieder des Berliner Baukollegiums für die Dauer einer Legislaturperiode. Das Gremium ist ein wichtiges Instrument der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zur Sicherung der Qualität der Baukultur, des Städtebaus und der Architektur. Das Baukollegium hat im Januar 2010 folgende Thesen aufgestellt:

Erkenntnisse und Thesen zum Projekt

  1. Für die Entwicklung und Gestaltung des Rathausforums muss zunächst ein Programm formuliert werden. Es können noch keine Handschriften im Sinne städtebaulicher Haltungen oder autorisierter Entwürfe zum Einsatz kommen. Deshalb verstehen sich die fünf Visionen (obwohl sie von drei renommierten Architekturbüros erarbeitet wurden) nicht als Entwürfe, sondern dezidiert als ein Schritte zur Programmierung des Projekts.

  2. Das Rathausforum ist als Stadtraum zu sehen und kann nicht als öffentlicher Platz im Zusammenhang mit vorhandenen und ggf. auch neuen Bebauungen interpretiert werden. Dieser Stadtraum hat strukturelle Bezüge, einen besonderen Maßstab, bedeutende historische Prägungen sowie aktuelle und zukünftige Konturen.

  3. Das Rathausforum symbolisiert auf Grund seiner Lage und Zentralität, seiner Größe, seiner Adressen sowie seiner Position im Stadtkörper und öffentlichen Raumsystem die "Mitte von Berlin". Es repräsentiert die Stadt und ihre Bürger. Es verkörpert die Größe, vielleicht auch die Monumentalität der bedeutendsten Metropole in Deutschland. Es erzählt die lange wechselvolle und dramatische Geschichte der Stadtgesellschaft und ihrer Bürger.

  4. Das Rathausforum bezieht aus seiner großräumigen und seiner konkreten städtebaulichen Einbindung seine Bedeutung, Funktionalität und künftige Gestaltung. Es muss auf die Schnittstellen des ÖPNV, die Verkehrsadern, den Fluss, die Fußgängerströme, aber auch das Regierungsviertel, das Lindenforum, die Spandauer Vorstadt, das Klosterviertel, den Alexanderplatz usw. Bezug nehmen.

  5. Das Rathausforum lebt von den zentralen Adressen und dem besonderen Ensemble aus Rathaus, Fernsehturm, Marienkirche und Humboldt-Forum, aber auch von den Wohn- und Dienstleistungsnutzungen und den vielfältigen Anrainern mit ihren Angeboten für Kultur, Bildung, Kommerz, Freizeit und Vergnügen. Auf die zugehörigen Objekte (Ikonen) und Strukturen am Rand und in der Tiefe muss es als öffentlicher Raum mit Erschließungsmöglichkeiten, Freiflächen und Nutzungsangeboten reagieren.

  6. Das Rathausforum ist nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand weder ein gänzlich öffentlich nutzbarer Freiraum, noch ein Standort, den es weit gehend wieder zu bebauen gilt. Deshalb müssen in einem weiteren Prozess eine Leitidee, städtebauliche Essentials und Vorgaben für eine Erschließung, Nutzung und ggf. auch eine schrittweise Umsetzung des Projektes entwickelt werden.

  7. Der Begriff "Rathausforum" eignet sich als Bezeichnung für ein strategisches Projekt der Stadtentwicklung von Berlin. Er verweist auf die "erste Adresse" der Stadt und meint einen öffentlichen Ort, den es als Raum zu behandeln und städtebaulich sowie architektonisch/ landschaftsarchitektonisch zu gestalten gilt.