Stadtumbau Berlin Ost und West  

 

SportPark Poststadion - Betreiberkonzept (+PDF)

10 Fragen an Louisa Mühlenberg, Koordinatorin des Betreiber-Netzwerks SportPark Poststadion am 24.01.2013

zur Projektbeschreibung

Der SportPark ist ein schlafendes Dornröschen

Der winterliche Fritz-Schloß-Park

1. Du bis seit Ende 2012 die Koordinatorin für den Aufbau eines Betreiber-Netzwerks für den SportPark. Wie erlebst du das Areal des SportParks und des angrenzenden Fritz-Schloß-Parks heute?

Ich erlebe den Park als schlafendes Dornröschen - er muss noch wachgeküsst werden. Er ist ja, wie du schon sagst, zweigeteilt: im Westen der klassische Park und im Osten das Sportgelände. Beides verträgt sich noch nicht sehr gut. Die beiden wissen voneinander sehr wenig. Und auch die Anwohner wissen noch wenig von dem, was sie hier eigentlich an dem Park und auch an dem Sportgelände haben.

Den SportPark erlebe ich sehr fußball- und männerdominiert. Und der Fritz-Schloß-Park - also in zahlreichen Gesprächsrunden sind alle darauf bedacht, dass der nicht überfüllt wird - aber ich finde, davon ist er noch weit entfernt. Der kann durchaus sein Potenzial noch viel mehr ausschöpfen. Auch die Anwohner sollten das viel mehr nutzen, was einem da angeboten wird.

Das Brisante ist eigentlich die Mischung, die ist wirklich sehr breit gefächert. Im Fußball wird hier teilweise auf Dritt-Liga-Niveau gespielt, daneben gibt es aber auch Angebote für Streetball, also für den spontanen Freizeitkick. Das geplante Spa-Gelände hat ja eine sehr zahlungskräftige Zielgruppe, das richtet sich kaum an die Anwohner in Moabit Ost. Und auf der anderen Seite gibt es den Moabiter Kinderhof, an dem der Weg zum Spa vorbeiführen wird und dort sind die Jungs und Mädels, die hier aufgewachsen sind - das finde ich eigentlich sehr schön. Ich denke nicht, dass man diese beiden Seiten einfach zusammenbringt und alle werden glücklich. Aber vielleicht kann sich das doch gegenseitig ein Stück weit befruchten. Also zum Beispiel, wenn vielleicht Geschäftsleute am Moabiter Kinderhof vorbei zum Spa-Gelände gehen und denken: 'Mensch, die könnten mal eine neue Rutsche brauchen, dafür können wir doch etwas tun.' Das hört sich sicher ziemlich utopisch an, aber ich denke, es ist möglich.

2. Und welche Rolle spielt das Betreiber-Netzwerk beim Wachküssen?

Primär geht es darum, erst einmal Informationen über die verschiedenen Angebote zu sammeln, zu veröffentlichen und damit Transparenz zu schaffen. Es gibt viele verschiedene Vereine im Park und dann die sozialen Einrichtungen, Schulen usw. drumherum und jeder hat nur ein Teilwissen über das Gelände. Ich  sehe meine Aufgabe darin, dieses Wissen zu bündeln und weiterzugeben und so Interesse dafür zu wecken, sich zu beteiligen, das Vorhandene zu verbessern oder auch neu zu gestalten und zu beleben.

 

3. Gibt es schon Kooperationen zwischen den ansässigen Vereinen und Trägern?

Es gibt bestimmt einige, ich kenne sie nur noch nicht. Es gibt einen "Letter of Intent", dass man Kooperationen fördern will, der stammt aber weniger von den Akteuren vor Ort. Auch die Betreiber vom Spa Wellness haben sich dazu bekannt, sich darum zu bemühen, das Gelände weiter voranzutreiben. Die bestimmt vorhandenen praktischen Kooperationen von Schulen, sozialen Einrichtungen und Vereinen müssen - wie gesagt - erst einmal gesammelt und bekannt gemacht werden.

Die Vielfalt der Möglichkeiten im und um den Sportpark ist groß

4. Wie soll das Netzwerk aussehen, wenn das Anschub-Projekt nach zwei Jahren beendet ist?

Ich denke, wir haben dann eine funktionierende Informations-Plattform als Basis, die von den Akteuren mit Inhalten gefüllt wird, also sei es jetzt für die Webseite des SportParks oder sei es für die Publikationen des Quartiers-Managements, des Betroffenen-Ladens oder auch für die Vereinszeitschriften.

Die Zusammenarbeit der verschiedenen Betreiber sollte dann beinahe zum Selbstläufer geworden sein. Es wird dann sicher ein gewachsenes Interesse der Nutzer geben, sich für den Park zu engagieren, also z.B. mit Aktionen auf dem Gelände. Damit wird allen Beteiligten das Gefühl vermittelt: Wir haben hier wirklich etwas Besonderes.

Ich gehe allerdings davon aus und finde es auch immens wichtig, dass meine Arbeit auch über die nächsten zwei Jahre hinaus weitergeführt wird, wahrscheinlich dann mit einem veränderten Profil. Die Aufgaben werden sich reduzieren und es kristallisiert sich sicher heraus, wo noch Unterstützung nötig ist. Jetzt ist meine Arbeit noch sehr breit gefächert. Zuerst einmal baue ich hier etwas auf und in zwei Jahren wird sich das noch nicht komplett selbst tragen.

5. Was sind denn in nächster Zeit die Schlüsselprojekte mit denen der Park und das Sportgelände weiterentwickelt werden?

In der nächsten Zeit wird das Süd-Plateau mit Stadtumbau-Mitteln neu gestaltet. Dort soll dann eine Art Treffpunkt und Erholungsareal entstehen. Der ehemalige Werferplatz und des Gelände vor dem Tribünengebäude sollen unter dem Aspekt Sport für jedermann besonders für Mädchen und Frauen umgestaltet werden. Dort soll Platz für offene, vereinsungebundene Angebote sein. Dazu gehört auch der Bau eines Umkleidetraktes. Voraussichtlich im April 2013 eröffnet die neue Kletterhalle des Deutschen Alpenvereins und auch der Bau des Spa-Geländes soll noch in diesem Jahr beginnen.

6. Wie beteiligen sich die Anwohner und Initiativen an der Planung?

Wir laden bei jedem Projekt zu Gesprächsrunden ein. Zum Werferplatz gab es eine gemeinsame Begehung des Geländes. Dabei wurden die Wünsche und Ideen zu diesem Gelände gesammelt. Das wird dann in verschiedenen Runden mit den Verantwortlichen weiter diskutiert.

7. Wie hast du den Kontakt zu den Akteuren hier hergestellt?

Es gab eine große Kiezrunde im Quartiersmanagement Moabit Ost, da waren sehr viele Fachämter, der Betroffenen-Laden und viele  Anwohner dabei und dort habe ich mich vorgestellt. Danach kamen wirklich viele auf mich zu und durch die Befragungen und die Kontaktaufnahme bezüglich der Gestaltung des Werferplatzes habe ich viele weitere Kontakte bekommen. Ich habe noch lange nicht jeden kennengelernt - aber Gesicht zeigen, anrufen, vorbeigehen, finde ich immer am besten.

8. Wo gibt es denn Konflikte zwischen Vereinen, Anwohnern, Bezirk und Land, wo du vermitteln könntest?

Also zum Beispiel ist dem Hort der Kurt-Tucholsky-Grundschule der direkte Zugang zu dem Sportplatz, den sie vor allen Dingen ab Frühjahr nutzen, neuerdings verwehrt. Das Sportamt hat dort einfach ein Schloss am Tor anbringen lassen. Und das Sportamt hat kein Geld, um dem Hort einen Schlüssel zur Verfügung zu stellen. Die Schule würde den Schlüssel aber auch selbst zahlen. Ich hoffe, ich kann hier vermitteln.
Dann gibt es den ASV als Leichtathletik-Verein, der kaum Zugang zu der 400-Meter-Bahn im Poststadion hat, also zu dem einzigen Leichtathletik-Gelände hier. Und natürlich gibt es Vandalismus-Erscheinungen, die bis jetzt noch nicht abzustellen waren.

9. Wie stellst du dir den Park denn in 5 Jahren vor?

Also ich stelle mir den SportPark hell vor und von morgens um acht bis abends um zehn belebt. Es sollte möglichst keine "tote" Zeit geben. Das ist ein Sportgelände, das sollte man nutzen. Auch wenn wir jetzt hier aus dem Fenster gucken: Es liegt überall Schnee drauf, aber es gibt immer Möglichkeiten für Bewegung.

- Man merkt, dass du selber Sportlerin mit Leib und Seele bist. -

Haupteingang in den SportPark an der Lehrter Straße

Ja, aber im Park geht es auch um Erholung: Das ist ja eigentlich das Nette: Man kann sich hier auf dem Sportgelände verausgaben und wenn man nicht mehr kann, geht man rüber in den Park, legt sich unter'n Baum und guckt in den Himmel.

Ich fände es schön, wenn das wirklich von vielen verschiedenen Leuten aller Altersklassen genutzt wird. Ich wünsche mir, dass dieser Park sich etabliert, dass er bei den Anwohnern ankommt und dass sich jeder hier gerne bewegen möchte. Zur Zeit ist es noch für viele ein Hindernis, in dem teilweise sehr dunklen Gelände an Fußballplätzen vorbeizugehen. Man muss sich aber sicher fühlen, um sagen zu können: "Das ist mein Park und meine Strecke, ich kann hier Sport treiben oder auch abends durchgehen, ohne mich zu fürchten."

Wichtig wäre auch, dass es ein gemeinsames Interesse gibt, das Gelände zu erhalten und zu pflegen. Es sollte selbstverständlich sein, dass der Jugendliche seinen Müll nicht einfach hinter irgendeinen Busch wirft, sondern dass er, ohne mit der Wimper zu zucken, einfach den nächsten Mülleimer benutzt, weil es ihm wichtig ist, dass es hier ordentlich aussieht, weil vielleicht nachher sein kleiner Cousin zum Fußball spielen kommt oder auf den benachbarten Spielplatz geht.

10. Hast du Wünsche an die Verantwortlichen vom Stadtumbau-Förderprogramm?

Ich bekomme viel Unterstützung und bis jetzt bin ich auf wenige Barrieren gestoßen. Ich würde mir wünschen, dass, auch wenn dieses Projekt zu Ende geht, die Unterstützung beibehalten wird; sie muss ja gar nicht unbedingt finanzieller Natur sein. Man kann hoffentlich dann nach den zwei Jahren hier unabhängig von Institutionen weiterarbeiten. Das Interesse, dieses Gelände weiterhin zu fördern und gut zu machen, sollte auf jeden Fall bis dahin gefestigt sein.

Vielen Dank!


Die Fragen stellte Anka Stahl

Fotos: Anka Stahl
Stand: September 2015

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Tel: (030) 9018 45766
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