Stadtumbau Berlin Ost und West  

 

Stadtumbau Ost

Das Fördergebiet Frankfurter Allee Nord

Projekte des Fördergebiets
Sanierte Häuser, breite, befahrene Straße

Das Fördergebiet Frankfurter Allee Nord befindet sich am östlichen Rand der Berliner Innenstadt, circa vier Kilometer vom Alexanderplatz entfernt. Es wird begrenzt von der Frankfurter Allee im Süden, der Möllendorffstraße im Westen,  von Rutnik- und Gotlindestraße (einschließlich des Friedhofs) im Norden und den Gleisen der aufgegebenen Industriebahn, dem Zentralfriedhof sowie der Bahntrasse im Osten (siehe Karte).

Die Frankfurter Allee Nord hat erheblichen Erneuerungs- und Anpassungsbedarf bei der sozialen Infrastruktur. Der öffentliche Straßenraum ist teilweise überdimensioniert. Größere Areale liegen oder fallen demnächst brach: insbesondere das ehemalige Areal des des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), das Hubertusbad und die Kinderklinik Lindenhof. Wegen dieser strukturellen Defizite wurde das Gebiet am 15. März 2011 vom Berliner Senat als 9. Gebiet in die aktive Förderkulisse des Stadtumbau Ost aufgenommen. Gleichzeitig erklärte der Senat drei Teilbereiche zum Sanierungsgebiet.

Informationen

Fläche: ca. 154 ha

Einwohner: 15.366 (31.12.2013)

9.150 Wohneinheiten (WE)
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AktuellRückbau soziale InfrastrukturAbgeschlossenRückbau soziale Infrastruktur
Das Gelände des MfS bildet im Hintergrund eine stadträumliche Barriere (Dottistraße)
Backsteingebäude, großer Querriegel dahinter

Das Fördergebiet ist ein wichtiger Wohnstandort mit Wohnanlagen in Blockrandbebauung aus den 1920er bis 1940er Jahren und Wohngebäuden in industrieller Bauweise aus der DDR-Zeit. Außerdem befinden sich hier großräumige, teilweise brach liegende Verwaltungs- und Gewerbekomplexe. Stadträumliche Barrieren - besonders das ehemalige Gelände des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) - zerschneiden das Gebiet.

Ab 1990 zogen in die Gebäude des MfS u. a. die Stasi-Unterlagen-Behörde, die Agentur für Arbeit und das Bundesverwaltungsamt ein. Der Schulkomplex Rüdigerstraße und das Hubertusbad wurden geschlossen und Gewerbestandorte aufgegeben. Im Gebietsinneren entstanden Wohnungsneubauten. Große Teile der bestehenden Wohnanlagen, die sich im Besitz von Wohnungsbau-Gesellschaften oder Wohnungsgenossenschaften befinden, wurden saniert.  

Trotz seiner relativ kurzen Entwicklungsgeschichte verfügt das Gebiet über zahlreiche unter Denkmalschutz stehende Bauten, Ensembles und Freiflächen. Die Wirtschaft ist geprägt von kleinteiligen Gewerbetrieben und Standorten des Gesundheitswesens, wie dem Sana-Klinikum (ehem. Oskar-Ziethen-Krankenhaus).

Bevölkerung und Wohnraum

Die Einwohnerzahl blieb von 2005 bis 2008 stabil mit leicht steigender Tendenz. Im Vergleich zum Bezirk Lichtenberg und zum Land Berlin ist die Bevölkerung relativ jung. 14,4 Prozent der Bewohner sind 65 Jahre oder älter (31.12.2013), dieser Anteil liegt deutlich unter dem Berliner und dem bezirklichen Durchschnitt. Der Anteil der Eigentumswohnungen beträgt circa 10 Prozent. 

Stark sanierungsbedürftig sind lediglich einzelne Gebäude im östlichen Gebietsteil. Nur hier besteht deshalb auch ein erhöhter Leerstand. Allerdings gibt es kaum barrierefreie Wohnungen. Zudem sind 40 Prozent der Wohngebäude energetisch nachzurüsten.

Im Stadtumbaugebiet selbst gibt es derzeit nur fünf kleinere Einzelhandelsstandorte. Besonders im östlichen Bereich besteht ein Defizit bei der Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs.  

Öffentlicher Raum

Breite Straßen, wenig Erholungsflächen
Breite Straße ohne Verkehr, Parkplätze

Obwohl das Gebiet gut durch den Öffentlichen Nahverkehr erschlossen ist, wirkst sich die Lärmbelastung durch den Individualverkehr negativ auf die Lebensqualität im Viertel aus.

Die teils überdimensionierten Straßenräume haben wenig Aufenthaltsqualität. Insbesondere der Bereich Alte Frankfurter Allee ist gestalterisch und funktionell problematisch. Aufgrund der starken Verkehrsbelastungen, übergroßer Verkehrsflächen und fehlender Querungsmöglichkeiten sind Fußgänger und auch Radler benachteiligt.

Der recht hohe Anteil begrünter Flächen mit wertvollem Baumbestand ist untereinander nicht vernetzt. Die Versorgung mit öffentlichen Spielplätzen ist schlecht. Spiel-, Grün- und Freiflächen bieten zudem wenig differenzierte Nutzungsmöglichkeiten und haben nur geringe gestalterische Qualität. Bis auf den - als erste große Stadtumbau-Maßnahme 2012 bis 2013 erneuerten Freiaplatz  - gibt es gegenwärtig keinen qualifizierten Stadtplatz. 

Soziale Infrastruktur

Detail am stillgelegten Hubertusbad
Skulpturenschmuck an Häuserkante

Die Schulstandorte im Gebiet sind ausreichend, haben aber erheblichen Sanierungsbedarf bei den Freiflächen und Sporthallen und teilweise an den Gebäuden. Das gleiche trifft auf alle öffentlichen Sporthallen zu. Besonders schmerzlich für die Bewohner ist der Verfall des seit vielen Jahren ungenutzten Baudenkmals des Hubertusbads.

Im Gebiet Alt-Lichtenberg fehlen aktuell circa 200 Kindergartenplätze. Bis auf eine sind die profilierten Kindertageseinrichtungen in einem schlechten baulichen Zustand. Die Raumaufteilung der Gebäude aus den 1960er und 80er Jahren ist nicht mehr zeitgemäß, die Energieverluste sind hoch. Auch die Kita-Freiflächen würden von einer Neugestaltung profitieren.

Die guten quartiersbezogenen Schüler- und Jugendeinrichtungen reichen bei weitem nicht aus. Auch Senioren müssen lange Wege zurücklegen, um zu einer Seniorenbegegnungsstätte zu gelangen. Die Menschen im Fördergebiet wünschen sich einen möglichst zentral gelegenen Kieztreff oder ein Kiezhaus, das generationenübergreifend für Veranstaltungen und andere Angebote zur Verfügung steht. 

Ziel und geplante Maßnahmen des Stadtumbaus

Im neuen Nibelungenpark
Wiese mit Skulptur unter Baum

Die Stärken des Gebiets liegen in seiner Qualität als innenstadtnaher Wohnstandort und in seiner Leistungskraft als Gesundheits- und  Verwaltungsstandort. Allerdings spiegeln sich diese Stärken im Image des Gebiets im Moment kaum wider.

Mit dem neuen Leitbild "Gesundheit, Ökologisches Modellgebiet, besondere Orte" soll sich das Gebiet profilieren. Die geförderten Maßnahmen im Rahmen der Sanierung und des Stadtumbaus werden nach diesen Kriterien konzipiert.

Durch die funktionelle Aufwertung bzw. Erweiterung des Angebots bei Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen und Kindergärten soll das Gebiet noch attraktiver für Familien werden. Ein dringend benötigter neuer Kindergarten könnte auf einer der ungenutzten Flächen entstehen. Wichtig sind auch neue und besser ausgestattete Spielplätze. Auch größere bezahlbare Wohnungen für Familien werden benötigt.

Für Senioren sollte ebenfalls durch Umbau und Nachrüstung geeigneter, barrierefreier Wohnraum geschaffen werden. Für die Frankfurter Allee wird ein Umbau der Wohngebäude im Rahmen eines energetischen Modellprojektes vorgeschlagen. Allerdings soll die Sanierung von Wohngebäuden den privaten Eigentümern und Wohnungsunternehmen überlassen werden. Die öffentlichen Fördermittel sollen überwiegend für öffentliche Einrichtungen und Flächen eingesetzt werden. Beispiel dafür könnte ein Kiezzentrum sein, das von vielen Anwohnern gewünscht wird.

Öffentliche Freiflächen sollen durch das gebietsübergreifende "Grüne Netz Nord" miteinander verbunden werden. Geplant sind Orte für Fitness und Begegnung, z. B. ein Gesundheitspfad als Anbindung zum Landschaftspark Herzberge und ein ausgewiesener "Barrierefreier Kiez". Der intensiv genutzte Rathauspark soll erneuert und mit neuen Nutzungsmöglichkeiten ausgestattet werden.

Solange die neue Bestimmung von Brachflächen und ungenutzten Gebäuden nicht fest steht, können temporäre Nutzungen dazu beitragen, diese Orte zu beleben und entsprechende "Adressen" zu bilden. Für den großen Komplex des Geländes des ehemaligen MfS wird das seit 2011 vorliegende Blockkonzept mit drei Varianten aktuell intensiv diskutiert.

Plätze und öffentlicher Straßenraum rücken durch temporäre und permanente Aktionen (Markt, Workshops, Installationen etc.) mehr in den Blickpunkt. Ein geplantes Leitsystem soll mit Informationstafeln die vielen geschichtlich bedeutsamen Orte auf einem Rundweg verbinden. Ein neues Verkehrs- und Parkraumkonzept wurde als eine der ersten Maßnahmen des Stadtumbaus 2011 erarbeitet.

Der Stadtumbau- und Sanierungsprozess verläuft im Gebiet Frankfurter Allee Nord unter reger Anteilnahme der Bevölkerung. Dazu werden seit März 2013 etwa halbjährlich FAN-Konferenzen abgehalten, um die Entwicklung des Gebiets breit zu diskutieren. In der Zwischenzeit treffen sich der FAN-Beirat und Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themenbereichen. Das Stadtumbau- und Gebietsmanagement der Stattbau GmbH gibt regelmäßig einen Newsletter heraus.

Mittlerweile sind zahlreiche Projekte im Bau, bereits abgeschlossen oder in Planung. Aktuell sind der neue Wohngebietspark Hagenstraße und der Neubau für die Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung Gotlindestraße von besonderer Bedeutung. Alle laufenden und abgeschlossenen Projekte finden Sie in der Projektliste.

Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung u. Umwelt, bearb. A. Stahl 2014, Fotos: Stattbau GmbH, Die Kappe e.V. (Bild 5)
Stand: Mai 2014

Fördergebiete & Projekte

Ansprechpartner

Becker, Martina
Bezirksamt Lichtenberg, Abt. Stadtentwicklung, Fachbereich Stadtplanung
Tel: (030) 90296 6421

News aus dem Fördergebiet

September 2016

6.10. 8. FAN-Konferenz "FAN.Wohnt.Sozial"

Juli 2016

Die Singemäuse beziehen wieder ihr Hauptgebäude

April 2016

28.4. 7. FAN-Konferenz „FAN.[ge]bildet“

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