Stadtumbau Berlin Ost und West  

 

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Rundgang mit Betroffenen im Märkischen Viertel
Graue Poller als Unfallquelle

Selbstbestimmt durch das Märkische Viertel

Rundgänge für ein barrierearmes Wohngebiet
November 2016

Im Märkischen Viertel ist in Sachen Erreichbarkeit für Menschen mit Behinderung schon einiges passiert. 2012 wurden aus dem Stadtumbau-Programm erste Maßnahmen zum Abbau von Barrieren im Gebiet umgesetzt: Bordsteinkanten wurden abgesenkt und Überwege barrierearm gestaltet. Auch die Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU AG, größter Vermieter im Gebiet, investierte in den letzten Jahren nicht nur in die energetische Sanierung ihrer Gebäude, sondern auch in deren barrierearme Erschließung. Von diesen Investitionen profitieren nicht nur ältere und behinderte Menschen, sondern alle Verkehrsteilnehmer.

Nun plant der Bezirk Reinickendorf weitere Maßnahmen, um dem Ziel einer barrierearmen Großsiedlung näher zu kommen. Mit Mitteln aus dem Stadtumbau-Programm sollen vorhandene Barrieren im öffentlichen Raum weiter abgebaut werden. Schwerpunkt sind die Wegeverbindungen zum Fontane-Haus, am Wilhelmsruher Damms und am Senftenberger Ring innerhalb des Wohngebietes. In drei Rundgängen wurden am 26.10. und 2.11.2016 diese Bereiche mit Betroffenen in Augenschein genommen. 

Mögliche Barrieren gibt es an vielen Stellen, wie die Reinickendorfer Beauftragte für Menschen mit Behinderung, Regina Vollbrecht, und ihr ehrenamtlicher Beirat deutlich machten. Frau Vollbrecht selbst ist trotz Blindenhund noch viel zu oft auf Begleitung angewiesen, weil Barrieren im Wege sind und Orientierungshilfen für Blinde fehlen. So lautet ihr Fazit nach den drei Routen: "Barrierefreiheit als solche ist wegen der Vielzahl unterschiedlicher Behinderungen kaum erreichbar und dennoch müssen Gefahrenbereiche erkannt und behoben werden." So wären etwa breitere Abstände zwischen Pollern oder zumindest deren deutliche Farbgebung hilfreich. Graue Poller auf grauem Pflaster sind leicht zu übersehen und daher eine Unfallquelle. Um die Orientierung für Sehbehinderte zu erleichtern, können Wegemarken in Brailleschrift ein Schritt zu mehr Selbstständigkeit sein. Vor allem im Bereich des Märkischen Zentrums fehlen solche Blindenleitelemente zu wichtigen Einrichtungen wie dem Fontane-Haus. Entlang der großen Straßen, dem Wilhelmsruher Damm und dem Senftenberger Ring, sind die Überquerungen die größte Hürde. Hinzu kommen das Fehlen von Sitzgelegenheiten, die die Wege für Ältere und Gehbehinderte erleichtern könnten.

Bei den drei Rundgängen wurde eine Reihe von unterschiedlichen Problemen deutlich. Im nächsten Schritt werden die gewonnenen Erkenntnisse aufbereitet und in einer Übersichtskarte alle erforderlichen Maßnahmen erfasst. Das Konzept mit den Einzelmaßnahmen soll mit den bisherigen Beteiligten abgestimmt, nach Prioritäten geordnet und abhängig von verfügbaren Mitteln sukzessive umgesetzt werden. Die bauliche Umsetzung wird 2017 und 2018 aus dem Stadtumbau-Programm realisiert. 

Von: B. Gericke / Isabell Neumann, S.T.E.R.N.