Stadtumbau Berlin Ost und West  

 

Stadtumbau Ost und West

Aktuelles


Kreuzung Lehrter/Seydlitzstraße
Stadtplaner Heinz Tibbe (Mitte) beim Rundgang durch die Seydlitzstraße
Diskussion zu den möglichen Querungen der Seydlitzstraße
Quer über den Platz: Sichere Übergänge fehlen

Für die Moabiter Seydlitz- und Lehrter Straße wird ein Verkehrskonzept erstellt

Ein öffentlicher Rundgang offenbart Handlungsbedarf in Sachen Verkehrssicherheit
Oktober 2017

Wohlwollend wird Heinz Tibbe vom Büro Gruppe Planwerk von den Wartenden an der Ecke Rathenower Straße begrüßt, ist doch der Stadtplaner in Moabit gut bekannt. Seit 2006 begleitet er das Stadtumbau-Programm im Fördergebiet Tiergarten-Nordring/Heidestraße. An diesem sonnigen Herbstnachmittag des 18. Oktober führt er durch die Seydlitzstraße. Diese fungiert seit längerem als Schleichweg. Viele wollen dem permanenten Stau auf Lehrter und Heidestraße – wichtigen Verbindungen zwischen Hauptbahnhof und Flughafen Tegel – entgehen, andere die Kreuzung Invalidenstraße/ Alt-Moabit umfahren. Auch die neuen Anwohner der Seydlitzstraße bringen mehr Verkehr auf die Straße. In den letzten Jahren wurden dort u.a. Wohngebäude und mehrere Sport- und Freizeiteinrichtungen errichtet. Weitere Bauvorhaben sind geplant. Deshalb ist es wichtig, die Seydlitzstraße durch bauliche Maßnahmen von zusätzlichem Verkehr zu entlasten.

„Eine spürbare Verbesserung brächten sicher das Querparken und die Einführung von Parkvignetten“, meint Heinz Tibbe. Letzteres war schon vor 10 Jahren angedacht, denn offenbar nutzen auch viele Ortsfremde die kostenfreien Parkplätze in Zentrumsnähe. Das bestätigt auch eine Familie und beklagt wildes Parken selbst auf Baumscheiben. Wünschenswert wäre deshalb deren Umfriedung und die Kennzeichnung der Feuerwehrzufahrten. Beim Rundgang werden die etwa 20 Teilnehmenden nach ihrer Meinung zu sinnvollen Querungen und zur Verbesserung der bestehenden gefragt. Sie könnten barrierefrei gesenkt oder dem Bedarf entsprechend verschoben werden. Eine Rollstuhlfahrerin demonstriert, welche Umwege sie nehmen muss, um sicher auf die andere Straßenseite zu gelangen. „Die Radfahrer weichen wegen des holprigen Pflasters auf Gehwege aus und behindern damit die Fußgänger“, ergänzt ein Anwohner. „Dieses historische Wiener Pflaster ist erhaltenswert“, entgegnet Tibbe und erntet Zustimmung, als er auf den Radweg hinter den Reihenhäusern verweist.

An der Einmündung zur Lehrter Straße bemängeln alle die verwirrende Situation. „Den Platz überblickt keiner“, bestätigte Tibbe, „mit End- und Betriebshalt für den Bus 120, mit vorgezogener Bauflucht des Neubaus, S-Kurve für den rollenden Verkehr und Trampelpfad zum Geschichtspark.“ Hier müssten  Lösungen her, um den Verkehr zu verlangsamen, denn „die Autos nehmen hier richtig Schwung auf! Und gebt dem Platz hier doch einen Namen“, bittet Stadtplaner Tibbe die anwesenden Verkehrsplanerinnen vom beauftragten Büro SHP. Weiter geht es zur verkehrsreichen Lehrter Straße. Die meisten Fahrzeuge seien immer noch LKWs und Taxis, die auf einen Zeitvorteil gegenüber der verkehrsbelasteten Heidestraße hoffen, so Susanne Torka vom Betroffenenrat Lehrter Straße. „Der Verkehr nahm mit der Einweihung des Hauptbahnhofes sprunghaft zu. Seit damals fährt auch der Bus 123 hier entlang, doch meist steht er im Stau“, ergänzte sie. Dankbar seien die Anwohner für den neu geschaffenen Fußgängerüberweg in Höhe der ehemaligen Eisenbahner-Wohnhäuser. Ärgerlich bleibe jedoch das ständige Parken von Reisebussen in zweiter Reihe vor dem Hostel, so ein Nachbar. Herr Steinert von der kommunalen Verkehrsplanung beim Bezirksamt nickt: „Die Probleme sind bekannt und wir arbeiten daran“.

Kurz vor 18 Uhr erreicht die Gruppe das neu gestaltete Casino im Tribünengebäude des Poststadions. Dort fasst Heinz Tibbe seine Einschätzungen nochmals zusammen. Anschließend geht Professor Richter vom Büro SHP sowohl auf die Verkehrsstudie Lehrter Straße von 2010 ein, als auch auf das aktuelle Verkehrskonzept für die Seydlitzstraße. Nach seiner Auffassung stehe die Mehrbelastung in engem Zusammenhang mit der Öffnung des Tiergartentunnels, auch läge die Geschwindigkeit mit über 40 km/h zu hoch. Noch sei die Verkehrsbelastung in der Seydlitzstraße mit rund 2.900 Fahrzeugen pro Tag moderat, bei der Lehrter liege sie durchschnittlich bei 6.000 bis 6.500 Fahrzeugen. Es lohne ein Blick auf den dortigen Parkraum. Während tagsüber die Stellplätze in der Seydlitzstraße ausgelastet seien, stünden nachts viele leer. Ein Beweis, dass viele Parker von außerhalb kämen, darunter sicher auch einige Bahnreisende. In einer Analyse will Professor Richter außerdem die Unfälle in der Lehrter Straße auswerten, ein Konzept für Fuß- und Radwege erstellen sowie Verkehrs und Freiraumplanung zusammenführen. Er regt an, neue Möglichkeiten wie das Car und Bike Sharing zu nutzen. Angesichts der neuen Nachbarn in der künftigen Europa-City und der Lehrter Straße ergäben sich weitere neue Aspekte für den Verkehr. Er lud alle Interessenten zu zwei weiteren Veranstaltungen ein. Am 14.11.2017 werden erste Vorschläge diskutiert, am 14.12. die Ergebnisse vorgestellt.

Von: G. Radev / Gruppe Planwerk

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