Stadtumbau Berlin Ost und West  

 

Stadtumbau Ost und West

Aktuelles


Kritische Fragen aus dem Publikum …
… und Antworten vom Bezirk (Florian Goldfuß, SenStadtWohn; Bezirksstadtrat Jörn Oltmann) sowie vom Senat (Sanna Richter, Dr. Lang)
Udo Dittfurth erläutert die Ergebnisse der vorbereitenden Untersuchung

Vorbereitende Untersuchungen fürs das Gebiet „Rathaus Tempelhof und näheres Umfeld“

Intensive Debatte bei der 3. Info-Veranstaltung am 13. Oktober
Oktober 2017

Gemeinsam hatten die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg ins Askanische Gymnasium eingeladen. Anlass war der Abschluss der vorbereitenden Untersuchungen nach § 141 Baugesetzbuch für das Quartier und eine Ausstellung zu möglichen Maßnahmen im Umfeld des Rathauses am Tempelhofer Damm.

„Es geht vor allem darum, das Zentrum zu stärken, Wohnungen zu bauen und Grünflächen aufzuwerten“, betonte Udo Dittfurth von der Planergemeinschaft zum Auftakt des Abends. Er erläuterte die Ergebnisse der Untersuchung und die Gründe, warum das Quartier rund ums Rathaus Tempelhof umgestaltet werden soll. Einige der geplanten Veränderungen stünden ohnehin auf der Tagesordnung: z.B. das Gebäude der Polizei zu sanieren, die Bibliothek zu erweitern, die Paul-Simmel-Schule zu erhalten und zu erneuern.

Aus Sicht der Stadtplaner ergeben sich fünf Schwerpunkte, die in einem Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept zu verankern sind: darunter die Erneuerung und Erweiterung von Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie die Stärkung öffentlicher Angebote im Stadtteilzentrum Tempelhofer Damm, die Schaffung von preiswertem Wohnraum, die Verbesserung des Radwegenetzes und von Sport-und Spielplätzen. All dies soll mit Hilfe der Förderung aus dem Programm Stadtumbau möglichst zügig auf den Weg gebracht werden. Von der ursprünglichen Idee, hier ein Sanierungsgebiet auszuweisen hat man sich inzwischen verabschiedet, da überwiegend Grundstücke des Landes Berlins von den Umbaumaßnahmen betroffen sind. Die förmliche Festlegung als Stadtumbaugebiet mit dem Namen „Neue Mitte Tempelhof“ durch den Senat soll nach einem entsprechenden Beschluss des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg möglichst noch in diesem Jahr erfolgen.

Das Publikum in der gut besuchten Aula des Gymnasiums stellte an die Moderatorin Kerstin Jahnke von der Planergemeinschaft viele konkrete Fragen, z.B. zur geplanten Verlegung des Polizeiabschnittes oder zu den bisherigen Anregungen der Bevölkerung aus den ersten beiden Info-Abenden. Für viele, insbesondere für die Vertreter der Radfahrer und Fußgänger im Publikum, hat die Regulierung des massiven Autoverkehrs auf dem Tempelhofer Damm eine hohe Priorität. „Ist an sichere Radwege und Maßnahmen zur Luftreinhaltung sowie an die Belange des Klimaschutzes gedacht?“, fragten die Anwesenden. Andere gaben zu bedenken, dass die Errichtung von 500 Wohnungen auf so kleiner Fläche zu weiteren Problemen führen könnte. Auch wurde auf das Potenzial anderer Flächen, z.B. in Gewerbegebieten oder auf weiträumigen Parkplätzen im Umfeld von Supermärkten, verwiesen. Emotional wurde auch die Frage des Grüns diskutiert: Schließlich würden einige Kleingärten und Grünflächen den Neubauten weichen.

Die Vertreter von Senat und Verwaltung standen zu allem Rede und Antwort und waren bemüht, auf die Fülle an Fragen einzugehen. Dr. Jochen Lang, zuständig für Mietenpolitik, Wohnungsneubau und Stadterneuerung beim Senat, hob die einmalige Chance hervor, hier auf landeseigenen Grundstücken bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Durch Versetzen und Neusortierung des Areals schafft man an diesem Standort viel Raum für Neubauten, die zentral gelegen sind und mit dem U-Bahn-Anschluss vor der Tür eine sehr gute öffentliche Verkehrsanbindung haben. Er erläuterte, dass die heutigen Wohnungsbauprojekte wenig gemein haben mit dem als trist empfundenen Städtebau der 1970er Jahre. Allerdings lassen sich mit den Maßnahmen innerhalb des zukünftigen Stadtumbaugebietes nicht alle Probleme des verkehrsbelasteten Tempelhofer Damms beheben. „Das Vorhaben bietet jedoch den richtigen Anlass, um in den Dialog mit den fachlich zuständigen Verwaltungen zu treten und damit zu langfristigen Lösungen zu kommen“, ergänzt Sanna Richter von der Senatsverwaltung.

In Bezug auf die Grünflächen konnte Dr. Lang die Tempelhofer Bevölkerung positiv stimmen: Das vorhandene Grün könnte im Zuge des Stadtumbaus besser erschlossen werden. Denkbar ist z.B. das kleine, derzeit stark verbuschte Wäldchen hinter dem Rathaus aufzuwerten und zugänglich zu machen. Er ermunterte auch die anwesenden Vertreter der im Gebiet ansässigen Wohnungsbaugenossenschaften, sich beim Neubau der Wohnungen zu engagieren und verwies auf die Möglichkeiten, die neue Förderprogramme des sozialen Wohnungsbaus in Berlin bieten. Ziel ist, nicht nur die öffentlichen, sondern auch andere gemeinwesen-orientierte Eigentümer in die Lage zu versetzen, an diesem Standort mindestens jede zweite Wohnung an Berliner mit Wohnberechtigungsschein vermieten zu können.

Der zuständige Bezirksstadtrat Jörn Oltmann warb für das vorgestellte Konzept: Der Bezirk werde hiermit in die Lage versetzt, viele öffentliche Angebote zu verbessern und zu erweitern. Die geplante städtebauliche Neuordnung sei zwar ein großer Kraftakt, aber auch eine große Chance, die Qualität und die Anordnung von Gebäuden und Grünflächen an dieser Stelle zu optimieren. Er versprach, dass die Bevölkerung über die weiteren Etappen der Standortentwicklung und alle Schritte der planerischen Konkretisierung des Konzepts auch zukünftig regelmäßig informiert werde. Die Ausstellung zu den Ergebnissen der Voruntersuchung sei ab sofort im Rathaus zu sehen und auch verfügbar auf der Website.

Deutlich wurde an diesem Abend, dass es seitens der Anwohnerinnen und Anwohner weiteren Gesprächsbedarf gibt. Bei der Ausgestaltung von Planungen des öffentlichen Raumes, Wettbewerben zum Städtebau und zur Architektur der geplanten Gebäude, vor allem aber bei Veränderungen an den Grünflächen und Verkehrswegen werden sie sich sicher weiter engagiert einmischen, wozu Herr Dr. Lang sie auch ausdrücklich aufforderte.

Download Vortrag zu den Ergebnissen der vorbereitenden Untersuchung (PDF; 3,6 MB)

Weitere Informationen zum Gebiet

Von: Gudrun Radev / Fotos: Planergemeinschaft

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