Stadtumbau Berlin Ost und West  

 

Stadtumbau Ost und West

Aktuelles


Ein Erstklässler hilft dem Jugendklub Betonia beim Bepflanzen der Kräuterspirale
Zwei Macherinnen: Schulleiterin Wronski (links) und Quartiersschulkoordinatorin Fügner
Hochbeete in drei Höhen für unterschiedlich große Gärtnerinnen und Gärtner
Tipps aus der Fachliteratur gibt es im regensicheren Bücherregal

Jung und Alt ackern im Marcana-Garten

Aus dem im ehemaligen Schulgarten der Quartiersschule wurde ein Gemeinschaftsprojekt
Mai 2017

Vom Schulhof der Marcana-Schule in Marzahn Nord dringt an diesem 20. Mai schon morgens Musik in die noch stillen Nebenstraßen. Grillduft steigt auf. Es ist Wochenende, doch immer wieder kommen Nachbarn und Familien durch das Tor der Quartiersschule. Die meisten haben Tüten oder Kisten mit Pflanzen bei sich. Über den Hof gehen sie geradewegs in den neuen Marcana-Garten. Er wird an diesem Vormittag mit einer Pflanzentauschbörse eingeweiht. Die allermeisten Pflanzen bleiben jedoch direkt hier.

Auf den über 1.000 Quadratmetern neben dem Ballspielplatz der Schule wird gegraben und gepflanzt. Mittendrin Schulleiterin Wronski. Sie begrüßt die Ankommenden, drückt hier ein Kind und zeigt dort einem Vater den richtigen Platz für ein Pflanzloch. Wie sie übernehmen viele Menschen hier Verantwortung. Denn dieser Teil des Schulgeländes ist ein Gemeinschaftsgarten. Er gehört zum Schulgelände, kann aber auch von anderen genutzt werden. Dafür wurde extra ein separater Eingang geschaffen.

Der Garten gehört in eine Reihe von Aktivitäten, die aus der Marcana-Schule eine Quartiersschule machen – eine Schule, die sich einbringt und gleichzeitig von vielen Akteuren Unterstützung erhält. Dies ist auch besonders nötig, denn die Kinder kommen hier meist aus ärmeren und sogenannten bildungsfernen Familien. Nebenan ist eine große Flüchtlingsunterkunft entstanden. In der Schule gibt es Willkommens- und Lernklassen für Schüler mit besonderen Bedürfnissen.

Doch was macht eine Quartiersschule konkret aus? Als plötzlich 2015 die Franz-Carl-Achard-Grundschule in das frisch sanierte Gebäude einzog, fehlten der Schule die Räume für die geplante Quartiersarbeit. Anstatt zu jammern, zog man nach draußen und nahm sich als erstes den verwilderten Schulgarten vor. Er wurde mit Mitteln aus dem Schulanlagensanierungsprogramm wieder urbar gemacht und ein Teich verfüllt. Dabei kam auch die Idee des Gemeinschaftsgartens auf.

Der Quartiersfond gab Geld dazu und eine Akteursgruppe unter Leitung des Quartiersmanagements Marzahn-Nordwest, der Quartiersschul­beauftragten Nadine Fügner und der Schulleitung kümmerte sich um die weitere Planung. Mit 66.000 Euro aus dem Stadtumbau konnten die Gestaltungspläne aus den gemeinsamen Workshops dann ab Herbst 2016 umgesetzt werden. Besonders engagiert war die verantwortliche Landschaftsarchitektin des Bezirksamtes, Ute Tecklenburg. In vielen Stadtumbau-Projekten hat sie Erfahrungen mit dem gemeinschaftlichen Anlegen und Pflegen von Grünanlagen gesammelt.

Nun grünt es bereits, die im November bei Matschwetter gemeinsam gepflanzten Gehölze sind angewachsen und die Beteiligten staunen über die Veränderungen. Neben Beeten gibt es eine schattige Flüsterbank, ein Bücherregal mit Regenschutz und drei Hochbeete in verschiedenen Höhen. Das höchste beackern die Älteren vom Nachbarschaftstreff Sonnenblume der degewo, das mittlere ist für Quartiersrat und Quartiersteam, das niedrigste für die Kita Reggio-Kinderhaus. Auch der Förderverein der Schule ist aktiv dabei. Die Baufirma, die eigentlich für Zufahrt, Wege und Zäune verantwortlich war, legte spontan die Kräuterspirale für den Jugendklub Betonia an, aus großen Blöcken der ehemaligen Zufahrt.

Wochentags kümmern sich die Schulklassen unter Leitung von Frau Rinke-Kirsten um die Bewässerung und sind dabei kaum zu bremsen. Am Wochenende gießt das Team vom Quartiersrat. Auch in den Ferien ist für die Pflanzen gesorgt, dafür hat die Schule mit allen Beteiligten extra einen Vertrag aufgesetzt. Doch so ein Garten ist nie fertig. Als nächstes stehen die Rasensaat und ein Insektenhotel an, das Kinder und Jugendliche im Rahmen der Schulsozialarbeit bauen werden. Eigeninitiative ist die Devise. Vorerst wird man sehen, wie Minze und Melisse, aber auch japanischer Spinat und Ingwer im Berliner Klima gedeihen. Falls etwas nicht anwächst, ist das kein großes Problem, denn die Pflanzentauschbörse soll zu einer jährlichen Schultradition werden.

Von: Anka Stahl

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