Stadtumbau Berlin Ost und West  

 

Stadtumbau Ost und West

Aktuelles


Das ehem. Regierungskrankenhaus in Buch
In der Schwimmhalle des Regierungskrankenhauses
Die Natur erobert das Gelände langsam zurück
Im ehemaligen Amtsgericht Tiergarten
Kraftsportgeräte für alle im SportPark Poststadion
Frühlingsfest auf dem Klara-Fanke-Platz in Moabit
Im Innenhof der KuFa sind Netze zum Schutz vor herabfallenden Fassadenteilen gespannt. Bald wird saniert.

Am Tag der Städtebauförderung auf den Spuren der Geschichte

Führungen durch das ehemalige Regierungskrankenhaus Berlin-Buch und entlang der Lehrter Straße
Mai 2017

Trotz Neubau, Sanierung und Umnutzung – Berlin ist noch immer auch eine Stadt mit verborgenen Seiten und verwunschenen Orten. Prof. Dr. Kant, ehemaliger ärztlicher Direktor und Zeitzeuge bei der Führung durch das Gebäude des ehemaligen Regierungskrankenhauses der DDR, kann sich die Aufregung um den Ort nicht ganz erklären, schließlich wurde das Krankenhaus nach der Wende für alle geöffnet und bis 2008 vom Helios-Krankenhauskonzern genutzt. Dennoch waren die Führungen zum Tag der Städtebauförderung völlig überbucht. 133 Interessierte, darunter viele ehemalige Mitarbeiter und Bucher Bewohner, erkundeten mit Taschenlampen bewaffnet das Haus und wollten wissen, was aus dem Gelände wird. Dies erfuhren sie gleich zu Beginn von Christoph Speckmann, Fachbereichsleiter Stadterneuerung im Stadtentwicklungsamt Pankow.

Zurzeit werden die Abrisskosten für das Gebäude ermittelt, außerdem wird geprüft, ob hier Wohnungsbau möglich ist. Doch dies braucht seine Zeit. Nach dem Auszug der Helios-Klinik fand sich jahrelang kein Interessent und so wuchert üppiges Grün die ehemals gepflegten Außenanlagen zu. Die Bausubstanz ist noch gut erhalten, versichert der zweite Zeitzeuge, der damalige Bauleiter Herr Scholz.

Davon können sich die Gäste überzeugen, auch wenn im Inneren wenig erhalten blieb. Kunstwerke sind verschwunden, doch das Tor des bekannten Metallkünstlers Achim Kühn ist zum Glück noch erhalten. Neben dem für Erich Honecker reservierten Zimmer, reicht die Besichtigungstour vom Foyer über den Speisesaal, den OP-Trakt bis zur Schwimmhalle, wo eine kleine Ausstellung zum Stadtumbau in Buch aufgebaut ist. Die Hallenwand ziert ein Kunstwerk von Frank Glaser. Im trockenen Becken prangt ein riesiger Blutfleck, hier ist der Nervenkitzel plötzlich greifbar. Es ist Filmblut eines Krimi-Drehs für das Fernsehen. Für Herrn Wieck, den Gebäudebetreuer, ist das Alltag, er betreut mehrmals im Monat Filmteams, die diesen Ort lieben.

Führung entlang der Lehrter Straße in Moabit

Auch in Moabit lässt sich am Tag der Städtebauförderung ein Filmset besichtigen. Die rund 30 Gäste der Gebietsführung erhalten einmalige Einblicke in das ehemalige Amtsgericht Moabit und das angeschlossene Gefängnis. Im Hof ist ein afghanischer Basar aufgebaut. Doch die echte Geschichte dieser Orte bietet mehr. Der Blick in die nur sieben Quadratmeter großen Zellen ist bedrückend. Der Hauptmann von Köpenick und Karl Liebknecht sollen hier inhaftiert gewesen sein. Wie das Regierungskrankenhaus werden auch diese Gebäude von der BIM, dem Berliner Immobilien Management verwaltet. Gefängnis und Gerichtsgebäude stehen unter Denkmalschutz.

Direkt hinter den mit Stacheldraht bekrönten hohen Backsteinmauern kehren die Gäste der Führung im SportPark Poststadion ins Heute zurück. Die Fußballplätze sind voll, auch der Mehrgenerationenplatz und die Sportgeräte vor dem sanierten Tribünengebäude des Poststadions sind belebt. Vor den Investitionen aus dem Stadtumbau-Programm in Sport und Freizeit „umsonst und draußen“ war hier selten etwas los. Auch private und halbprivate Projekte wie das Wellness-Center Vabali Spa und die Kletterhalle des Deutschen Alpenvereins haben den SportPark attraktiv gemacht.

Antje Hendriks, Gebietsmanagerin von der Gruppe Planwerk, erzählt von den großen Zeiten des Poststadions in den 1920er- bis 1930er-Jahren, als es mit 35.000 Plätzen das modernste Stadion Deutschlands war. Die Hälfte der Ränge ist nur noch als Böschung erkennbar, Stufen führen ins Leere. Doch der Platz erlebt mit dem Verein BAK wieder Ligaspiele und der Eingangsbereich und die dortigen Sportflächen sollen bald saniert werden.

Vorbei am Wohnungsbaugebiet an der Lehrter Straße geht es zurück zum Klara-Franke-Platz, wo die Tour begann. Hier hat das Quartiersmanagement zusammen mit den Machern der benachbarten Kulturfabrik KuFa ein Kinderfest inklusive Kletterfelsen organisiert. Das soziokulturelle Zentrum KuFa mit Café, Film-, Theater- und Konzertbühne steht ebenfalls unter Denkmalschutz. Berliner Stadtgeschichte ist auch hier unmittelbar präsent. In dem Backsteinbau von 1912 waren Werkstätten, Lager und eine Schlachterei des Kaufhauses Wertheim untergebracht. Heute steht neben den im Winter mehrmals täglich beheizten Kachelöfen modernste Filmprojektionstechnik. Doch mit dem Ascheschleppen ist es bald vorbei. Ab Ende des Jahres wird das Gebäude komplett denkmalgerecht saniert, mit Stadtumbau- und Lottomitteln und sicher vielen Ideen und der Arbeit des KuFa-Teams. Mehr dazu erfahren Sie bald auf unserer Website.

Weitere Berichte zum Tag der Städtebauförderung am 13. Mai 2017

Von: Anka Stahl