Stadtumbau Berlin Ost und West  

 

Stadtumbau Ost und West

Aktuelles


In den Büroriegel an der Ruschestraße / Ecke Frankfurter Allee könnten bald Flüchtlinge einziehen
Der Thementisch diskutiert über die Integration von Flüchtlingen
Roland Jahn kämpft für den Campus für Demokratie

Stasi-Block: Glücksfall oder Problemfall?

Wichtige Akteure sprachen mit Bürgerinnen und Bürgern auf der FAN-Konferenz über Zukunft des Areals
September 2015

Roland Jahn möchte, dass es endlich losgeht. Seit über 25 Jahren ist das Gelände des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS) zwischen Rusche-, Normannen- und Magdalenenstraße an der Frankfurter Allee Nord wieder zugänglich, doch immer noch wirkt der riesige Block mitten im Wohngebiet wie eine Festung. Es gibt viele unterschiedliche Eigentümer und Nutzer, doch über die Hälfte der 175.000 Quadratmeter an Nutzflächen auf dem 7,3 Hektar großen Gelände stehen leer. Darüber diskutierten die rund 80 Teilnehmenden der 6. FAN-Konferenz am 9. September 2015 direkt vor Ort.

Ideen und Visionen gibt es viele. Die wichtigste ist der "Campus für Demokratie", den der Chef der hier mit einer Filiale ansässigen Stasiunterlagen-Behörde, Roland Jahn, gemeinsam mit Mitstreitern aus vielen verschiedenen Gruppen etablieren möchte. Zwei wichtige Schritte dafür wurden kürzlich getan: Das ehemalige Offiziers-Kasino, Haus 22, ist wieder in öffentlichem Besitz und kann als Kern des geplanten Campus mit Bibliothek und Veranstaltungs­räumen denkmalgerecht umgestaltet werden. Auf dem Hof zwischen diesem Gebäude und Haus 1, dem heutigen Stasi-Museum, will die Robert-Havemann-Gesellschaft 2016 eine Dauerausstellung zur friedlichen Revolution eröffnen. Die Chancen dafür stehen gut.

Doch wie geht man städtebaulich mit der extrem heterogenen und sich abschottenden Architektur um? Die heutige Gestalt des Areals ist "Ausdruck diktatorischen Städtebaus", gleichzeitig "Glücksfall und Problemfall", wie der Lichtenberger Stadtrat für Stadtentwicklung, Wilfried Nünthel, in seiner Einführung erklärte. Der Block sei ein städtebaulicher Missstand, alles wegzuräumen wäre jedoch zu leichtfertig, so Nünthel. Geschichte kann man nicht durch Ignoranz bewältigen, sie müsse begreifbar im Wortsinn, also unmittelbar erfahrbar bleiben.

Die komplexe Aufgabe des Umgangs mit dem ungeliebten Fremdkörper im Stadtbild war einer der Hauptgründe für die Festlegung des Stadtumbau-Gebiets Frankfurter Allee Nord mit seinen drei Sanierungsinseln, eine davon umfasst den Stasi-Block und angrenzende Gebäude. Auf der FAN-Konferenz diskutierten Bürgerinnen und Bürger mit Architekten, Stadtplanern und Politikern die vier Schwerpunktthemen:

  1. Nutzungen zwischen Historie, Campus und Wohnen
  2. Lernort für Demokratie
  3. Willkommen in Lichtenberg und
  4. 6 Höfe, 6 Konzepte

Eine hochaktuelle Entwicklung wurde an dem am besten besuchten Tisch 3 diskutiert: Denn möglicherweise werden in die 13-Geschosser an der Ruschestraße schon bald Flüchtlinge einziehen. Zu diesem Gebäuderiegel liegt auch eine Machbarkeitsstudie vor, die Heinz Tibbe und Nicole Schlieker von der Gruppe Planwerk vorstellten. Nachgedacht wurde hier über eine Nutzung als Hotel und die Einrichtung von heterogenen Einheiten für Dienstleistung und besondere Wohnformen mit XS- bis XXL-Wohnungen für die Bedürfnisse von Studenten, Wohngemeinschaften, Familien und Selbstständigen. Doch das ist Zukunftsmusik - im Gegensatz zu der Aufgabe der Integration der vielen erwarteten Flüchtlinge, die unmittelbar bevorsteht. Zu diesem Thema wird es am 22. September eine Bürgerversammlung geben.

An den vier Tischen wurden viele Einzelaspekte diskutiert. Ergebnisse konnte es nicht geben, doch wichtige Akteure und Beauftragte der verschiedenen Eigentümer kamen hier erstmals zusammen. Dies soll unbedingt verstetigt werden. Die Vertreterin der Gebietsbeauftragten für das Stadtumbau-Gebiet und die Sanierung Stattbau, Constance Cremer, stellte einen nächsten Termin am 15. Januar 2016 zum Jahrestag der Erstürmung des Geländes in Aussicht. Konsens war bei den Besucherinnen und Besuchern, das Gelände zu öffnen, zu demokratisieren und besser in die Nachbarschaft zu integrieren. Es bedarf noch großer Anstrengungen, um aus diesem besonderen Ort einen zukunftsfähigen Ort zu machen, so Constance Cremer. Doch nun wird das Kernthema des Stadtumbaus und der Sanierung im Gebiet angepackt.

Download Dokumentation zur 6. FAN-Konferenz am 09.09.2015 (von Stattbau GmbH i. A. des Bezirksamtes Lichtenberg; PDF, 2 MB)

Von: Text und Fotos: Anka Stahl

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