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Vision für das Areal an der Normannenstraße
Das Gelände des ehem. MfS heute
Podiumsdiskussion mit dem Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Roland Jahn (3. v. links)

Podiumsdiskussion "Von der Stasi-Stadt zum Campus der Demokratie?"

Das Stasi-Gelände an der Frankfurter Allee könnte zu einem historischen Lernort werden
Januar 2015

Am 17. Januar 2015, fast genau 25 Jahre nach der Erstürmung der Stasizentrale, kamen zu einem Bürgertag erneut rund 7.000 Menschen auf das Gelände an der Frankfurter Allee. Sie besuchten die neue Ausstellung des Stasi-Museums mit dem Büro von Erich Mielke, dem berüchtigten Minister für Staatssicherheit, oder ließen sich im Archiv die Arbeit mit den kilometerlangen Aktenreihen erklären.

Viel Interesse fanden auch die Führungen über das Gelände. Sie schufen einen Eindruck von der immense Größe und Diversität des Areals im Herzen von Lichtenberg. Seit 1950 wurde es - ausgehend vom Finanzamt in der Normannenstraße - immer weiter ausgedehnt. Zuletzt kam die Wand der Plattenbauten an der Ruschestraße hinzu. Sie sollte die Einsicht in das abgeschottete Gelände von den oberen Etagen der Hochhäuser der Frankfurter Allee Süd aus verstellen. Die Tore sind zwar seit geraumer Zeit geöffnet – doch das Gelände bildet noch immer einen Fremdkörper im Stadtgebiet und ist auch in seinem Inneren verbaut und unattraktiv.

Doch soll man den historischen Ort im Original erhalten, umgestalten oder in Teilen einfach dem Markt überlassen? Darüber diskutierte Roland Jahn, der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR, im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Dr. Anna Kaminsky von der Bundesstiftung Aufarbeitung, Prof. Dr. Sybille Frank von der TU Berlin, Tom Sello von der Robert-Havemann-Gesellschaft und Constance Cremer von der Stattbau GmbH, die im Auftrag des Bezirks bereits 2012 im Rahmen des Stadtumbaus ein Konzept für die Umgestaltung des Areals erarbeitete.

Den Einführungsvortrag hielt Dr. Christian Halbrock, der als Historiker ein Buch über die Geschichte des Stasiblocks veröffentlicht hat. Er riet zur Vorsicht, Berlin sei Weltmeister beim Abriss – auch von so geschichtsträchtigen Orten wie der Mauer. Die öffentliche Hand habe jedoch die Aufgabe, diesen Ort von nationalem Interesse zu schützen, unter anderem auch das ehemalige Offizierskasino, den sogenannten "Feldherrenhügel", wo die Veranstaltung stattfand.

Dieses Haus soll weiter als Lern- und Tagungsort ausgebaut werden – allerdings befindet es sich, wie rund die Hälfte der rund 100.000 Quadratmeter an Flächen, bereits in Privatbesitz, wie Constance Cremer zu bedenken gab. Auch das Haus 18, zu DDR-Zeiten  das Einkaufs- und Kulturzentrum der rund 8.000 Stasi-Angehörigen mit Kinosälen und  Einkaufsmöglichkeiten, sei von historischem Interesse, da noch vieles im Originalzustand erhalten ist. Nach etlichen Zwischennutzungen steht dieses Haus heute leer und befindet sich ebenfalls in Privatbesitz.

Von der Idee eines "Campus der Demokratie", die unter anderem Roland Jahn ins Gespräch brachte, waren nicht alle Fachleute auf dem Podium überzeugt. Der Bundesbeauftragte beharrte jedoch auf der Möglichkeit der Verbindung von Tourismus und der modernen Vermittlung von Geschichte, die auch bei den jungen Menschen das Demokratiebewusstsein stärken könne. Bürgerrechtler und Ausstellungsmacher Tom Sello möchte auf dem Gelände mit dem Archiv der DDR-Opposition nicht nur die Erinnerung an die Repression, sondern auch an deren Überwindung verankern.

Das Stasi-Gelände befindet sich im Stadtumbaugebiet FAN, seine Öffnung und Gestaltung sei eine Aufgabe des Landes und des Bundes. Man brauche hier keine historische Konservierung, aber am besten jeden Tag einen Bürgertag, so das Fazit der Runde.

Von: Text u. Fotos: Anka Stahl, Visualisierung: Stattbau GmbH

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