Stadtumbau Berlin Ost und West  

 

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Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer auf der Fachkonferenz

Große Wohnsiedlungen als Vorreiter klimagerechter Stadtentwicklung

Fachkonferenz Großsiedlungen sieht großes Zukunftspotenzial
Juni 2011


Mehr als 120 Teilnehmer trafen sich am 17. Juni in Berlin-Hellersdorf, um anlässlich des 10jährigen Bestehens des Vereins "Kompetenzzentrum Großsiedlungen" über die Zukunft der seit den 1920er Jahren errichteten Siedlungen des mehrgeschossigen Mietwohnungsbaus zu diskutieren.

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge–Reyer schilderte eingangs, wie der Berliner Senat die Erneuerung der großen Plattenbaugebiete im Osten der Stadt bereits unmittelbar nach dem Mauerfall als wichtige politische Aufgabe erkannt und in Angriff genommen hat. Mittlerweile sei ein Stand bei der energetischen Sanierung, aber auch hinsichtlich der Gestaltung des Wohnumfeldes erreicht, der nun bei der Erneuerung in der Gropiusstadt, im Märkischen Viertel und in anderen Gebieten im Westteil der Stadt zur Anwendung komme.

Dagmar Pohle, Bezirksbürgermeisterin von Marzahn–Hellersdorf, zeigte sich erfreut über die internationale Aufmerksamkeit, die das Erneuerungsgeschehen in den beiden mit rund 170.000 Einwohnern größten Wohnstädten Deutschlands Marzahn und Hellersdorf erfährt. Für Partner aus Ost- wie Westeuropa ist nicht nur die gelungene technische Sanierung von Interesse, sondern der sozialverträgliche Umgang mit den Mietern, das wohnungswirtschaftliche Vorgehen und die Einbindung vieler Akteure in städtebauliche Gesamtkonzepte.

Siedlungen des Mietwohnungsbaus – ein Teil der Europäischen Stadt 

In seinem Vortrag "Große Wohnsiedlungen als Bestandteil der Europäischen Stadt" machte Prof. Werner Durth, Technische Universität Darmstadt, deutlich, dass der Wohnungsbau für breite Schichten der Bevölkerung kein Betriebsunfall des Städtebaus war, sondern ein wesentlicher Abschnitt der europäischen Stadtgeschichte, durch den die Wohnungsnot überwunden wurde. Nicht zu unterschätzen allerdings sei das Imageproblem des Wohnungsbaus der Moderne. Die Bedeutung des Mietwohnungsbaus der 1920er bis 1980er Jahre für das qualitativ hohe Niveau des deutschen Wohnungsmarktes würde im öffentlichen Bewusstsein zu wenig reflektiert.

Dank des enormen Wohnungsbaugeschehens in diesen Jahrzehnten konnte "gut und sicher wohnen" zu einem Markenzeichen des GdW werden, so Präsident Axel Gedaschko. Neun von zehn GdW - Wohnungen, das sind mehr als 5 Mio. Wohnungen für fast 10 Mio. Menschen, befinden sich in den zwischen 1920 und 1990 errichteten Wohnsiedlungen. Mit Blick auf die Zukunft wies der GdW–Chef auf die besondere Eignung der Wohnsiedlungen für Klimaschutz und Energieeinsparung hin. Die kompakte Bebauung, die Möglichkeit rationeller Modernisierungsverfahren und das abgestimmte Handeln professioneller Vermieter in ganzen Wohnquartieren führen bereits heute dazu, dass die Wohnsiedlungen zu Vorreitern bei der klimagerechten Stadtentwicklung werden.  

Keine Verengung auf "Platte" und "Hochhaus" 

Die neue Sichtweise "vom Sorgenkind zum Zukunftsquartier" bestätigte der Vereinsvorsitzende Dr. Bernd Hunger in seiner Bilanz der zehnjährigen Arbeit des Kompetenzzentrums. Der Verein sei von einer "Berliner Pflanze" zu einer bundesweit und international bekannten Plattform geworden. Er wirkt an europäischen Projekten wie "Urb.Energy“ oder "Longlife" mit, die Zukunftspotenziale betonen: Klimaschutz, Energiewende, sozialer Zusammenhalt.

Einen Zulauf neuer Mitglieder vor allem aus den alten Bundesländern bewirkte das Konzept, die Debatte über die Zukunft der großen Wohnsiedlungen nicht auf "Platte", "Hochhaus" oder den "Osten" zu beschränken, sondern den seit den 1920er Jahren in Deutschland errichteten, sozialen Zielen verpflichteten Mietwohnungsbau in seiner ganzen Vielfalt zu diskutieren.

In der abschließenden Podiumsdiskussion verwiesen Herr Marx, Geschäftsführer der Berliner Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land wie auch Herr Kuklinski, Geschäftsführer der Volkswohnung Karlsruhe darauf, dass die Erneuerung der Siedlungen wirtschaftlich tragbar sein muss. Die Diskussion über adäquate Förderinstrumente sei, so Prof. Brenner vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, im Zuge der von der Bundesregierung beschlossenen Energiewende in vollem Gange.

Potenziale von Großwohnsiedlungen für eine nachhaltige Stadtentwicklung nutzen 

Auch die Forschung fordert Politiker und Stadtplaner auf, das Thema wieder mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Frau Professor Kabisch vom Umweltforschungszentrum Leipzig stellte dazu das White Paper über "Zukunftschancen ostdeutscher Großsiedlungen" vor.  Die Entwicklungspfade der Siedlungen seien weit heterogener als dies in der öffentlichen Debatte wahrgenommen wird. Die Forschergruppe stellt in dem Papier 10 Thesen zum vorrangigen Forschungsbedarf auf. Die Thesen umfassen demographische, soziale, wohnungswirtschaftliche, infrastrukturelle und politische Aspekte und fordern deren integrierte, komplexe Betrachtung.

Entstanden ist dieses Papier als Ergebnis einer Tagung in Leipzig, die vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und dem Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) veranstaltet wurde. Auf der Fachkonferenz wurde es erstmalig vorgestellt.

Auch die Publikation "Große Wohnsiedlungen – Wohnen mit Zukunft" wurde erstmals präsentiert. Sie stellt beispielhafte Projekte der Siedlungserneuerung von den Siedlungen der 1920er Jahre bis zu den Siedlungen der 1980er Jahre dar.

Die Publikation "Große Wohnsiedlungen – Wohnen mit Zukunft" kann beim Kompetenzzentrum Großsiedlungen e.V. unter info[at]gross-siedlungen[.]de gegen eine Schutzgebühr von 15 Euro bestellt werden. 

Von: Dr. Bernd Hunger, Vereinsvorsitzender Kompetenzzentrum Großsiedlungen e.V. , bearb. A. Stahl, Foto: Kompetenzzentrum Großsiedlungen

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