Stadtumbau Berlin Ost und West  

 

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Der Stadtumbau in Berlin in der Zwischenbilanz

Gespräch mit Dirk Böttcher, Gruppenleiter Stadtumbau in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
August 2007

Seit 2002 gibt es das Programm Stadtumbau Ost, seit 2005 das Programm Stadtumbau West in Berlin. Wie ist der aktuelle Stand beider Programme"

Für das Programm Stadtumbau Ost sind von 2002 bis Ende 2007 60 Mio. Euro Programmmittel für Aufwertungsmaßnahmen eingestellt, 46 Mio. für den Rückbau von dauerhaft leer stehenden Wohnungen, Kitas und Schulen. Das zeigt deutlich, dass in Berlin das Hauptaugenmerk auf die Aufwertung gelegt wurde und wird.
Trotzdem müssen bis Ende 2008 noch einmal ca. 1200 Wohnungen mit Schwerpunkt in Marzahn zurück gebaut werden, um dem immer noch beträchtlichen Leerstand entgegenzuwirken.
Nach fünf Jahren Stadtumbau werden derzeit die integrierten Stadtteilentwicklungskonzepte überprüft und überarbeitet, erste Ergebnisse erwarten wir im Herbst.
Den Stadtumbau West setzen wir seit 2005 um. Bis Ende 2007 sind 18,5 Mio. Euro Programmmittel eingestellt. Pilotgebiet für das Programm ist das Fördergebiet Kreuzberg-Spreeufer. Das Spreeufer soll öffentlich begehbar und erlebbar gemacht werden, viele der dort  ansässigen Gewerbebetriebe brauchen keine exponierte Wasserlage. Geplant sind ein Wege- und Stegesystem am Spreeufer und so genannte, grüne Fenster zur Spree zwischen Schillingbrücke und Lohmühleninsel. Erste Baumaßnahmen gibt es auf den Grünflächen am Schlesischen Tor, der Brommybalkon wird in den nächsten Wochen fertig gestellt, Baubeginn für die Umgestaltung des Gröbenufers ist 2008.
Weitere Starterprojekte für den Stadtumbau West sind zum Beispiel in Tempelhof-Schöneberg – die Betonsanierung des Schwerbelastungskörpers, verbunden mit einer Dokumentation der städtebaulichen Planungen des NS-Regimes für Berlin – und in Neukölln - der Aufbau eines Unternehmensnetzwerkes.

Beide Programme haben bereits jetzt das Stadtbild Berlins verändert bzw. werden es in den nächsten Jahren weiter beeinflussen. Welchen neuen Herausforderungen muss sich die Stadtentwicklung dabei stellen"

Beim Bundeskongress zur nachhaltigen Stadtentwicklung Anfang Juli diesen Jahres wurde ja noch einmal deutlich herausgearbeitet: wichtig ist ein integrierter Ansatz der Stadtentwicklungspolitik. Und das haben wir in Berlin ganz massiv vorangetrieben. So haben wird die „Zukunftsinitiative Stadtteil – ZIS“ entwickelt, in der durch Verknüpfung verschiedener Programme beispielsweise die Verbesserung der städtischen Umwelt, die Stabilisierung der Bevölkerung sowie die Sicherung der Attraktivität von Quartieren in Angriff genommen wird. Und es wird ab 2008 zusätzlich einen Investitionspakt zur energetischen Sanierung von Kitas und Schulen geben. Wichtig ist hierbei zum einen der Beitrag zum Klimaschutz und zum anderen zur Verbesserung der Bildungseinrichtungen, denn ein gutes und breites Bildungsangebot ist auch ein Standortvorteil bei der Wahl des Wohnsitzes.
Besondere Aufmerksamkeit gilt deshalb den benachteiligten Quartieren, wo wir auch mit den vorhandenen Quartiersmanagements zusammenarbeiten.

Ein wichtiger Aspekt neuer Stadtentwicklungspolitik ist die Verstärkung der Bürgerbeteiligung und das aktive Mitgestalten durch Bewohner. Wie sieht es da beim Stadtumbau in Berlin aus"

Die Bürgerbeteiligung ist Standard für Förderprogramme und außerdem eine wichtige Beurteilungsgrundlage für die Planung der Projekte. In diesem Jahr hatten wir bereits im Schorfheideviertel in Marzahn NordWest eine Charette durchgeführt - Bewohner unterbreiteten Ideen für die Nachnutzung frei werdender Flächen. In Lichtenberg haben wir gute Erfahrungen gemacht mit den Genderbeiräten in den Fördergebieten.
Zu Beginn des Stadtumbaus West wurden die Stadtumbaukonzepte und erste Starterprojekte der Öffentlichkeit vorgestellt, die mit großem Engagement in Bürgerversammlungen diskutiert wurden. Aktuell gibt es eine öffentliche Diskussion zur geplanten Brommybrücke.

Gibt es für Bürger mit Migrationshintergrund spezielle Angebote, werden sie besonders berücksichtigt"

Projektbezogen und in enger Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement gibt es spezielle Angebote für Migranten. In Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Spandau entstanden zum Beispiel Interkulturelle Gärten, da waren die Bewohner nicht nur in die Planung einbezogen, sondern sie beteiligten sich auch aktiv an der Umsetzung. Zum anderen haben wir aber im Rahmen einer Studie zur ethnischen Ökonomie festgestellt, das beispielsweise Gewerbetreibende mit Migrationshintergrund gar keine Extrabehandlung wollen. Sie engagieren sich wie alle anderen auch, wenn es wie in Neukölln oder Mitte um die Stärkung eines Gewerbe- oder Industriestandortes geht.

Dafür werden beim Stadtumbau West ja zunehmend auch die Wirtschaft und die Wissenschaft ins Boot geholt.

Unser Ziel ist es, beide als Partner des Stadtumbaus in die Prozesse einzubinden, zumal die öffentlichen Investitionen begrenzt sind und private Investoren unverzichtbar sind. Als spezielles Instrument sehen wir dabei den Aufbau von Netzwerken, die derzeit in Neukölln und Moabit West im Entstehen sind.
Für das Unternehmensnetzwerk in Neukölln steht dabei im Mittelpunkt: Image der Standorte verbessern, ansässiges Gewerbe halten und neues gewinnen sowie die Verbesserung der Arbeitsplatzsituation.
In Moabit West dagegen wird die Verzahnung wissenschaftlicher Institutionen und der Industrie angestrebt. Das reicht von Betriebspraktika der
Stundenten vor Ort bis hin zum Technologietransfer aus wissenschaftlichen Einrichtungen in die regionale Wirtschaft – zum beiderseitigen Nutzen. Wichtig ist dabei die Nachhaltigkeit, die Netzwerke sollen sich in den kommenden Jahren selber tragen.
Der Aufbau von Unternehmensnetzwerken ist übrigens auch eines der Themen der Konferenz zum Stadtumbau West, die am 10. September stattfindet.

Welche weiteren Schwerpunkte stehen zur Diskussion"

Wissenschaft und Kunst als Impulsgeber für den Stadtumbau und die städtebauliche Aufwertung. Diese Themen werden in Workshops diskutiert.
Das Fördergebiet Tiergarten – Nordring/Heidestraße hat beispielsweise mittelfristig gute Chancen als Galeriestandort – mit den vorhandenen Einrichtungen und eventuellen zusätzlichen Galerien angrenzend an den Hamburger Bahnhof im Bereich Heidestraße.
Für die Möglichkeiten der städtebaulichen Aufwertung sei das Fördergebiet Südkreuz in Tempelhof-Schöneberg genannt. Der gleichnamige neue Bahnhof hat ein großes  Potential für die Entwicklung der angrenzenden Gebiete und dieses Potential muss ausgeschöpft werden.

Was ist mit den Projekten im Bezirk Spandau"

Da liegen die Akzente etwas anders, dort steht die Anpassung einer Großsiedlung an die Anforderungen des demografischen Wandels im Vordergrund. Mit diesen Fragen soll sich ein spezielles Fachforum in 2008 beschäftigen.

Vielen Dank für das Gespräch.


Von: Das Gespräch führte R. Friedrich

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