Städtebau  

 

Stadterneuerung - Friedrichshain-Kreuzberg - Rundgang Warschauer Straße

Simon-Dach-Straße: Entwicklungsmotor und
Konfliktpotential im "Szenebezirk"


Bildleiste verschiedener Ansichten der Simon-Dach-Straße
Seit Ende der neunziger Jahre gilt Friedrichshain als "Szenebezirk". Zunächst lediglich ein "Insidertip", siedelten sich in der Simon-Dach-Straße in dieser Zeit erste Gastronomiebetriebe an. Die hier vorgefundene Situation einer ruhigen Nebenstraßen mit Baumbestand, breiten Gehwegen und einer relativ jungen Bevölkerung im Umfeld bot günstige Voraussetzungen für die Entwicklung des heutigen "Kneipenboulevards". Die außergewöhnliche Dichte, Vielfalt und teilweise auch Originalität der Restaurants, Bars und Cafés ließ den Straßenzug innerhalb weniger Jahre zum beliebten Treffpunkt werden, der schließlich durch Presseberichte und die Erwähnung in Stadtführern auch über die Grenzen Berlins hinaus bekannt wurde.

Angeschoben von den Straßencafés und ihren zahlreichen Besuchern, die in den Sommermonaten das Bild des Abschnittes zwischen Grünberger- und Kopernikusstraße prägen, ging die Entwicklung weit über die Simon-Dach-Straße hinaus. Neben Kneipen, Cafés und Imbissen siedelten sich in den angrenzenden Straßen ausgefallene Geschäfte für Mode und Accessoires, Designfirmen und -werkstätten, Bio-Läden und weitere typische Folgenutzungen der Szenegastronomie an. Der zu Beginn der Sanierung im Jahr 1994 festzustellende erhebliche Leerstand von Läden gehörte bereits 2002 der Vergangenheit an.

Diesen positiven Impulsen für das Sanierungsgebiet stehen als negativer Gesichtspunkt die mit der Gastronomie einhergehenden Störungen der Bewohner gegenüber. Die zunächst zeitlich uneingeschränkte Bewirtung auch im Straßenraum, Lärm durch heimgehende Besucher oder beim Einräumen der Bestuhlung in den Nachtstunden, Lieferverkehr und parkplatzsuchende Fahrzeuge haben zu erheblichen Konflikten mit den Anwohnern geführt. In Clearingverfahren im Jahr 2003 konnten keine tragfähigen Kompromisse zwischen den Interessen der Anwohner und der Gastronomiebetreiber gefunden werden, so dass in der Folgezeit die Möglichkeiten des Außenausschanks erheblich eingeschränkt werden mussten.

Welche weitere Entwicklung dieser Szenestandort nehmen wird, ist derzeit offen. Ob die Szene langsam in andere Stadtquartiere weiterzieht und eine touristisch erschlossene "Biermeile" hinterlässt oder in eine "Schickeria-Gastronomie" mündet wie in vergleichbaren Bereichen in Prenzlauer Berg, kann erst in einigen Jahren beantwortet werden.
Abbildungen:
Der "Kneipenboulevard", Aufnahmen 2003-2005


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