Städtebau  

 

Stadterneuerung - Pankow - Rundgang Teutoburger Platz

Wohnungsneubau Marthashof


Schwedter Straße 37-40, ein Standort mit wechselvoller Geschichte

Im Nordwesten des Gebietes Teutoburger Platz befindet sich das Grundstück Schwedter Straße 37-40, unweit des Mauerparks und direkt an der Grenze zum Nachbarbezirk Mitte.
Bereits 1854 wurde hier, an dem früheren Verlorenen Weg, durch die Kaiserswerther Diakonissen ein "Gesinde-Vermietungs-Comtoirs" eröffnet. Es sollte Zufluchtsstätte für Mädchen sein, die neu in Berlin ankamen oder dienstlos geworden waren und ihnen Unterkunft und Hilfe zur Erlangung eines Dienstes bieten. Im ersten Jahr bot die Einrichtung zeitweise 160 dienstlos gewordenen Mägden ein Zuhause. Für eine Ausbildung zum Kindermädchen wurde auf dem Gelände eine Kleinkinderschule eingerichtet, 1857 ein Kindergarten eröffnet und bereits 1859 eine private Mädchen-Elementar-Schule mit 8 Klassen eingeweiht. 1862 erhielt die Einrichtung den Namen Marthashof, der Verlorene Weg wurde in Schwedter Straße umbenannt und bald auch schon gepflastert.
1938, nach vorheriger Schließung der mittlerweile einzigen noch verbliebenen privaten Volksschule in Berlin, übergeben die Kaiserswerther Diakonissen den Marthashof mit Kindergarten und Hospiz der Berliner Inneren Mission. Im November 1943 wurden die Gebäude durch Bomben fast vollständig zerstört. 1958 müssen die Gebäudereste aus Gründen der Sicherheit abgerissen werden. Nach mehrfachem Eigentümerwechsel errichtet die Firma Ko-Impex 1970 eingeschossige Bürogebäude für ca. 100 Mitarbeiter, technische Gebäude und Garagen. Alles wird durch die Firma Robotron genutzt. Nach der Wende 1989 stehen die Baracken viele Jahre leer.

Zum Zeitpunkt der Festlegung des Sanierungsgebietes 1994 war für dieses 12.390 qm große Areal die Schaffung eines Infrastrukturstandortes mit Schule, Kindertagesstätte und Sportanlagen, auch unter Einbeziehung des benachbarten Grundstücks Schwedter Straße 41 – 43, als Sanierungsziel formuliert. Auf Grund der bis zum Jahr 2000 stark zurück gehenden Kinderzahl in diesem innerstädtischen Bereich wurde dieses Ziel zu Gunsten einer Entwicklung als Neubaustandort für Wohnen und Gewerbe mit einer öffentlich zugänglichen Grün- und Spielfläche aufgegeben.

Im Jahr 2006 verkaufte die damalige Eigentümerin, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA), das Grundstück. Mittels eines Gutachterverfahrens unter Beteiligung von sechs Planungsbüros und gemeinsam durchgeführt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, dem Bezirksamt Pankow und der neuen Eigentümerin wurden die städtebaulichen Rahmenbedingungen für eine zukünftige Bebauung und Nutzung des Grundstücks sowie die entsprechende Fortschreibung des Sanierungsziels erarbeitet. Der zentrale Hofbereich mit einer Größe von knapp 2.800 qm sollte nicht nur der Erschließung der Wohngebäude dienen sondern als Hofgarten mit Spielplatz auch durch die Öffentlichkeit nutzbar sein.

Bereits 2007 begannen die Abrissarbeiten, 2011 bezogen die ersten Familien ihre neuen Wohnungen. Entstanden ist eine Wohnanlage mit ca. 130 hochwertigen Eigentumswohnungen, 5 Gewerbeeinheiten und knapp 150 Tiefgaragen-Stellplätzen. Der im Rahmen des Genehmigungsverfahrens festgelegte halböffentliche Charakter der zentralen Grün- und Spielfläche und ihre Nutzbarkeit für die Nachbarschaft ist allerdings in der Praxis nach wie vor ein Konfliktpunkt und noch nicht zur allseitigen Zufriedenheit geregelt.

Wohnungsneubau Marthashof; Foto: S.T.E.R.N. GmbH, Berlin
 

Wohnungsneubau Marthashof; Foto: S.T.E.R.N. GmbH, Berlin
Fotos: S.T.E.R.N. GmbH, Berlin


Eigentümer: STOFANEL Investment GmbH
Finanzierung: privat
Planung: Grüntuch, Ernst
Planungsgesellschaft mbH
Bauzeit: 2009 - 2011