Das Gebiet
Die Rosenthaler Vorstadt lag bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts vor den Toren Berlins. Keimzelle war die planmäßig angelegte Siedlung "Neu-Voigtland", eine der wenigen friderizianischen Kolonien aus der Zeit um 1750. Die Kolonistenhäuser sind nicht mehr vorhanden, erhalten blieb jedoch die kleinteilige Flurstückstruktur. Das heutige Stadtbild prägen spätklassizistische Häuser aus der Zeit zwischen 1840 und 1860 und gründerzeitliche Gebäude der Folgebebauung ab 1870. Neben dem vorhandenen Raumsystem sind die einzelnen Etappen der städtebaulichen Entwicklung eindrucksvoll nachvollziehbar und von besonderem städtebaulichen und geschichtlichen Wert.
Ausgangspunkt der intensiven städtebaulichen Entwicklung der Rosenthaler Vorstadt ist die 1832 bis 1834 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel erbaute
Kirche St. Elisabeth. Die auf der Grundlage des Hobrecht'schen Bebauungsplanes errichtete Wohnbebauung um die Elisabethkirche charakterisiert den Städtebau der planmäßigen Stadtentwicklungen nach 1862.
Ab 1900 veränderte sich die Brunnenstraße von einer Vorstadtstraße zu einer Geschäftsstraße. Neben Wohnhäusern aus der Zeit um 1860 enstanden um die Jahrhundertwende repräsentative Geschäftshäuser und Mietskasernen mit mehreren Hinterhöfen, die die städtebauliche Eigenart dieser Straße noch heute bestimmen.
Daten (Stand 31.12.2007)
| Fläche |
37,5 ha |
| Grundstücke |
>373 |
| Baudenkmale |
44 |
| Wohnungen |
5.179 |
| - in Altbauten |
4.814 |
| - in Neubauten |
365 |
| Einwohner |
6.794 |
 |
Sanierungsziele
Die Sanierung sollte die Rosenthaler Vorstadt in ihrer Funktion als innerstädtisches Wohnquartier stärken. Die festgestellten Ausstattungsmängel und Ausstattungsdefizite der Wohngebäude sollten beseitigt und dem heutigen Ausstattungsstandard und den Wohnbedürfnissen angepasst werden. Die Erneuerung der Gebäude war mit den Betroffenen abzustimmen und unter Berücksichtigung sozialer Belange durchzuführen.
Die aufgrund der hohen baulichen Dichte vorhandenen Ausstattungsdefizite bei der Versorgung mit öffentlichen Grün- und Freiflächen sollten durch die Qualifizierung bestehender Grünflächen oder bisher unzureichend genutzter Flächen sowie durch die Neuanlage von Grün- und Freiflächen beseitigt werden. Es galt, die Qualität des Wohnumfeldes u.a. durch die Instandsetzung der Gehwege und die Erhöhung des Grünanteils zu steigern. Die Aneignungsmöglichkeiten des öffentlichen Raums waren für die Bewohner durch verkehrsberuhigende Maßnahmen, wie zum Beispiel Schaffung von Querungshilfen und Gehwegvorstreckungen an den Straßenkreuzungen, zu verbessern.
Neben der Aufwertung des öffentlichen Raums gehörte die Verbesserung der sozialen Infrastruktur zu den Hauptaufgaben der Sanierung. Schulen, Sporteinrichtungen, Kindertagesstätten und Einrichtungen für Jugendliche waren zu erneuern und zeitgemäßen Standards anzupassen.
Ergebnisse der Sanierung
Bis Ende 2007 konnten ca. 80 % der erneuerungsbedürftigen Wohnungen in den Altbauten saniert werden. Bei rund 900 Altbauwohnungen besteht noch umfassender Erneuerungsbedarf.
Seit dem Jahr 2002 wurden die finanziellen Mittel des Landes Berlin vorrangig für Vorhaben der öffentlichen Infrastruktur eingesetzt. Darunter fielen insbesondere Maßnahmen zur Erneuerung von sozialen und kulturellen Einrichtungen, zur Neuanlage von
Park- und Spielflächen und zum Rückbau nicht benötigter kommunaler Einrichtungen. Die Mehrzahl der geplanten Maßnahmen zur quantitativen und qualitativen Verbesserung der infrastrukturellen Versorgung sind inzwischen realisiert oder begonnen worden.
So wurden die Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen am
Musikgymnasium Carl-Philipp-Emanuel Bach zusammen mit der Neugestaltung der Hof- und Freiflächen im Jahr 2007 abgeschlossen. Die Gestaltung des Gebäudes und der Freiflächen ermöglicht den Musikschülern nunmehr eine ihrer Ausbildung entsprechende adäquate Nutzung.
Ebenfalls abgeschlossen wurden 2007 die Instandsetzungsmaßnahmen am Schulgebäude der
Europaschule am Arkonaplatz und der Neubau der zweiteiligen Sporthalle auf dem rückwärtigen Grundstücksteil. Die schulsportspezifischen Außenanlagen wurden
im Frühjahr 2008 fertig gestellt. Damit konnte das Versorgungsdefizit mit gedeckten Sportflächen im Sanierungsgebiet erheblich reduziert werden.
Die geplanten
Grün- und Freiflächen sind in der Mehrzahl fertig gestellt. Hierzu zählen die Neuanlagen des Krokodil-Spielplatzes Ackerstraße 146-148, des Spielplatzes Veteranenstraße 18, des Eiszeit-Spielplatzes Strelitzer Straße 5, 6 und des AckerParks in der Ackerstraße 158-161. Der vorhandene Spielplatz Strelitzer Straße 10-13 wurde erheblich erweitert und als Flugzeug-Spielplatz neu gestaltet. Die Umgestaltung des
Spielplatzes im Volkspark am Weinbergsweg ist im Mai 2008 abgeschlossen worden.
Ein deutliches Zeichen des Sanierungserfolgs ist das dynamische
Wachstum der Einwohnerzahl. Während sich die Einwohnerzahl im gesamten Ortsteil Berlin-Mitte seit 1991 nicht erhöht hat, leben in den Sanierungsgebieten heute wieder deutlich mehr Menschen als zur Wendezeit. In der Rosenthaler Vorstadt wurde 1999 der niedrigste Stand mit 5.452 Einwohnern verzeichnet. Seitdem erfolgte ein kontinuierlicher Einwohnerzuwachs. Ende 2007 entspricht dies einer Steigerung um mehr als 25 %.
Das Sanierungsgebiet ist nicht nur allgemein wieder ein beliebter Wohnort, sondern insbesondere für junge Familien mit kleinen Kindern attraktiv. Der Indikator, der dies am besten anzeigt, ist die überproportionale Entwicklung der Anzahl an Kleinkindern im Alter von bis zu 6 Jahren (Steigerung um 134 % im Vergleich zu 1999).
Fortführung begonnener Maßnahmen
Der enorme Zuwachs an Kleinkindern stellt den Bezirk Mitte vor neue Herausforderungen. Angesichts der aktuellen Entwicklungsdynamik sollen in den nächsten Jahren weitere Infrastruktureinrichtungen (Kindertagesstätten, Jugendeinrichtungen) neu errichtet oder erneuert werden. Diese Einrichtungen befinden sich in der direkten Umgebung des Sanierungsgebiets Rosenthaler Vorstadt und dienen unmittelbar der Versorgung seiner Bewohner.
Die bedarfsgerechte Versorgung mit Grundschulplätzen ist im Sanierungsgebiet aktuell bereits so kritisch, dass der Bezirk Mitte die Errichtung eines Filialstandorts im ehemaligen Sanierungsgebiet Spandauer Vorstadt zum Schuljahr 2008/2009 durchgeführt hat.
Auf dem ehemaligen Areal der Hemingway-Oberschule wird an die bestehende Kindertagesstätte Elisabethkirchstraße 21 ein
Kita-Neubau in Trägerschaft des Kirchenkreises Berlin Stadtmitte errichtet. Der
Architekturwettbewerb dazu wurde 2007 entschieden. Die Baumaßnahme ist 2008 begonnen worden und wird bis zum Sommer 2009 abgeschlossen.
Die Maßnahmen zur
Aufwertung des öffentlichen Raums und die verkehrsberuhigenden Maßnahmen werden fortgeführt. So werden beginnend in 2008 bis 2009 in der Anklamer Straße die Gehwege instand gesetzt, Kreuzungen umgebaut, Bäume gepflanzt und die Straßenbeleuchtung erneuert. Auch in weiteren Straßen östlich der Brunnenstraße (Rheinsberger Straße, Schönholzer Straße) sollen Gehwegvorstreckungen, Gehweginstandsetzungen und Baumpflanzungen vorgenommen werden.
Eine weitere
öffentliche Grünfläche ist auf dem Block der ehemaligen Hemingway-Oberschule an der Elisabethkirchstraße bereits geplant. Die Realisierung erfolgt in den Jahren 2009/2010.
An der Bernauer Straße erfolgt bis 2010/ 2011 die Gestaltung der erweiterten
Mauergedenkstätte. Der
Realisierungswettbewerb wurde Ende 2007 entschieden. Mit der Umsetzung ist 2008 begonnen worden. Die Errichtung der Mauergedenkstätte wird nicht nur für das Sanierungsgebiet, sondern für Berlin insgesamt eine herausragende Bedeutung einnehmen.
Die wesentlichen Ziele des umfassenden Sanierungsprozesses in der Rosenthaler Vorstadt werden 2009 voraussichtlich erfüllt sein. Mit Arbeiten zur langfristigen Sicherung von Sanierungszielen und zur Erhebung von Ausgleichsbeträgen wird zum erfolgreichen Abschluss der Sanierung beigetragen.
Rechtsverordnungen
- Förmliche Festlegung als Sanierungsgebiet
- Aufhebung des Sanierungsgebietes
Neu gestalteter Schulhof des Musikgymnasiums Carl-Philipp-Emanuel Bach
Instand gesetztes Musikgymnasium
"Sonneneck" Elisabethkirchstraße/ Strelitzer Straße
Preisgekrönter Spielplatz Strelitzer Straße 5, 6
Die neue Sporthalle für die Grundschule am Arkonaplatz
Verkehrsberuhigter Bereich nach dem Umbau der Elisabethkirchstraße am Pappelplatz
Der AckerPark mit Blick auf die restaurierten Gebäude der Ackerstraße
Hofidyll in der Ackerstraße
Wiederhergestellte Remise in der Anklamer Straße
Foto: Köhler + Wolff + Partner Architekten
Fotos (soweit nicht unter den Fotos angegeben):
Koordinationsbüro für Stadtentwicklung und Projektmanagement - KoSP GmbH