Das Gebiet
Zehn Straßenbahnminuten vom Alexanderplatz entfernt liegt im Süden des Ortsteiles Weißensee das Sanierungsgebiet Komponistenviertel. Die kleinteilige Mischung aus Wohnen und Gewerbe ist typisch für die zwischen 1870 und 1930 nördlich und südlich der Berliner Allee errichteten Quartiere. Die Bebauungsdichte im Gebiet ist weit geringer als in der Innenstadt, da hier sowohl 4-geschossig gründerzeitliche Bebauung als auch 1- bis 3-geschossige Vorstadthäuser das Gebiet prägen. Die Quartiere an der Berliner Allee bilden bis heute das Ortszentrum des ehemaligen Vorortes Weißensee. Mit der Entwicklung des Vorortes wurde die Berliner Allee als verkehrliche Verbindung zum Zentrum Berlins angelegt und besitzt noch heute neben der Funktion als Geschäftsstraße eine gesamtstädtische Bedeutung als Ausfallstraße. Sie tangiert am nordöstlichen Ende des Sanierungsgebietes den Park am Weißen See, eine der schönsten städtischen Grünanlagen. Mittelpunkt des Ortszentrums ist der Antonplatz, an dem die wichtigsten Verbindungsstraßen des Stadtraumes aufeinander treffen.
Überregionale Bedeutung besitzt der
denkmalgeschützte Begräbnisplatz der Jüdischen Gemeinde Berlin (1876 bis 1880 angelegt) am südlichen Rand des Sanierungsgebietes, der größte seiner Art in Europa.
Zahlreiche weitere Denkmale im Gebiet belegen die historische Bedeutung des Gebietes, wie zum Beispiel die ehemalige Gummifabrik an der Puccinistraße und die ehemalige Stoffdruck- und später Schuhfabrik an der Gounodstraße.
Daten (Stand 11.07.2010)
| Fläche |
49,6 ha |
| Grundstücke |
488 |
| Wohnungen |
4.645 |
| Einwohner |
7.400 |
 |
Sanierungsziele
Der Schwerpunkt der Sanierung lag neben der privat finanzierten Erneuerung der Wohn- und Gewerbegebäude in der weiteren Verbesserung der Infrastruktur und der Aufwertung des öffentlichen Raumes durch die Neuanlage und Gestaltung öffentlicher Grünflächen, Spielplätze und der Straßenräume.
Das Stadtteilzentrum Berliner Allee sollte für die Versorgung mit Einzelhandel und Dienstleistungen weiter entwickelt und gestärkt werden.
Bei der weiteren Sanierung der Wohnsubstanz waren der Schutz der Bewohner vor Verdrängung, die Schaffung familiengerechten Wohnraums und die Verbesserung der Grün- und Freiflächenausstattung wichtige Ziele. Mit dem Erhalt der typischen Mischung aus Wohnen und Arbeiten soll das erhaltenswerte Stadtbild bewahrt werden.
Ergebnisse der Sanierung
Seit 1994 wurden ca. 2.266
Wohnungen saniert (davon 625
WE mit öffentlicher Förderung) und 1.087 Wohnungen neu gebaut (davon 230 WE in Dachgeschossen).
Der nördliche
Antonplatz erhielt eine neue räumliche Fassung. Die im Krieg zerstörten Platzkanten wurden durch den Neubau von Wohn- und Geschäftshäusern wieder hergestellt. Vor dem Kino Toni entstand ein Stadtplatz, der für kleine Gebietsfeste, Markttage etc. genutzt wird.
Das Komponistenviertel ist zu einem beliebten Wohnort mit stetigem Bevölkerungswachstum geworden. Das Wohnumfeld hat sich für Familien mit Kindern verbessert.
Fünf neue
Spielplätze wurden angelegt.
Im Innenbereich des Blockes zwischen Berliner Allee, Max-Steinke-Straße, Charlottenburger Straße und Tassostraße wurde im Jahr 2006 eine 4.200 m² große Freifläche mit künstlerisch gestalteten Spielgeräten und ruhigen Aufenthaltsbereichen fertiggestellt. Aufgrund seiner ungestörten Lage bietet der neue Freiraum für jede Altergruppe eine hohe Aufenthaltsqualität. An der Mahlerstraße zwischen Meyerbeer- und Gounodstraße entstand ein straßenübergreifender Aufenthaltsbereich mit integrierten behindertengerechten Spielelementen und Freizeitangeboten für Groß und Klein.
Die Freifläche südlich der Berliner Allee, der Antonplatz-Süd, wurde 2007/08 als
öffentliche Grünfläche mit hoher Aufenthaltsqualität neu gestaltet. Hierzu wurde im Jahr 2006 ein landschaftsplanerisches Gutachterverfahren durchgeführt.
Der
Straßenraum der Berliner Allee wurde in den vergangenen Jahren durch die Minimierung und Ausstattung des Gleisbettes der Straßenbahn mit Rasen, der Schaffung verbesserter Querungsmöglichkeiten für Fußgänger, die Neuanlage eines zusätzlichen Parkstreifens und funktionell günstiger gestalteter Haltestellen der Straßenbahn erheblich aufgewertet. Im Jahr 2007 wurden an drei Knotenpunkten im Gebiet Gehwegvorstreckungen als Maßnahme zur Verkehrsberuhigung hergestellt. 2011 wird die Erneuerung der Gehwege einschließlich der Vorgärten in der Herbert-Baum-Straße als Haupterschließung des Jüdischen Friedhofs fertiggestellt.
Auch die Modernisierung der
sozialen Infrastruktur hat große Fortschritte zu verzeichnen. So wurde am Rande des Sanierungsgebietes die
Picasso-Grundschule mit der Turnhalle und deren Freifläche saniert. Die Sanierungsarbeiten an der
Kita Lindenallee 48 und an der
Kita Charlottenburger Straße 7 wurden 2007/08 abgeschlossen. Die
Kita in der Gounodstraße 78 konnte im Herbst 2010 nach erfolgter Sanierung den Nutzern übergeben werden.
Im Herbst 2011 wird der
Neubau der Sporthalle mit zwei Hallenteilen in der Smetanastraße 31 für den Koop-Standort Picasso-Grundschule und Schule im Komponistenviertel fertiggestellt. Ebenfalls im Jahr 2011 wird die Sporthalle in der Meyerbeerstraße 43 umfassend saniert.
Im Gebiet existieren drei
Jugendfreizeiteinrichtungen in der Max-Steinke-Straße 33, der Mahlerstraße 20 und 4-6. In der letztgenannten entstand von 2003 bis 2005 eine Freizeitstätte für alle Altersstufen und Interessengruppen als Kinder- und Jugendhaus sowie als Kiezwerkstatt mit insgesamt 131 Plätzen.
In der Bizetstraße 41 ist eine bedeutende bezirkliche Bildungseinrichtung entstanden. Im Oktober 2005 konnte die Stadtteilbibliothek eröffnet werden. Dieser Standort wurde 2010 durch die Sanierung des leerstehenden Gebäudes Bizetstraße 27 und dessen Nutzung als Volkshochschule und Musikschule mit 2 Veranstaltungssälen erweitert.
Große Bedeutung für die Aufwertung des Sanierungsgebietes hatte die Umnutzung der ehemaligen Gummifabrik zwischen der Puccinistraße und dem Jüdischen Friedhof zum
Wohnstandort. Das 11.000 m² große Gelände wurde 2006 von einem Investor erworben, der die denkmalgeschützten Gebäude saniert und zu Wohnzwecken umgebaut hat. Ergänzt wurde die vorhandene Bausubstanz durch den Neubau familiengerechter Wohnungen und die Anlage von Grünflächen.
Fortzuführende Maßnahmen
Bei rund 1.300 Wohnungen besteht noch mittlerer bis umfangreicher Erneuerungsbedarf, das aktuelle Neubaupotenzial beträgt ca. 900 Wohnungen. Mehrere unbebaute Grundstücke werden
u.a. Bauherrengemeinschaften angeboten.
Bis zum Jahr 2013 sollen weitere Maßnahmen durchgeführt werden. Dies betrifft die Sanierung der kleinen Turnhalle der Schule im Komponistenviertel, die Neuanlage einer öffentlichen Grünfläche mit Spielbereich an der Gounodstraße und die Erneuerung der Gehwege in der Gounodstraße und in mehreren Abschnitten der Bizetstraße.
Rechtsverordnungen
- Förmliche Festlegung als Sanierungsgebiet
- Aufhebung des Sanierungsgebietes
Max-Steinke-Straße 36
Bizetstraße 49
Jugendfreizeitstätte "Nische" Mahlerstraße 4-6
Spielplatz u. Grünanlage an der Tassostraße (Blockinnenbereich)
Spielplatz u. Grünanlage an der Tassostraße (Blockinnenbereich)
Stadtteilbibliothek Bizetstraße 41
Berliner Allee 81 - Nebengebäude im Hof
Meyerbeerstraße 11 - Nebengebäude im Hof
Borodinstraße 15 - Nebengebäude im Hof
Puccinistraße -
ehem. Gummifabrik
Fotos:
WERKSTADT
Stadtplaner & Architekten