Städtebau  

 

Stadterneuerung - Pankow - Rundgang Kollwitzplatz

Der Judengang am Jüdischen Friedhof


Ein Denkmal von stadthistorischer Bedeutung mit verborgener Geschichte und kolportierten Geschichten.

Der Judengang ist ein sieben Meter breiter und vierhundert Meter langer ehemaliger Feldweg zwischen der Mauer des jüdischen Friedhofs und den Höfen der Miethäuser entlang der parallel verlaufenden Kollwitzstraße. In der Mauer befindet sich ein "Hintereingang" zum Friedhof. Den Abschluss des Judenganges bilden zwei Tore. Das eine am Kollwitzplatz in der Baulücke Knaackstraße 41. Das andere am Senefelderplatz. Da der Weg nicht überbaut werden durfte, befand sich in der ehemaligen gründerzeitlichen Bebauung an dieser Stelle wie am Kollwitzplatz eine markante Lücke, verschlossen mit einem Holztor. Bei der Neubebauung der Platzkante des Senefelderplatzes wurde darauf wieder Bezug genommen.

Es bleibt unklar, welche Funktion der Judengang wirklich hatte. Eine Geschichte besagt, dass der König sich bei seinen Ausflügen belästigt fühlte und verfügte, die Trauerzüge den Friedhof über den "Hintereingang" betreten zu lassen. Bislang war es nicht möglich, diese Geschichte durch Quellen zu belegen. Der halachische Grund für diesen Seiteneingang liegt in seiner Funktion, den Vertretern der Kohanim, die Friedhöfe nur unter bestimmten Bedingungen betreten dürfen, einen erleichterten Zugang zu verschaffen. Vielleicht war der Judengang aber auch nur ein Wirtschaftsgang für die Gärtner des Friedhofes.

Nach 1945 war der Judengang zunehmend als Erweiterung der Höfe der Wohngebäude an der Kollwitzstraße genutzt worden. Als 1998 der Gang an die Jüdische Gemeinde rückübertragen wurde, befürchteten die Anwohner, der Judengang könne vollständig für sie geschlossen werden. Eine künstlerische Arbeit von Esther Shalew-Gertz half, Akzeptanz für die Wiederherstellung des Ganges zu schaffen. Der Gang wurde in Anlehnung an den ursprünglichen Feldweg durchgehend unaufwändig befestigt. Von den anschließenden Hofflächen ist er frei zugänglich. Das Nord- und das Südende hingegen werden geschlossen gehalten. Der Judengang ist für die Öffentlichkeit lediglich im Rahmen von Führungen geöffnet.

Das Tor am Kollwitzplatz wurde anhand historischer Photographien wieder hergestellt. In die Torflügel wurden Öffnungen in Form zweier Magen Davids eingelassen, durch die Interessierte einen Blick in den Judengang und auf eine Informationstafel werfen können, die über die Geschichte des Ortes informiert.


Fotos: S.T.E.R.N. GmbH, Berlin


Der Judengang am Jüdischen Friedhof; Fotos: S.T.E.R.N. GmbH, Berlin


Eigentümer: Jüdische Gemeinde Berlin
Maßnahmen: Befestigung und Künstlerische Gestaltung
Finanzierung: Deutsche Klassenlotterie
Planung: Jakobs & Hübinger
Investition: 300.000
Bauzeit: 2002 bis 2003