Städtebau  

 

Städtebaulicher Denkmalschutz – Abgeschlossenes Fördergebiet Spandauer Vorstadt

Haus Schwarzenberg
Rosenthaler Straße 39


Haus Schwarzenberg; Foto: Steinbrecher & Partner
 
Lageplan
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Die Rosenthaler Straße wurde 1658 als Verbindungsweg vom Hackeschen Markt zur Weinmeisterstraße angelegt. Der Straßenverlauf führte in die Richtung des Dorfes Rosenthal und hieß bis 1723 dementsprechend "Weg nach Rosenthal". Bebaut wurde die Straße vor allem im 19. Jahrhundert mit Mietshäusern von städtischen Wohnungsbaugesellschaften oder Privatpersonen.

Auf dem Grundstück der Rosenthaler Straße 39 stand ursprünglich ein Gebäude aus dem Jahr 1769, welches 1831 für die Einrichtung einer Messerschmiede um einen Seitenflügel vergrößert wurde. 1864 musste das Vorderhaus dem heutigen viergeschossigen Bau im spätklassizistischen Stil weichen. Die bereits vorhandenen Seitenflügel wurden weiter genutzt und auf drei bis vier Geschosse aufgestockt. Im hinteren Teil des Grundstücks war ein Garten angelegt, der bis 1907 durch weitere fünfgeschossige Gewerbebauten überbaut wurde.

Die interessante Baugeschichte seit Errichtung der ersten Gebäude im 18. Jahrhundert und die vielfältigen Nutzungen werden durch die behutsam erhaltene Bausubstanz überliefert. In den 1920er Jahren wurde das Gebäude von den Gebrüder Majanz als Wäschefabrik und Mietshaus für deren Mitarbeiter genutzt. Die Firmenschrift ist heute noch an der Fassade des Vorderhauses zu erkennen. Ab 1927 war die Druckereihof AG untergebracht und von 1932 bis 1934 wurde hier zusätzlich ein Mittagstisch für Not leidende Juden betrieben. 1940 wurde der Eigentümer Dr. Ernst Wachsner, ein jüdischer Rechtsanwalt und Notar sowie Hauptaktionär der Druckereihof AG, im Zuge der "Arisierung" enteignet. In den darauf folgenden vier Jahren, bis 1944, wurde im ersten Obergeschoss des vorderen Seitenflügels eine Bürstenbinderwerkstatt betrieben. Mitarbeiter waren zumeist blinde und taubstumme jüdische Mitarbeiter. Dem Inhaber Otto Weidt gelang es, die Deportation seiner Mitarbeiter für einige Zeit zu verhindern und einige von Ihnen mit ihren Familien in den Räumen der Werkstatt zu verstecken. Eine schlichte Gedenktafel in der Durchfahrt des Vorderhauses erinnert an Otto Weidt als Widerstandskämpfer des Nationalsozialismus. Zu DDR-Zeiten wurde das Haus von der staatlichen Filmgesellschaft DEFA genutzt, die hier ihre Probenstudios und Büros unterhielt.

Zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung stand das Gebäude zum Teil leer und wurde durch fehlende Instandsetzung dem Verfall überlassen. Eine kreative Gruppe bezog jedoch Mitte der 1990er Jahre das Gebäude, gründete den Kulturverein Haus Schwarzenberg und konnte so unter Aufwendung eigener Kraft und finanzieller Mittel das Haus erhalten.

Haus Schwarzenberg; Foto: Steinbrecher & Partner
 
Von 2009 bis 2011 wurde das Gebäude in der Rosenthaler Straße 39 mit Mitteln des Förderprogramms Städtebaulicher Denkmalschutz denkmalgerecht saniert. Das an der Straßenfassade begonnene behutsame Instandsetzungskonzept wurde damit an den Hoffassaden sinngemäß fortgesetzt. Soweit es der Erhaltungszustand ermöglichte, wurde der historische Putz erhalten und konserviert. Die Randbereiche wurden gegen weiteren Substanzverlust durch Putzanböschungen gesichert und sandende Putze wurde gefestigt. Am freiliegenden Mauerwerk wurden die Fugen optisch unauffällig geschlossen.

Durch die behutsame Sanierung war es möglich, die Fassungen der Hoffassaden aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zu erhalten. Sie stellen ein äußerst seltenes Dokument der vielschichtigen Nutzungsgeschichte an diesem Standort dar.

Haus Schwarzenberg - Denkmalgerecht sanierte Fassade, erster Hinterhof, 2011; Foto: Steinbrecher & Partner
sanierte Fassade, erster Hinterhof, 2011

Fotos: Steinbrecher & Partner

Daten

  • Baujahr/Entstehung: Vorderhaus 1864, Seitenflügel 1831, Gewerbehof 1907
  • Denkmalart: Baudenkmal
  • Eigentümer: Bund; Land vertreten durch die WBM GmBH
  • Geförderte Maßnahmen: Fenster, Fassade
  • Architekten:
    Schlagge Architekten
    Kastanienallee 11
    10435 Berlin
  • Gesamtkosten: ca. 1,0 Mio. €
  • Fördermittel: 855.000 €
  • Fertigstellung: 2011

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