Städtebau  

 

Städtebaulicher Denkmalschutz – Abgeschlossene Fördergebiete

Rosenthaler Vorstadt – Bezirk Mitte


Luftbild Rosenthaler Vorstadt, 2006; Foto: Stattbau GmbH/Treder
Luftbild Rosenthaler Vorstadt; Foto: Stattbau GmbH/Treder


Das Sanierungsgebiet Rosenthaler Vorstadt wurde im Jahr 2000 in das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen. Die Erneuerung der historischen Bausubstanz erfolgte kontinuierlich, im Programmjahr 2012 wurden die letzten Maßnahmen gefördert. Seit dem Jahr 2016 wird es nicht mehr als aktive Förderkulisse geführt.
Die Förderung in der Rosenthaler Vorstadt konzentrierte sich anfangs auf öffentlich geförderte Modernisierung und Instandsetzung von privaten Wohngebäuden und dann zunehmend auf Maßnahmen in der Erneuerung und Neugestaltung öffentlicher Grün- und Freiräume sowie sozialer und kultureller Infrastrukturen. Das Programm ermöglichte den Erhalt der überlieferten städtebaulichen Strukturen und baulichen Vielfalt und trug zur Revitalisierung und Stärkung der Innenstadt als Wohnort bei.

Entwicklung des Gebietes

Die erstmalige Besiedlung der Rosenthaler Vorstadt geht auf eine Order des preußischen Königs Friedrich II. zurück, der seit 1740 die repräsentative Ausgestaltung der Residenzhauptstadt Berlin vorantrieb und deshalb eine Vielzahl von Bauhandwerkern in königliche Dienste gestellt hatte. Um die saisonal arbeitenden Handwerker dauerhaft anzusiedeln, veranlasste er 1751 die Errichtung einer planmäßigen Siedlung vor der Palisadenmauer. Um 1752 wurden die heutige Bergstraße, die Ackerstraße und die bereits als Feldweg vorhandene Brunnenstraße von der Palisadenmauer bis zur heutigen Invalidenstraße abgesteckt. Ansiedlungswillige Bauhandwerker erhielten gleichgroße Parzellen sowie Baumaterialien kostenfrei vom König. Bis 1755 entstanden in vier Straßenreihen 60 eingeschossige Typenhäuser, in denen insgesamt 120 Familien wohnten.

Aufgrund der überwiegend voigtländischen Herkunft der Bewohner erhielt die Kolonie die Bezeichnung "Neu-Voigtland"; sie wurde um 1800 aus Imagegründen in Rosenthaler Vorstadt umbenannt. Um die Bewohner der Vorstadt seelsorgerisch zu betreuen und "zu kultivieren", veranlasste König Friedrich Wilhelm IV. den Bau der Elisabethkirche (1831-35) nach den Plänen von Schinkel.

Um die wachsende Bevölkerung mit Wohnraum zu versorgen, entstanden ab 1860 neue Baugebiete nördlich der Invalidenstraße. Die Bebauung erfolgte auf Grundlage des Hobrecht'schen Bebauungsplanes von 1862. Dessen Straßen- und Platzsystem bestimmt das städtebauliche Gefüge der Rosenthaler Vorstadt bis heute.
Trotz Rekonstruktionsmaßnahmen war die Rosenthaler Vorstadt in den 1980er Jahren vom baulichen Verfall geprägt, der sich in undichten Dächern, kaputten Fassaden und dunklen Höfen zeigte. Die Vernachlässigung der Altbausubstanz nach dem 2. Weltkrieg bis in die 1980er Jahre führte wie auch in den anderen großen Ostberliner Altbaugebieten zu einem enormen Sanierungsbedarf. Hinzu kamen schwere strukturelle Mängel hinsichtlich der Belüftungs- und Belichtungsverhältnisse durch die hohe bauliche Dichte. Besonders die große Anzahl an Remisen, die eine Besonderheit in der Rosenthaler Vorstadt darstellen, befand sich teilweise in einem katastrophalen Zustand.
Nach 1990 rückte das Quartier wieder in die Mitte Berlins. Mit der Festlegung des Sanierungsgebietes setzte eine dynamische Entwicklung ein. Der Verwertungsdruck und die zentrale Lage im Stadtgebiet beschleunigten die Entwicklung. Heute steht kaum ein Gebäude leer, die Nachfrage nach Wohnraum ist groß und der bauliche Bestand nahezu komplett saniert.

Von der Kolonistensiedlung "Neu-Voigtland" ist die kleinteilige Flurstückstruktur bis heute sichtbar. Das heutige Stadtbild prägen spätklassizistische Häuser aus der Zeit zwischen 1840 und 1860 und gründerzeitliche Gebäude der Folgebebauung ab 1870. Neben dem vorhandenen Raumsystem sind die einzelnen Etappen der städtebaulichen Entwicklung eindrucksvoll nachvollziehbar und von besonderem städtebaulichen und geschichtlichen Wert. Es überwiegt eine geschlossene Blockrandbebauung mit miteinander verbundenen Innenhofkomplexen.
In der Rosenthaler Vorstadt befindet sich eine Vielzahl an denkmalwerten und denkmalgeschützten Bauwerken und Denkmalbereichen.

Von 2000 bis Ende des Jahres 2012 sind insgesamt 33 Vorhaben mit 15,6 Millionen € gefördert worden.

Ziele der Förderung

Die Sanierung in der Rosenthaler Vorstadt zielte auf die Stärkung ihrer Funktion als innerstädtisches Wohnquartier. Neben der Beseitigung der festgestellten Ausstattungsmängel und Ausstattungsdefizite der Wohngebäude sollten diese dem heutigen Ausstattungsstandard und Wohnbedürfnissen angepasst werden.
Des Weiteren zielte die Sanierung auf die Beseitigung der Ausstattungsdefizite bei der Versorgung mit öffentlichen Grün- und Freiflächen durch die hohe bauliche Dichte. Die vorhandenen Grünflächen oder bisher unzureichend genutzter Flächen sollten qualifiziert und durch die Neuanlage von Grün- und Freiflächen beseitigt werden.
So sollte auch die Qualität des Wohnumfeldes u.a. durch die Instandsetzung der Gehwege, verkehrs­beruhigende Maßnahmen und die Erhöhung des Grünanteils gesteigert werden.
Neben der Aufwertung des öffentlichen Raums gehörte die Verbesserung der sozialen Infrastruktur zu den Hauptaufgaben der Sanierung. Schulen, Sporteinrichtungen, Kindertagesstätten und Einrichtungen für Jugendliche waren zu erneuern und zeitgemäßen Standards anzupassen.
Wichtige baukulturelle, historisch bedeutsame, identitätsstiftende Gebäude mit kultureller / religiöser Nutzung sollten ebenso saniert und erhalten werden.

Ergebnisse und Bilanz der Förderung

Mit den Fördermitteln des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz wurden bis 2016 folgende Ergebnisse erzielt:

Im Fördergebiet wurde die Altbausubstanz mit öffentlichen und privaten Mitteln umfassend instand gesetzt und modernisiert. Durch den konzentrierten Einsatz öffentlicher Fördermittel konnten viele Bauten vor dem Verfall gerettet werden und so zum Erhalt des historischen Stadtbildes beitragen. Private Altbauten wurden baukulturell anspruchsvoll saniert und viele historisch wertvolle Details blieben erhalten.
Die vorhandene städtebauliche Struktur und das historische Stadtbild sind erhalten geblieben. Dazu haben u.a. die denkmalgerechte Sanierung der Gebäude und Fassaden sowie die Erneuerung von öffentlichen Gehwegen, Straßen und Plätzen beigetragen. Besondere stadtbildprägende Bedeutung hatte dabei auch die Sanierung der Zionskirche, des Zionskirchplatzes und der umliegenden Straßen sowie die Sanierung von Gebäudeteilen der Elisabethkirche und der Villa Elisabeth.
Die umfassende und aufwendige Restaurierung von Schul- und Hortgebäuden, wie der Papageno Grundschule, der Grundschule am Arkonaplatz und ihrer Schulturnhalle, dem Musikgymnasium Carl Philipp Emanuel Bach und die Sanierung des Jugendtreffs FaM Freizeithaus am Mauerpark trugen zur Gebietsaufwertung, Stabilisierung als Wohnstandort sowie zum Erhalt der historischen Identität gleichermaßen bei.
Mit der Neugestaltung des Pappelplatzes und des Zionskirchplatzes und historisch bedeutsamer Straßen (Ackerstraße, Rheinsberger Straße, Veteranenstraße, der Kreuzung Kastanienallee/Schwedter Straße, Wolliner Straße und Zionskirchstraße) im historischen Kontext wurden wichtige Maßnahmen im öffentlichen Raum umgesetzt, die wesentlich zu einer gesteigerten Attraktivität und Aufenthaltsqualität im Gebiet beitragen. Mit der Sanierung konnte der historische Bestand in seiner überlieferten Gestalt mit originalen Materialien erhalten bzw. wiederhergestellt werden. Von baukultureller Bedeutung waren hier insbesondere der Erhalt des ursprünglichen Gehwegpflasters sowie die Stärkung historischer Raumbezüge.

Verteilung der Fördergelder

Die Mittel aus dem Städtebaulichen Denkmalschutz verteilen sich über den gesamten Förderzeitraum wie folgt auf die Bereiche öffentliche Vorhaben (soziale Infrastruktur, Plätze und Straßenraum) und Private Vorhaben (Wohnen und sonstige Bauwerke):

Grafik: Tortendiagramm Verteilung der Fördergelder für die Rosenthaler Vorstadt (öffentliche Vorhaben: 10,5 Mio. €, private Vorhaben: 9,3 Mio. €)



Ausgewählte Fördervorhaben


Fabrikgebäude Brunnenstraße 192/193
Fabrikgebäude
Brunnenstraße 192/193
mehr
 
Grundschule am Arkonaplatz, Ruppiner Straße 47-48
Grundschule am Arkonaplatz
Ruppiner Straße 47-48
mehr
 
Hortgebäude der Papageno Grundschule
Hortgebäude der Papageno Grundschule
Gartenstraße 25
mehr
 
St. Elisabeth-Kirche und Gemeindehaus Villa Elisabeth
St. Elisabeth-Kirche und
Gemeindehaus Villa Elisabeth
mehr
 
Städtebauförderung - Logos

Städtebaulicher Denkmalschutz Berlin - Logo

Links


Fördergebiet Rosenthaler Vorstadt
Fördergebiet Rosenthaler Vorstadt

Rosenthaler Vorstadt mit Kolonie Neu-Voigtland um 1857
Rosenthaler Vorstadt mit Kolonie Neu-Voigtland um 1857
Quelle: Königl. Preuss. Grosser Generalstab: Berlin und Charlottenburg mit nächster Umgebung

Buchtipps

Denkmale in Berlin - Ortsteil Mitte (Buchcover)
Denkmale in Berlin - Ortsteil Mitte
Landesdenkmalamt Berlin, Michael Imhof Verlag, 2005

Spurensuche in der Rosenthaler Vorstadt (Buchcover)
Spurensuche in der Rosenthaler Vorstadt
Stadtzentrum Berlin e.V., Berlin, 2003

Das Berliner Mietshaus 1740-1862 (Buchcover)
Das Berliner Mietshaus 1740-1862
J.F. Geist, K. Kürvers
Prestel-Verlag, 1980

Download