Städtebau  

 

Städtebaulicher Denkmalschutz

Rundgang Ostseestraße/Grellstraße mit der Siedlung Carl-Legien


Rundgang durch das Fördergebiet Ostseestraße/Grellstraße  mit der Siedlung Carl-Legien Kindertagesstätte Prenzlauer Allee 115 - 116 Kindertagesstätte Preußstraße 5 - 6 Heiz- und Waschhaus der Wohnstadt Carl Legien Kindertagesstätte Prenzlauer Allee 115 - 116 Heiz- und Waschhaus der Wohnstadt Carl Legien Kindertagesstätte Preußstraße 5 - 6

1925 begannen die Planungen zur Siedlung durch die Architekten Bruno Taut Franz Hilliger, der zu jener Zeit Leiter des GEHAG-Entwurfsbüros war. Die Siedlung sollte Platz für ca. 4.000 Bewohner bieten. Bei der Planung orientierten sich beide Architekten an die niederländische Siedlung "Tusschendijken", die 1920/21 von dem Architekten J.J.P. Oud in Rotterdam geplant und gebaut wurde. 1928 begann die Errichtung der aus sechs langgestreckte, U-förmige Wohnblöcken bestehenden Siedlung im Stil des Neuen Bauens. 1930 war die Siedlung mit ihren begrünten Innenhöfen weitgehend fertiggestellt. Ursprünglich waren noch weitere 400 Wohnungen im Norden des Geländes geplant worden, die jedoch nicht realisiert wurden. Den Namen "Carl Legien" erhielt die Siedlung bereits zu ihrer Entstehungszeit. Der 1920 verstorbene Carl Legien war Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB). Die 1.149 Wohnungen verfügen alle über eine großzügige Loggia oder einen Balkon, sowie über ein für damalige Zeiten sensationelles eigenes Bad mit WC und eine eigene Küche.

Das T-förmige unterkellerte Waschhaus der Siedlung, das Bruno Taut entwarf, diente ursprünglich nicht nur zur Reinigung der Mieterwäsche, sondern auch zur Kinderbetreuung und Lagerung der Kohle. Im Erdgeschoß befanden sich die Räume der Gemeinschaftswaschanlage, die mehrere Waschmaschinen, Trockenschränke, Wäschemangeln und kleinere Waschkabinen beherbergten. In einem weiteren Raum des Erdgeschosses befand sich auch der Kindergarten. In den Kellerräumen befanden sich die Heizungsanlage der Wäscherei und das Kohlelager.

Die Siedlung überlebte den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet. Lediglich das kleine Waschhaus und einzelne Gebäude in der Trachtenbrodtstraße 22-34 wurden teilzerstört.

Im Juli 2008 nahm man die Carl-Legien-Siedlung als eine von sechs "Siedlungen der Berliner Moderne" in die UNESCO-Welterbeliste auf.

Die Carl-Legien-Siedlung umfasst sechs lang gestreckte U-förmige viergeschossige Wohnblöcke (1), die sich zur Erich-Weinert-Straße öffnen und mit fünfgeschossigen Kopfbauten abschließen. Abgerundete Balkone heben die Kopfbauten hervor (2). Die Wohnblöcke mit kastenartigen Loggien gruppieren sich um begrünte Innenhöfe. Die gelbe Grundfarbe wird an den hofzugewandten Fassaden mit Grün, Blau und Rot variiert, wobei sich gegenüberliegende Wohnblöcke dieselbe Farbgestaltung erhielten (4). Im Erdgeschoss der Eck- und Zwischenbauten wurden später Gewerberäume für Geschäfte des täglichen Bedarfs eingerichtet (3).

5-geschossiger Kopfbau mit abgerundeten Balkonen an der Trachtenbrodtstraße Ecke Erich-Weinert-Straße; Foto: Wolfgang Bittner, Landesdenkmalamt Berlin
(2) 5-geschossiger Kopfbau mit abgerundeten Balkonen an der Trachtenbrodtstraße Ecke Erich-Weinert-Straße
Foto: Wolfgang Bittner, Landesdenkmalamt Berlin
 
Wohnblocke mit kastenartigen Loggien und blauer Fassadenfarbe  gruppiert sich um begrünten Innenhof; Foto: Steinbrecher und Partner
(4) Wohnblocke mit kastenartigen Loggien und blauer Fassadenfarbe gruppiert sich um begrünten Innenhof;
Foto: Steinbrecher und Partner