Städtebau  

 

Städtebaulicher Denkmalschutz – Abgeschlossene Fördergebiete

Oberschöneweide – Bezirk Treptow-Köpenick


Luftbild Oberschöneweide 2010; Foto: SenStadtWohn / Dirk Laubner
Luftbild Oberschöneweide 2010; Foto: SenStadtWohn / Dirk Laubner


Oberschöneweide wurde 1993 als städtebauliches Erhaltungsgebiet (§ 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BauGB) ausgewiesen. 1995 folgte die förmliche Festlegung als Sanierungsgebiet. Mit der Aufnahme in das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz im Jahr 1999 konnten die bis dahin laufenden Sanierungsmaßnahmen um die denkmalgerechte Sanierung der Gebäude und die Wiederherstellung des Ortsbildes unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Belange ergänzt werden. Im Jahr 2010 konnte aufgrund des fortgeschrittenen Standes der Erneuerungsmaßnahmen der Status als Sanierungsgebiet beendet werden. Seit 2011 wird das Gebiet nicht mehr als aktive Förderkulisse im Programm städtebaulicher Denkmalschutz geführt.

Entwicklung des Gebietes

Der im Südosten Berlins gelegene Ortsteil Oberschöneweide (Bezirk Treptow-Köpenick) wurde erstmalig 1763 urkundlich erwähnt. Das ursprünglich landschaftlich geprägte Gebiet der "Schönen Weiden" entwickelte sich ab 1890 bis zum ersten Weltkrieg zu einem industriell geprägten Stadtteil mit 15.000 Einwohnern und 18.000 Arbeitsplätzen. Vor allem durch die Ansiedlung der AEG, die in den ersten Jahren einen Großteil der Flächen für Fabrikanlagen und Wohnsiedlungen erwarb, wurde Oberschöneweide zur "Elektrostadt".

Die schnelle Industrialisierung bedingte einen zeitgleichen Wohnungsbau. 1902 wurde ein Bebauungsplan erstellt, der die wesentlichen städtebaulichen Entwicklungsziele formulierte und das gesamte künftige Straßennetz darstellte. Vorgesehen wurden ein Industriegürtel an der Spree im Süden sowie nördlich anschließende Wohngebiete. Das erste Siedlungsband entlang des Industriegürtels wurde bis zum ersten Weltkrieg mit spätgründerzeitlichen Mietshäusern, vier Gemeindeschulen, einer Post, einer Kirche und einem Hospital erbaut. Nach dem Weltkrieg folgte ein zweites Siedlungsband mit Wohnblöcken des Reformwohnungsbaus der 1920er Jahre. Eine Anbindung an das südlich der Spree gelegene Niederschöneweide wurde durch den Bau von drei Brücken geschaffen (Stubenrauch- und Treskowbrücke sowie Kaisersteg als Fußgängerbrücke), die jedoch im zweiten Weltkrieg zerstört wurden.

Auch nach dem Krieg wurde die industrielle Tradition im Gebiet fortgeführt und gestärkt. Oberschöneweide zählte in der DDR mit den Kabelwerken Oberspree und dem Werk für Fernsehelektronik zu einem Industriestandort mit großer volkswirtschaftlicher Bedeutung. Ab 1958 entstand ein drittes Band an Wohnsiedlungen mit einer offenen Zeilenbebauung, die sich vom historischen Straßenverlauf und der Blockrandbebauung abwendet und sich zum Volkspark Wuhlheide hin öffnet. Die notwendige Infrastruktur wird durch mehrere Kinderhorte, Clubhäuser, Kaufhallen und Polikliniken bereitgestellt.

Bereits Ende der 1970er Jahre waren die industriellen Anlagen aufgrund fehlender Investitionen überaltert. Die Wende 1989/90 leitete mit den neuen gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen einen tiefgreifenden Umstrukturierungsprozess des Wohn- und Wirtschaftsstandortes Oberschöneweide ein.

Im Ergebnis sind heute in den Wohnquartieren des Gebietes drei geschichtlich und städtebaulich bedeutende Siedlungsbänder erkennbar, die jeweils eine eigene Identität sowie ein unverwechselbares Ortsbild besitzen und auf engem Raum Formen und Tendenzen des Wohnungsbaus repräsentieren, die vom Ausgang des 19. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre reichen:
  • die spätgründerzeitliche Bebauung nördlich der Wilhelminenhofstraße mit geschlossenen Baublöcken und maximal vier Geschossen
  • der nördlich angrenzende Reformsiedlungsbau der 1920er und 1930er Jahre mit zwei- und dreigeschossigen Reihenhäusern mit Mietergärten und einer viergeschossigen Blockrandbebauung mit Vorgärten und großzügigen grünen Innenhöfen
  • die Bebauung der 1960er und 1970er Jahre mit viergeschossiger Zeilenbebauung in Plattenbauweise

Der Wilhelminenhofstraße kommt als Magistrale zwischen Wohn- und Industriestadt eine städtebauliche Schlüsselfunktion im Stadtteil zu. Ihr einzigartiger Charakter leitet sich aus dem Gegenüber von Wohngebäuden und Industriearchitektur ab.

Ziele der Förderung

Mit dem Einsatz des Programms städtebaulicher Denkmalschutz in der Förderkulisse Oberschöneweide wurden folgende Ziele verfolgt:
  • Initiierung und Förderung privater Investitionen, Sicherung preiswerten Wohnraums und Unterstützung des Handwerks und der lokalen Wirtschaft.
  • Sicherung und langfristiger Erhalt der historisch wertvollen Bausubstanz, Instandsetzung und behutsame Modernisierung unter denkmalpflegerischen Aspekten, Beseitigung von Leerstand.
  • Schaffung eines zeitgemäßen Ausstattungsstandards bei langfristig bezahlbaren, sozialverträglichen Mieten, Vermeidung der Verdrängung der Bewohner.
  • Bewahrung der historischen Bebauungsstruktur und der geschichtlichen Identität
  • Erhaltung bzw. Wiederherstellung des historischen Stadtgrundrisses.
  • Behutsame Sanierung des vorhandenen Straßen- und Wegenetz mit seinen noch teilweise vorhandenen historischen Strukturen.
  • Einfügen neuer Gebäude mit eigener Form und Gestalt in die Maßstäblichkeit der vorhandenen Bebauung.
  • Erhalt der kleinteiligen Nutzungsmischung von Wohnen und wohnverträglichem Gewerbe.

Ergebnisse und Bilanz der Förderung

Die denkmalgeschützte öffentliche und private Bausubstanz wurde umfassend instand gesetzt und modernisiert. Mehrere historisch bedeutsame Bauten konnten vor dem Verfall gerettet werden. Zahlreiche private Altbauten wurden unter Erhalt historisch wertvoller Details denkmalpflegerisch anspruchsvoll restauriert. Beispielhaft hierfür steht der Fontanehof als typische Siedlung der 1920er Jahre. Durch die denkmalgerechte Sanierung der Gebäude und Fassaden und die Erneuerung von öffentlichen Gehwegen, Straßen und Plätzen konnte die städtebauliche Struktur und das historische Stadtbild erhalten werden.

Mit der umfassenden und aufwändigen Restaurierung historischer Schulgebäude der Gründerzeit (Edison-Grundschule, Isaac-Newton-Oberschule, Grundschule und Volkshochschule Kottmeierstraße/ Firlstraße/ Plönzeile) wurde neben der Gebietsaufwertung auch ein Beitrag zur Stabilisierung des Wohnstandortes und der Erhaltung historischen Identität geleistet.

Die Neugestaltung des Marktplatzes in der Griechischen Allee und die Sanierung historisch bedeutsamer Straßen (z.B. Lauffener Straße, Deulstraße, Wattstraße, Rathenaustraße) sind wichtige Vorhaben im öffentlichen Raum, die zu einer Steigerung der Attraktivität und Aufenthaltsqualität im Gebiet beigetragen haben.

Die im Programm Städtebaulicher Denkmalschutz durchgeführten Maßnahmen haben im Zusammenspiel mit den Maßnahmen im Rahmen des Sanierungsverfahrens zu einer ganzheitlichen Aufwertung des Gebietes beigetragen. Das unverwechselbare Ortsbild Oberschöneweides konnte Erhalten werden. Zwar sank die Einwohnerzahl nach der Wende, doch begann ab 1995 die Sanierung der Gebäude und des öffentlichen Raumes. Die ab 1998 wieder steigende Einwohnerzahl belegt, dass Oberschöneweide zu einem attraktiven Wohnort aufgewertet wurde, in dem nun zeitgemäßes Wohnen und Arbeiten möglich ist.

Verteilung der Fördergelder

Von 1999 bis 2011 wurden 16 private und 13 öffentliche Vorhaben im Programm städtebaulicher Denkmalschutz gefördert. Insgesamt wurden 14,8 Mio. € Fördermittel als Zuschuss und 2,7 Mio. € als zinsfreies Baudarlehen vergeben.
Die Mittel aus dem Städtebaulichen Denkmalschutz verteilen sich wie folgt auf die Bereiche öffentliche Vorhaben (soziale Infrastruktur, Plätze und Straßenraum) und private Vorhaben:

Grafik: Tortendiagramm Verteilung der Fördergelder für Oberschöneweide (öffentliche Vorhaben: 11,5 Mio. €, private Vorhaben: 6 Mio. €)


Ausgewählte Fördervorhaben


Fontanehof
Fontanehof
Fontanestraße / Zeppelinstraße
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Isaac-Newton-Oberschule, Zeppelinstraße 80
Isaac-Newton-Oberschule
Zeppelinstraße 80
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Marktplatz Griechische Allee
Marktplatz
Griechische Allee
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Fördergebiet Oberschöneweide
Fördergebiet Oberschöneweide

Plan von Oberschöneweide 1902
Plan von Oberschöneweide 1902
Quelle: Heimatmuseum Treptow, Übersichtsplan Oberschöneweide

Buchtipps

Denkmale in Berlin - Bezirk Treptow-Köpenick - Ortsteile Nieder- und Oberschöneweide (Buchcover)
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Landesdenkmalamt Berlin, Michael Imhof Verlag, 2005

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