Städtebau  

 

Städtebaulicher Denkmalschutz – Luisenstadt

Luisenstädtischer Kanal
Blütensträuchergarten


Blick in den Blütensträuchergarten 2016; Foto: BSM mbH
Blick in den Blütensträuchergarten 2016  Foto: BSM mbH
Lageplan - Luisenstädtischer Kanal
Lageplan

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Der 1848-1852 nach Plänen des Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné geschaffene Verbindungskanal zwischen Spree und Landwehrkanal wurde bis auf das Engelbecken 1926-1929 im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zugeschüttet. An seiner Stelle entstand in den 1920er Jahren mit einem Niveau von 1,60 m unter den angrenzenden Straßen nach dem Entwurf des Berliner Stadtgar-tendirektors Erwin Barth eine Grünfläche. Barth teilte diese in zehn Abschnitte mit eigenständigem Charakter und schuf Sitzecken, Veranden, Kinderspielplätze und Brunnen, sogar schmale Wasserrinnen. Dazwischen gab es befestigte Wege, Rasenflächen, Blumenbeete, Blütensträucher, Gehölze und verschiedene Ziergärten mit Dahlien-, Rosen-, Wald- und Alpenpflanzungen. Der im Krieg kaum beschädigte Grünzug wurde nach 1945 teilweise mit Trümmerschutt aufgefüllt und im Stil dieser Zeit umgestaltet. Der Mauerbau 1961 machte die Fläche zum abgeschotteten Todesstreifen zwischen Mitte und Kreuzberg. Diese künstliche Grenze hat sich tief in den Stadtorganismus der Luisenstadt eingegraben.

Blütensträuchergarten 1935: Kinderspielplatz zwischen Köpenicker Straße und Melchiorstraße, Foto: Landesdenkmalamt Berlin
Blütensträuchergarten 1935: Kinderspielplatz zwischen Köpenicker Straße und Melchiorstraße,
Foto: Landesdenkmalamt Berlin
30 Jahre später ermöglichte der Fall der Mauer die Freilegung des nördlich gelegenen Abschnitts der Gartenanlage mit den Einfassungsmauern, Treppen und Bodenbelägen. 1993 wurde der ganze Kanalzug unter Denkmalschutz gestellt und die im Bezirk Mitte liegenden Gartenabschnitte auf der Grundlage gartenarchäologischer Grabungen in einzelnen Abschnitten schrittweise wiederhergestellt. Neben dem Immergrünen Garten (1992/1993), dem Rosengarten (1993-1995), dem Waldpflanzengarten (2006) wurde auch der letzte Abschnitt des Gartendenkmals Luisenstädtischer Kanal, der Blütensträuchergarten, (2007/2008) zum Leben erweckt.

Bänke in der Parkanlage laden zum Verweilen ein, Foto: Lichtschwärmer – Christo Libuda
Bänke in der Parkanlage laden zum Verweilen ein.
In diesem letzten Abschnitt erfolgte keine Ausgrabung bis auf das ursprüngliche Niveau der 1930er Jahre, um die Auswirkungen der Teilung weiter erlebbar zu halten. Erwin Barth plante für den Blütensträuchergarten einen linearen Weg mit Banknischen, der an beiden Seiten von Strauchgruppen mit Flieder, Goldregen, Jasmin und Forsythien begleitet wurde. Umgesetzt wurde dann in den 1930er Jahren jedoch ein Entwurf des Gartenamtsleiters Mitte, Hans Martin, der einen großen Platz mit Planschbecken und zwei Sandspielkästen vorsah. Die Seiten waren mit Blütensträuchern bepflanzt und auf dem höher gelegenen Platz zwischen dem Senkgarten und der Köpenicker Straße stand in einem Blumenrondell eine Amorstatue.

Nach Abschluss der Arbeiten 2008 hat der Blütensträuchergarten wieder Aufenthaltsqualität: An den Rändern der großen, nur leicht abgesenkten Rasenfläche befinden sich Spielobjekte aus Eichenholz, die wie Lastkähne am Ufer liegen und an die frühere Kanalnutzung erinnern. Wie früher die Lastkähne, sind die einzelnen Objekte mit Stegen, Bohlen, Leitern, Seilen etc. kreuz und quer miteinander und mit dem Ufer verbunden.
Die umlaufenden 40 cm hohen Sitzmauern zeichnen die ehemaligen Kanalmauern und den historischen Grundriss des Grünzugs nach. Bänke vor blühender Gehölzkulisse laden zum Verweilen ein. Der Platz an der Köpenicker Straße ist in Anlehnung an sein historisches Vorbild mit Zierrasen, Stauden- und Gehölzbeeten angelegt worden. Neue Baumpflanzungen in den begleitenden Promenadenstraßen strukturieren den Raum nach historischem Vorbild.

Die Holzgerüste innerhalb der kleinen umgebenden Mauern sind ein sicherer Ort zum Spielen, Foto: Lichtschwärmer – Christo Libuda
Die Holzgerüste innerhalb der kleinen umgebenden Mauern sind ein sicherer Ort zum Spielen.
 

Daten

  • Baujahr/Entstehung: 1930-35
  • Denkmalart: Gartendenkmal
  • Eigentümer: Bezirk Mitte von Berlin
  • Geförderte Maßnahmen: Neubau Grünanlage
  • Planung/Bauleitung:
    Büro HORTEC Berlin
    Gartenplanung - Landschaftsplanung - Stadtplanung - Gartendenkmalpflege
    Meierottostraße 7
    10719 Berlin
  • Gesamtkosten: 435.000 €
  • Fördermittel: 435.000 €
  • Fertigstellung: 2008

Links



Publikation Klaus Duntze, Der Luisenstädtische Kanal, mit Beiträgen von Klaus v. Krosigk und Klaus Lingenauber, Landesdenkmalamt Berlin, erschienen im Berlin Story Verlag, 2011