Städtebau  

 

Städtebaulicher Denkmalschutz – Abgeschlossene Fördergebiete

Kaskelstraße/Victoriastadt – Bezirk Lichtenberg


Blick über Türrschmidtstraße und Tuchollaplatz
Blick über Türrschmidtstraße und Tuchollaplatz

 

Das Gebiet wurde 1998 in das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen. Die Erneuerung der historischen Bausubstanz erfolgte kontinuierlich und hatte 2006 einen Stand erreicht, der die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu der Entscheidung veranlasste, die Förderung in diesem Gebiet zu beenden. Seit dem Jahr 2007 wird es nicht mehr als aktive Förderkulisse geführt.

Entwicklung des Gebiets

Das Fördergebiet Kaskelstraße/Victoriastadt ist ein auf allen Seiten von Bahndämmen umschlossenes, städtebaulich homogenes Gründerzeitquartier. Den Namen verdankt die Victoriastadt den Fabrikantenbrüdern Lehmann, die im 19. Jahrhundert das Gebiet zwischen der Nöldnerstraße und dem sogenannten Kuhgraben erwarben und parzellieren ließen. Aufgrund ihrer guten Geschäftsbeziehungen zum englischen Königreich benannten sie das Quartier nach Queen Victoria. Unter Leitung des Baumeisters Türrschmidt errichtete die Berliner Cement-Bau AG in einer für Deutschland damals neuartigen Betonbauweise sechzig überwiegend zweigeschossige Doppel- und Einzelhäuser. 1875 stellte die Cement-Bau AG ihre Tätigkeit ein. Die weitere Bebauung erfolgte in herkömmlicher Ziegelbauweise. Im Laufe der Jahre wurden die meist sehr kleinen und schlecht ausgestatteten Betonhäuser abgerissen und durch drei- und viergeschossige Wohnhäuser ersetzt. Sechs der Betonhäuser stehen bis heute, zwei davon sind inzwischen mit Mitteln des Denkmalschutzprogramms saniert.

Ab 1884 wurde die Bebauung auch nördlich des Kuhgrabens fortgesetzt, 1906 war das gesamte Areal bis zum Bahndamm parzelliert und bebaut. Prägende Elemente des Stadtgrundrisses sind der Tuchollaplatz und der Kuhgraben.

Von größeren Kriegszerstörungen blieb die Victoriastadt verschont. Ein Großteil der Gebäude, insbesondere in der Pfarrstraße und der Kernhofer Straße steht heute unter Denkmalschutz.

Ziele der Förderung

Mit dem Einsatz des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz im Gebiet Kaskelstraße/ Victoriastraße waren folgende Ziele verknüpft:
  • Förderung und Initiierung privater Investitionen, Sicherung preiswerten Wohnraums, Unterstützung der lokalen Wirtschaft und des Handwerks,
  • Sicherung und Erhalt der historisch wertvollen Bausubstanz sowie der historischen Bebauungs- und Grundstücksstruktur, Beseitigung von Leerstand,
  • Entwicklung zu einem attraktiven Wohngebiet mit zeitgemäßer Ausstattung, Modernisierung und Instandsetzung der erhaltenswerten Altbausubstanz
  • Behutsame Ergänzung durch Wohnungsneubau unter Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse von Familien, Senioren und Behinderten,
  • Vorrangige Ausrichtung der sozialen Infrastruktur auf die Bedürfnisse von Kindern, Familien und Senioren,
  • Imagebildung durch Kulturangebote im Kiez,
  • Aufwertung des Wohnumfeldes durch Neugestaltung vorhandener Grünanlagen und Spielplätze sowie Bereitstellung von Angeboten im öffentlichen Raum, Entsiegelung von Hofflächen als Ausgleich für fehlende Freiflächen im Gebiet,
  • Vernetzung des Gebiets mit grünen Wegen zur Überwindung von Barrieren,
  • Aufwertung und Begrünung des Straßenraums, Verkehrsberuhigung und Erhöhung der Verkehrssicherheit.

Ergebnisse und Bilanz der Förderung

Von 1998 bis 2007 wurden 33 Vorhaben mit insgesamt 20,2 Millionen € gefördert. Die wesentlichen städtebaulichen Ziele konnten realisiert werden. Mit den Fördermitteln des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz wurden bis 2007 folgende Ergebnisse erreicht:
  • Die vorhandene städtebauliche Struktur ist erhalten geblieben.
  • Viele historische Bauten wurden vor dem Verfall gerettet und saniert. Die Sanierung ging mit einer qualitativ hochwertigen, denkmalgerechten Erneuerung der Fassaden und Treppenhäuser einher.
  • Ein zeitgemäßer Ausstattungsstandard konnte durch den Einbau von Bädern und modernen Heizungen erreicht werden.
  • Die umfassende Erneuerung des alten Stadthauses und der Einzug des Heimatmuseums Lichtenberg in das sanierte Gebäudeensemble bereichert das Quartier kulturell.
  • Mit der Förderung der Schule an der Victoriastadt wurde eine erhebliche Verbesserung der räumlichen Qualitäten (einschließlich Schulhof und Turnhalle) erreicht. Durch die Aufnahme der Grundstücke Spittastraße 38a und 40 (Jugend- und Begegnungszentrum "Alte Schmiede") sowie der Pfarrstraße 91 (Kita Buntstift) in die Förderung konnten neue Standorte für die soziale Infrastruktur entwickelt werden.
  • Der öffentliche Raum erfuhr durch die Sanierung von Fahrbahnen und Gehwegen sowie der Neugestaltung des Quartierparks und des Tuchollaplatzes eine deutliche Aufwertung und lädt zum Verweilen und Begegnen ein.
  • Mit dem Ausbau der Hauffstraße als Rad- und Fußwegeverbindung wurde die Victoriastadt in die übergeordnete grüne Wegeverbindung zwischen Frankfurter Allee und Nöldnerplatz integriert.


Ausgewählte Fördervorhaben


Betonhaus, Türrschmidtstraße 17
Betonhaus
Türrschmidtstraße 17
mehr
 
Wohnhaus, Kernhofer Straße 9
Wohnhaus
Kernhofer Straße 9
mehr
 
Neugestaltung Straßenraum
Pfarrstraße und Türrschmidtstraße
mehr
 
Spittastraße
mehr
 
Tuchollaplatz
Tuchollaplatz
mehr
 
Fördergebiet Kaskelstraße/Victoriastadt
Fördergebiet Kaskelstr./ Victoriastadt

Colonie Victoriastadt 1910
Colonie Victoriastadt 1910
Quelle: Übersichtsplan Lichtenberg, 1910

Download