Städtebau  

 

Städtebaulicher Denkmalschutz – Humannplatz

Gethsemanekirche
Stargarder Straße 77


Seitenansicht Gethsemanekirche, 2016; Foto: BSM mbH
Gethsemanekirche, 2016
Foto: BSM mbH

Lageplan Gethsemanekirche
Lageplan

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Innenansicht Gethsemanekirche, 1894
Innenansicht Gethsemanekirche, 1894
Quelle: Gemeinderat der Evangelischen Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord Elias - Gethsemane - Paul Gerhardt - Segen (Hrsg.): Gethsemane-Kirche Berlin, Berlin 2004

Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden im Zuge des räumlichen Wachstums Berlins auch im Prenzlauer Berg zahlreiche Kirchenneubauten. 1883 wurden die ersten Überlegungen zum Neubau einer Kirche in der Stargarder Straße als Tochtergemeinde der Zions-Kirchgemeinde angestellt. 1890 gab Kaiser Wilhelm II. dem zukünftigen Neubau den Namen Gethsemane. Als Architekt wurde August Orth gewählt, der bereits die Zionskirche entwarf. Im Jahr 1891 erfolgte die Grundsteinlegung der Kirche, 1893 wurde der Bau fertig gestellt und als selbständige Gemeinde ernannt. Zeitgleich wurde mit der Errichtung der umliegenden vier- bis fünfgeschossigen Mietshäuser begonnen.

Die Backsteinkirche ist eine Mischung aus Zentral- und Längsbau. Von außen erscheint sie als längsgestreckte Hallenkirche mit Querschiff, dominiert vom hohen achteckigen Westturm, dessen Glockengeschoss mit großen Rundbogen-Maßwerkfenstern versehen ist. Die Außenwände sind mit kräftigen Strebepfeilern gegliedert, welche wiederum an den Gebäudeecken durch Fialtürmchen gekrönt sind. Zudem unterstützen Maßwerkfenster die Fassadengliederung. Im Inneren ist die Vierung als ein großes Oktogon mit Sternengewölbe ausgeführt, wodurch das Querschiff und die Seitenschiffe kaum erkennbar sind. Der Eindruck eines Oktogons wird durch die im ganzen Innenraum herumgezogenen Emporen und das Sternengewölbe unterstützt.

Den Zweiten Weltkrieg überstand der Kirchenbau weitgehend unbeschadet. Einige Fenster gingen zu Bruch, wodurch heute nur noch drei der bauzeitlichen Buntglasfenster erhalten sind. Besondere Bedeutung erlangte die Gethsemanekirche zur Wendezeit. Anfang Oktober 1989 wurde sie zum Zentrum des Widerstands und zu einem Brennpunkt der friedlichen Revolution. In der Kirche versammelten sich Menschen zu Mahnwachen und Solidaritätsaktionen für inhaftierte Demonstranten und schafften damit eine öffentliche Aufmerksamkeit. Die Informations- und Diskussionsveranstaltungen waren Anlaufpunkte für Tausende von Menschen. Ein eingerichtetes Kontakttelefon übernahm die Aufgabe einer Nachrichtenagentur und lieferte Informationen über landesweite oppositionelle Aktivitäten und Verhaftungen.

Blick von der Stargader Straße auf die Gethsemanekirche, 2016; Foto: BSM mbH
Blick von der Stargader Straße auf die Gethsemanekirche, 2016
Foto: BSM mbH

Rückansicht der Gethsemanekirche, 2016; Foto: BSM mbH
Rückansicht der Gethsemanekirche, 2016
Foto: BSM mbH

Feuchtschäden an der Fassade, 2013 büro west
Feuchtschäden an der Fassade, 2013
Foto: büro west
Der Sanierungsbedarf dieses stadtbildprägenden, hundertjährigen Gebäudes ist sehr hoch. Das Außenmauerwerk ist durch Feuchtigkeit aufgrund mangelhafter Abdeckungen stark geschädigt. Als Schutzmaßnahme vor herabfallenden Mauerwerksteilen musste der gesamte Kirchgarten für die Nutzung gesperrt werden.

Seit 2015 erfolgt die denkmalgerechte Sanierung der Kirchenfassade mit Mitteln des Städtebaulichen Denkmalschutzes. Insgesamt wird eine Fördersumme in Höhe von 1,78 Mio. € zur Verfügung gestellt. Es erfolgen denkmal­gerechte Sanierungs­arbeiten an der Fassade, an den Fialen und an den bleiverglasten Fenstern.
 
Der Erhalt und die Instandsetzung der denkmalgeschützten Kirche sind von großer Bedeutung für den Ortsteil Prenzlauer Berg und die Geschichte des Landes Berlin. Zusammen mit dem umgebenden Garten prägt sie nicht nur das Stadtbild, sondern nimmt als ein herausragender Ort der sozialen Kommunikation für die Nachbarschaft eine wichtige Funktion ein.
Zusätzlich zu den Fördermitteln aus dem Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" unterstützen die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und Lotto Berlin die geplanten Maßnahmen.

Daten

  • Baujahr/Entstehung: 1889 bis 1893 von August Orth
  • Denkmalart:
    Kirche: Baudenkmal
    Kirchgarten: Gartendenkmal
  • Eigentümer: Evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord
  • Geförderte Maßnahmen: Hüllensanierung
  • Architekten:
    Rheinfurth Architekten
    Kuglerstraße 15
    10439 Berlin
  • Gesamtkosten 1,85 Mio. €
  • Fördersumme
    1,78 Mio. €
  • Geplante Fertigstellung: 2019

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Detail eines reparierten bleiverglasten Fensters, 2016; Foto: büro west
Detail eines reparierten bleiverglasten Fensters, 2016
Foto: büro west

Denkmalgerecht sanierter Schornsteinkopf mit Kupferabdeckung, 2016; Foto: büro west
Denkmalgerecht sanierter Schornsteinkopf mit Kupferabdeckung, da nicht mehr benötigt, 2016
Foto: büro west

Mit Formsteinen reparierter Konsolenfries und sanierte Fugen, 2016; Foto: büro west
Mit Formsteinen reparierter Konsolenfries und sanierte Fugen, 2016    Foto: büro west