Städtebau  

 

Städtebaulicher Denkmalschutz – Abgeschlossene Fördergebiete

Friedrichshagen – Bezirk Treptow-Köpenick


Friedrichshagen Bölschestraße 1905 (Ansichtskarte)
Friedrichshagen Bölschestraße 1905 (Ansichtskarte)

 

Friedrichshagen wurde 1991 in das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz aufgenommen. Die Erneuerung der historischen Bausubstanz erfolgte kontinuierlich und hatte 2005 einen Stand erreicht, der die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu der Entscheidung veranlasste, die Förderung zu beenden. Seit dem Jahr 2007 wird es nicht mehr als aktive Förderkulisse geführt.

Entwicklung des Gebiets

Mitte des 18. Jahrhunderts sollte die Bevölkerungszahl von Brandenburg-Preußen durch die Ansiedlung von Neubürgern aus anderen Gebieten des Deutschen Reichs erhöht werden, weil Arbeitskräfte dringend benötigt wurden. Friedrichshagen war als eines der größten Dörfer dieser Kampagne zur Ansiedlung von hundert Familien vorgesehen, die für Berliner Tuchmanufakturen Seidenraupen züchten und Garn spinnen sollten. Das 1753 gegründete Straßendorf umfasste fünfzig Doppelhäuser und bestand zunächst nur aus der heutigen Bölschestraße.
 
Erst von der Anlage eines Haltepunkts der Berlin-Frankfurter Eisenbahn 1849 gingen wesentliche Impulse für die Ortsentwicklung aus. Friedrichshagen wurde Ausflugsziel und Ort der Sommerfrische. In den 60er Jahren entstanden erste Villen und Sommerwohnungen.
 
Mit der Einführung der neuen Bauordnung 1872 erweiterte sich das Ortsgebiet durch die Neuanlage von Straßen erheblich. Es entstanden nun ein- und zweigeschossige Häuser in spätklassizistischem Stil von kleinstädtischem Charakter, aber auch großzügige Villen für Berliner Bauherren.
 
Die Eingemeindung zu Berlin 1920 löste eine zweite Erweiterungsphase aus.
 
Um 1960 begann der Abriss erster Häuser und eine zeilenartigen Bebauung mit Plattenbauten, die das städtebauliche Gefüge des Gebiets stark veränderte.
 
Durch die Unterschutzstellung 1977 und die nach der Wende erfolgte Abkehr von den Abrissplänen behielt das Gebiet mit seiner zentralen Achse Bölschestraße den einzigartigen Charakter, der maßgeblich für die Aufnahme in das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz war.
 
Überregionalen Ruhm verdankt Friedrichshagen dem Dichterkreis um Wilhelm Bölsche, Bruno Wille und die Gebrüder Hart, die dort um 1890 lebten. Ihnen folgten zwanzig Jahre später u.a. der Lyriker Peter Hille und Johannes Bobrowski. An die meisten Literaten Friedrichshagens erinnern noch heute nach ihnen benannte Straßen.
 

Ziele der Förderung

Mit der Bereitstellung der Fördermittel wurden bis 2002 vor allem folgende Ziele verknüpft:
  • Erhaltung bzw. Wiederherstellung des historischen Vorstadtcharakters (insbesondere Grundstücksgrenzen, Straßen und Wegequerschnitte),
  • Stärkung der historischen Straßenachse Bölschestraße mit Marktplatz,
  • Sicherung und langfristiger Erhalt historisch wertvoller Bausubstanz,
  • Modernisierung historischer Gebäude, Herstellung eines zeitgemäßen Ausstattungsstandards der Wohnungen, Beseitigung von Leerstand,
  • Erhalt kleinteiliger Nutzungsmischung,
  • Anpassung der sozialen Infrastruktur an moderne Standards unter Beachtung denkmalpflegerischer Prämissen,
  • Stärkung der überörtlichen Naherholungs- und Freizeitfunktion.

Ergebnisse und Bilanz der Förderung

Von 1991 bis 2007 sind 168 Vorhaben mit insgesamt 43,55 Millionen € (Zuschuss) gefördert worden. Die städtebaulichen Ziele konnten realisiert werden. Mit den Fördermitteln des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz wurden bis 2007 folgende Ergebnisse erreicht:
  • Die zentrale Einkaufsstraße "Bölschestraße" wurde wieder belebt und dient wieder als Achse und Ortsteilkern des Quartiers.
  • Die besondere historischen Bebauungsstruktur, Grundstücksstruktur und das Verhältnis von bebauter und unbebauter Fläche konnte erhalten werden.
  • Der Wohnstandort konnte gestärkt und die Mieten sozialverträglich gestaltet werden. Der Wohnungsleerstand wurde beseitigt.
  • Die kleinteilige Eigentümerstruktur und Nutzungsmischung konnten erhalten und weiterentwickelt werden.
Die durchgeführten Maßnahmen konnten zur Gebietsaufwertung, zur nachhaltigen Qualifizierung des Stadtbilds und zur Identitätsstärkung der Anwohner beitragen.

Ausgewählte Fördervorhaben


Bölsche-Oberschule, Aßmannstraße 11
Bölsche-Oberschule
Aßmannstraße 11
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Marktplatz in Friedrichshagen, Bölschestraße
Marktplatz in Friedrichshagen
Bölschestraße
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Müggelseegrundschule, Aßmannstraße 63 / Scharnweberstraße 98
Müggelsee­grundschule
Aßmann­straße 63 / Scharnweber­straße 98
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Fördergebiet Friedrichshagen
Fördergebiet Friedrichshagen

Plan Friedrichshagen von 1876
Plan Friedrichshagen von 1876
Quelle: Messtischblatt Berlin, Friedrichshagen, 1876

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