Städtebau  

 

Städtebaulicher Denkmalschutz – Abgeschlossenes Fördergebiet Friedrich-Wilhelm-Stadt

Anatomisches Theater
Luisenstraße 56


Anatomisches Theater auf dem Parkgelände der Charité; Foto: BSM mbH
Anatomisches Theater auf dem Parkgelände der Charité; Foto: BSM mbH
Lageplan
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Auf dem ausgedehnten Parkgelände des Gräflich Reußschen Gartens ließ Friedrich-Wilhelm II. die Tierarzneischule für die preußische Kavallerie errichten. Von der nach den Plänen des Oberbaudirektors Carl Gotthard Langhans errichteten Ursprungsbebauung von 1790 ist noch das so genannte Anatomische Theater als ältestes Lehrgebäude Berlins erhalten. Dieses ist ein bildliches Zeugnis neuer wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit der Tiermedizin, die von Friedrich-Wilhelm II. gezielt gefördert wurde. Der Name des Gebäudes erinnert an das erste anatomische Theater von 1594 in Padua. Dort fanden erstmals öffentliche Sektionen statt - eine Revolution für die Anatomie.

Bis heute ist das Anatomiegebäude in seiner Innenausstattung nahezu original erhalten und besitzt als außergewöhnlicher Wissenschaftsbau nicht nur geschichtliche, sondern auch künstlerische Bedeutung. Der streng gegliederte zweigeschossige Putzbau über quadratischem Grundriss mit dreiachsigen Mittelrisaliten, übergiebeltem Portalbau mit toskanischen Säulen ist mit seinem runden Mittelsaal und Lichttambour als Zentralbau angelegt.

Im Inneren ist noch die ursprünglich symmetrische Raumanordnung um den zentralen Kuppelsaal ablesbar. Das Bohlendach für die Kuppel wurde damals in Deutschland erstmalig angewandt und fand als sehr ökonomische und leicht zu errichtende Konstruktion besondere Beachtung. Der Hauptraum des Anatomischen Theaters hat durch Anordnung der (steil) ansteigenden Sitzreihen die Form eines überdeckten Amphitheaters. Die Gestaltung der filigranen Holzgitter des Gestühls mit neogotischen chinoisen Mischformen wird in der gemalten Architekturgliederung der großen Kuppelfläche fortgeführt.

Die Weiterentwicklung der pathologisch-anatomischen Forschungen und die Vergrößerung der Präparatensammlung erforderten 1873 den Neubau einer "Obductionshalle", die im Auftrag des damaligen Direktors der Tierarzneischule, des Medizinalrats Andreas Christian Gerlach von dem Baumeister Julius Emmerich entworfen wurde. Sie wurde 1935 von Walther Wolff um eine Schlachterhalle und eine Wohnung erweitert.

Eingang zum Anatomischen Theater; Foto: BSM mbH
Eingang zum Anatomischen Theater; Foto: BSM mbH

Der Gebäudekomplex wies um die Jahrtausendwende einen hohen Erneuerungsbedarf auf. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz nahm sich der Sanierung an und stellte 2005 und 2006 erste Mittel zur Verfügung, mit denen eine Musterachse der Fassade saniert wurde, um offene Fragen zur Durchführung der Sanierung zu klären. Mit Hilfe der "Stiftung Anatomisches Theater" unter dem Dach der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wurden weitere Spenden für die Erneuerung gesammelt.

Im Programm Städtebaulicher Denkmalschutz wurden in 2006 Mittel für die Sanierung der Nordostfassade mit dem Eingangsportal zur Verfügung gestellt.
 
Tierkopf weist auf die Nutzung des Gebäudes hin; Foto: Koordinationsbüro für Stadtentwicklung und Projektmanagement - KoSP GmbH
Tierkopf weist auf die Nutzung des Gebäudes hin; Fotos: KoSP GmbH

Daten

  • Baujahr/Entstehung: 1790, Erweiterung 1874 und 1935
  • Eigentümer: Humboldt-Universität zu Berlin
  • Denkmalart: Baudenkmal
  • Geförderte Maßnahmen: Sanierung der Nordostfassade mit Eingangsportal
  • Architekten: Thomas Müller, Ivan Reimann
    Gesellschaft von Architekten mbH
    Kurfürstendamm 178/179
    10585 Berlin
  • Fertigstellung: 2008

Publikationen

Die Königliche Tierarzneischule in Berlin von C. G. Langhans
Hrsg.: LDA Berlin, 2008
Gebr. Mann Verlag mehr

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