Städtebau  

 

Städtebaulicher Denkmalschutz – Abgeschlossene Fördergebiete

Friedrich-Wilhelm-Stadt – Bezirk Mitte


Friedrich-Wilhelm-Stadt; Foto: Koordinationsbüro für Stadtentwicklung und Projektmanagement - KoSP GmbH
Friedrich-Wilhelm-Stadt; Foto: KoSP GmbH

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Die Friedrich-Wilhelm-Stadt ist einer der Vorstädte, die im 18. Jahrhundert außerhalb der Memhardt'schen Befestigungsanlagen entstanden. Sie schließt in westlicher Richtung an die Spandauer Vorstadt an, ist im Norden begrenzt von der Akzisemauer, im Osten von der Friedrichstraße, im Süden und Südwesten von der Spree und im Westen vom Humboldt-Hafen beziehungsweise vom Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal.

Die Bebauung des Gebiets begann mit der Anlage der Dammstraße, der späteren Friedrichstraße, als Nord-Süd-Verbindung von der Dorotheenstadt zum Oranienburger Tor. Nach ersten Gebäuden entlang der Friedrichstraße in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ließen sich ab 1738 mit Erlaubnis Friedrich-Wilhelms I. an dem Damm der Spree westlich der Weidendammer Brücke einige Schiffbauer nieder, die ihre Werkstätten und Holzplätze und bald auch Wohnhäuser errichteten.

Erst in der Regierungszeit König Friedrich Wilhelm III., nach dem die Vorstadt benannt ist, erfolgte ab 1825 die planmäßige Bebauung. Die Wohnbauten in den damals angelegten Straßen Albrecht-, Marien-, Schumann- und Luisenstraße weisen verwandte typologische Eigenheiten auf und vermitteln ein lebendiges Bild des Berliner Städtebaus und der Miethausarchitektur in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 40 Wohngebäude der Erstbebauung sind noch vorhanden.

Bestimmend für die Stadtstruktur sind noch heute die öffentlichen Einrichtungen, die sich hier seit dem 18. und 19. Jahrhundert vor den Toren der Stadt angesiedelt haben, flächenintensive oder stadtunverträgliche Institutionen wie Krankenhäuser, Friedhöfe, Kasernen, Exerzierplätze liegen auf dem Areal verteilt. Im Hintergelände der verlängerten Friedrichstraße wurde bereits 1697 das französische Hospital und Waisenhaus gegründet, am Oranienburger Tor entlang der Akzisemauer, von der Reste in der Hannoverschen Straße erhalten sind, entstand 1764 eine Kaserne.

Für die spätere Entwicklung des Gebiets ausschlaggebend ist die Gründung der Charité, die heute mit der Humboldt-Universität große Flächen des Erhaltungsgebiets einnehmen. Ursprung der Charité ist die Errichtung eines Pesthauses im Jahre 1710 in der Nähe des Schönhauser Grabens, welches später als Armenhaus und als Garnisonslazarett diente, 1726 unter dem Namen "Charité" zu einem allgemeinen Krankenhaus und einer Lehranstalt für Kriegsärzte wurde und zwischen 1785 und 1800 zu einer stattlichen Dreiflügelanlage ausgebaut wurde. Mit Gründung der Friedrich-Wilhelms-Universität, der heutigen Humboldt-Universität, wurde die Charité 1810 zur Universitätsklinik und damit der entscheidende Impuls für die städtebauliche Entwicklung des Gebiets ausgelöst. Eine den gewachsenen Ansprüchen entsprechende einheitliche Neubebauung des gesamten Geländes wurde 1897 begonnen und 1917 abgeschlossen.

Eine zweite Gründung mit ebenso großer Bedeutung für das Gebiet ist die der Tierarzneischule, die sich vorrangig dem Studium sowie der Pflege und Heilung von Pferden im Hinblick auf ihren militärischen Einsatz widmete. Sie wurde 1790 eröffnet und entwickelte sich östlich der Charité nahe der Panke. Von den Bauten aus der Gründungszeit ist im Parkgelände das Anatomische Theater erhalten, ein von Carl Langhans um 1790 in frühklassizistischen Formen errichteter Bau. Das Hauptgebäude wurde 1839-40 als Dreiflügelanlage an der (späteren) Luisenstraße errichtet.

Mit Charité, Tierarzneischule und einer Reihe naturwissenschaftlicher Institute der 1810 gegründeten Berliner Universität entlang der Hannoverschen Straße, der Hessischen Straße und der Invalidenstraße entwickelte sich die Friedrich-Wilhelm-Stadt zu einem bedeutenden Wissenschaftsstandort Deutschlands, der er bis heute geblieben ist. Wohnnutzungen mit untergelagertem Gewerbe finden sich am östlichen Gebietsrand im Verlauf der Chaussee- und Friedrichstraße und im Bereich südlich der Schumannstraße. Dort sind mit den Kammerspielen, dem Deutschen Theater und dem Berliner Ensemble auch bedeutende Kultureinrichtungen angesiedelt. Die Friedrich-Wilhelm-Stadt ist, trotz teilweise starker Zerstörungen während des Zweiten Weltkriegs, in ihrem Stadtgrundriss unverändert erhalten geblieben.

Bereits seit 1996 ist die Friedrich-Wilhelm-Stadt durch eine städtebauliche Erhaltungsverordnung geschützt. In den Jahren 2006 bis 2009 wurde das Gebiet im Programm Städtebaulicher Denkmalschutz gefördert.

Die denkmalgerechte Sanierung einzelner, herausragender und stark sanierungsbedürftiger Objekte in Kombination mit anderen Förder- und Finanzierungsquellen trug dazu bei, die durch einen hohen Denkmalbestand charakterisierte historische Bebauung zu erhalten.

Ausgewählte Fördervorhaben


Anatomisches Theater; Foto: BSM mbH
Anatomisches Theater
Luisenstraße 56
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Das Gebäude der ehemaligen Tierarzneischule nach der Sanierung; Foto: BSM mbH
Ehemalige Tierarzneischule der Humboldt-Universität
Luisenstraße 56
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Straßenansicht des ehemaligen Königlichen Leichenschauhauses; Foto: BSM mbH
Ehemaliges Königliches Leichenschauhaus der Humboldt-Universität
Hannoversche Straße 6
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Hofansicht der ehemaligen Chirurgischen Pferdeklinik; Foto: Hübner + Oehmig
Ehemalige Chirurgische Pferdeklinik der Humboldt-Universität
Hannoversche Straße 23-26
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Fördergebiet Rosenthaler Vorstadt
Fördergebiet Friedrich-Wilhelm-Stadt

Rosenthaler Vorstadt mit Kolonie Neu-Voigtland um 1857
Friedrich-Wilhelm-Stadt um 1857
Quelle: Königl. Preuss. Grosser Generalstab: Berlin und Charlottenburg mit nächster Umgebung

Buchtipps

Denkmale in Berlin - Ortsteil Mitte (Buchcover)
Denkmale in Berlin - Ortsteil Mitte
Landesdenkmalamt Berlin, Michael Imhof Verlag, 2005