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Lichtkonzept

Sicherheit und Beleuchtung im öffentlichen Raum


Die öffentliche Beleuchtung in der Stadt dient nicht allein der Verkehrssicherheit während der Dunkelheit, sie trägt auch zur sozialen Sicherheit im öffentlichen Raum bei. Unter beiden Gesichtspunkten gilt es, gute Voraussetzungen für eine möglichst gefahrlose Mobilität der Menschen sowie für eine hohe Aufenthaltsqualität in den öffentlichen Stadträumen zu schaffen. Das Lichtkonzept enthält folglich Grundsätze, Empfehlungen und Hinweise zu beiden Handlungsfeldern.


Wahrnehmung von Fußgängern und Radfahrern im Straßenraum

Im Interesse der Verkehrssicherheit sollen alle Verkehrsteilnehmer und Nutzer im gesamten Straßenraum das Verkehrsgeschehen auch in der Dunkelheit gut und rechtzeitig wahrnehmen können.
Die in den V Öffentliche Beleuchtung ausgeführten lichttechnischen Parameter und Gütemerkmale liefern dafür eine handhabbare Anwendungsgrundlage.

Ein besonderes Augenmerk wird im Lichtkonzept ferner auf die Sicherheit der nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer im Straßenraum gelegt, z. B. der Fußgänger bei der Überquerung von Fahrbahnen in Kreuzungsbereichen und an bestimmten Übergangsstellen zwischen den Kreuzungen. Von den Unfällen bei Dunkelheit mit Personenschäden in Berlin waren in den vergangenen Jahren zur Hälfte Fußgänger betroffen. Die meisten dieser Unfälle ereigneten sich beim Überqueren von Fahrbahnen durch Fußgänger, dabei wiederum ein großer Teil mit kreuzendem, bzw. einbiegendem Kfz-Verkehr. Um Personen, die eine Fahrbahn an Kreuzungen oder besonderen Querungsstellen überqueren, möglichst gut und rechtzeitig aus der Perspektive fahrender Verkehrsteilnehmer wahrnehmen zu können, kommt es vor allem auf eine fußgängerorientierte Positionierung der Beleuchtungen an.

Um eine ausreichende Kontrastwahrnehmung der Fußgänger zu erreichen, ist außerdem eine punktuelle Erhöhung der Beleuchtungsstärke, ähnlich wie sie an Fußgängerüberwegen mit Zebrastreifen vorgeschrieben ist, auch an Fußgängerfurten in Kreuzungsbereichen vorteilhaft. Für die in immer größerer Anzahl im traditionellen Fahrbahnraum, in Tempo-50-Straßen zunehmend auch auf Angebotsstreifen, fahrenden Radfahrer ist gleichermaßen von Bedeutung, auch bei Dunkelheit vom fließenden Autoverkehr wahrgenommen zu werden und auch selbst das Verkehrsgeschehen angemessen sowie z. B. parkende Fahrzeuge und bauliche Gegebenheiten an Fahrbahnrändern rechtzeitig wahrnehmen zu können.

Gehwege und fahrbahnbegleitende Radwege sollen durch die an den Fahrbahnrändern angeordneten Leuchten mit beleuchtet werden. Hierfür geben die V Öffentliche Beleuchtung 50% der Beleuchtungsstärke des Fahrbahnbereiches vor.


Orientierungslicht für soziale Sicherheit

Bei Dunkelheit trägt eine angemessene Beleuchtung im öffentlichen Raum wesentlich zum Sicherheitsgefühl und damit zur sozialen Sicherheit der sich darin aufhaltenden und fortbewegenden Menschen bei.

Zum einen fördert sie damit auch die Belebung urbaner Stadträume, zum anderen hilft sie, die Anzahl und Ausdehnung von mitunter als "Angsträume" bezeichneten, bei Dunkelheit von Menschen eher gemiedenen Orten, zu verringern. Für eine in dieser Hinsicht angemessene Beleuchtung ist allerdings nicht allein der Grad der Helligkeit von Bedeutung. Helle, von dunklen Räumen umgebene Orte vermögen das Unsicherheitsgefühl sich darin aufhaltender Menschen manchmal eher noch zu steigern. Vielmehr spielen weitere Kriterien, wie z. B. die Orientierbarkeit im Zusammenhang mit der Umgebung sowie das frühzeitige Erkennen fremder Personen und deren Verhalten eine maßgebliche Rolle.

Daher gilt es, die Beleuchtung im öffentlichen Raum so anzulegen, dass Wegeführungen, Zielpunkte und potenzielle Fluchtmöglichkeiten erkannt werden können und sowohl Dunkelzonen als auch Blendungen vermieden werden. Licht z. B. auf Plätzen sollte eine Qualität in der Farbwiedergabe und Gleichmäßigkeit aufweisen, die es Passanten ermöglicht, das Erscheinungsbild und Verhalten anderer Personen in einer Entfernung von vier Meter erkennen zu können und auch selbst das Verkehrsgeschehen angemessen sowie z. B. parkende Fahrzeuge und bauliche Gegebenheiten an Fahrbahnrändern rechtzeitig wahrnehmen zu können.

Hinweis: Statt Ausführungsvorschriften verbindliche Vorgaben eingeführt
(Juni 2015)
Für die Öffentliche Beleuchtung in Berlin wurde keine Ausführungsvorschrift zu § 7 Berliner Straßengesetz eingeführt, da nach dem Allgemeinen Zuständigkeitsgesetz – AZG, Allgemeiner Zuständigkeitskatalog (ZustKat AZG) Punkt 10, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt für die Öffentliche Beleuchtung einschließlich der beleuchteten Verkehrszeichen und –einrichtungen selber zuständig ist. Stattdessen wurden die Vorgaben und Hinweise für Planung und Bau von Straßenbeleuchtungsanlagen verbindlich eingeführt.

Foto: FGS – Forschungsgruppe Stadt Verkehr
Foto: FGS – Forschungsgruppe Stadt Verkehr


Foto: FGS – Forschungsgruppe Stadt Verkehr
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