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Rechtsvorschriften - Umweltverträgliche Beschaffung

Spezifische Beschaffungshinweise


Beschaffung von Holz aus legaler und nachhaltiger Waldwirtschaft

Bei allen öffentlichen Hoch-, Tief- und GALA-Baumaßnahmen in Berlin werden relevante Mengen von etwa 40.000 t/a an Holzerzeugnissen wie Sparren, Bohlen, Latten, Parkett, Türen, Fenster, Dachstühle sowie Parkbänke eingesetzt und verbaut.

Im Abschnitt I, Kapitel 4 (Beschaffungsbeschränkungen) der "Verwaltungsvorschrift Beschaffung und Umwelt- VwVBU" ist die Beschaffung von Holz unter Nummer 13 wie folgt geregelt:

Aus Umweltgesichtspunkten ist die Beschaffung von Holz und Holzprodukten durch die öffentlichen Auftraggeber im Land Berlin nur vertretbar, sofern nachweislich gewährleistet ist, dass das Holz aus legaler und nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammt. Der Nachweis ist vom Bieter durch Vorlage eines Zertifikats von FSC oder durch einen gleichwertigen Nachweis in Form eines vergleichbaren Zertifikats oder durch Einzelnachweise zu erbringen. Vergleichbare Zertifikate oder Einzelnachweise sind anzuerkennen, wenn vom Bieter nachgewiesen wird, dass die für das jeweilige Herkunftsland geltenden Kriterien des FSC erfüllt werden.

Demnach sind die Beschaffung und der Einsatz ausschließlich von Holz aus legaler und nachhaltiger Waldwirtschaft bei öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen im Land Berlin zulässig. Durch Einfügung des ABau-Formulars V248F, welches entsprechende Besonderen Vertragsbedingungen sowie Vertragsstrafen bei Verstoß enthält, in die Leistungsbeschreibung, werden die Bieter vertraglich verpflichtet, die Vorgaben der VwVBU und somit auch die der legalen und nachhaltigen Holzbeschaffung zu berücksichtigen. Der Auftragnehmer ist verpflichtet, den erforderlichen Nachweis in Form eines Einzelnachweises oder eines gültigen Zertifikates unverzüglich und unaufgefordert vorzulegen.

Bei öffentlichen Baumaßnahmen (Hoch-, Tief- und Gartenbau) wird das beschaffte zertifizierte Holz vorwiegend vor Ort endverarbeitet bzw. eingebaut. Nach den verbindlichen Vorgaben derartiger Zertifikate (z.B. FSC, PEFC) ist es zur lückenlosen Nachweisführung (Chain-of-Custody - CoC) unabdingbar, dass auch das endverarbeitende Unternehmen (z.B. Schreiner, Tischler, GALA-Bau Betrieb, Zimmerer, Dachdecker), welches das gelieferte zertifizierte Holz verarbeitet, selbst über ein gültiges Zertifikat verfügt. Zum Vergleich: Dagegen ist bei der Beschaffung und Lieferung bzw. Montage von zertifizierten Holzfertigprodukten wie Büromöbeln, an denen nichts mehr verändert werden kann, nur für das fertige Produkt ein entsprechendes Zertifikat vom Bieter vorzulegen (siehe FAQ - Nummer 35).

Gemäß den vom Berliner Senat beschlossenen Vorgaben der VwVBU kann somit der Nachweis zum Einsatz von Holz aus nachhaltiger und legaler Waldwirtschaft
  • entweder durch ein FSC-Zertifikat
  • oder durch ein gleichwertiges Zertifikat (in der Regel PEFC)
  • oder durch einen Einzelnachweis
erfolgen.

Um den Aufwand zur notwendigen Zertifizierung für die holzausführenden Betriebe gering zu halten, können kostengünstige Gruppenzertifizierungen (siehe: "Aktuelles") entsprechender Branchen genutzt werden. Beispielsweise bieten sowohl der Gesamtverband Deutscher Holzhandel als auch die Berliner Tischlerinnung diese Art der Zertifizierung an.

Ist ein Betrieb nicht selber nach FSC oder nach einem gleichwertigen Zertifikat wie PEFC zertifiziert und kann demnach bei einer öffentlichen Ausschreibung keinen derartigen Nachweis vorlegen, ist der Betrieb verpflichtet, einen Einzelnachweis vorlegen.

Dieser von einer akkreditierten Zertifizierungsstelle (http://www.fsc-deutschland.de/zertifizierer-finden.40.htm oder https://pefc.de/fur-unternehmen/zertifizierer) erstellte Einzelnachweis muss die Einhaltung der folgenden Kriterien dokumentieren:
  1. Durchführung und Dokumentation der konkreten Wareneingangskontrolle des betroffenen Materials
  2. Dokumentation des zeitlichen Bezugs der bestellten zertifizierten Holzpartie zum betroffenen Auftrag
  3. Inhaltlicher Bezug zum betroffenen Auftrag, z. B. durch Nennung der Kommission (Nummer oder Kundenname) in der Auftragsbestätigung und den Lieferpapieren des Lieferanten bzw. Holzhändlers
  4. Mengenmäßiger Bezug (Anzahl der Fixlängen, lfm, Fläche, Volumen usw.) zum betroffenen Auftrag

Verschiedene akkreditierte Zertifizierungsstellen wie NEPCon, TÜV Nord, GFA, IMO und SGS bieten holzverarbeitende Betrieben diesen Einzelnachweis kostengünstig und innerhalb von 1-2 Tagen an. Dieser Einzelnachweis ist insbesondere für Betriebe von Interesse, die nur selten für die öffentliche Hand tätig sind.

Der Einzelnachweis ist bei Beauftragung unverzüglich und unaufgefordert vor dem Einbau dem Auftraggeber vorzulegen.

Die öffentlichen Beschaffungsstellen sind angehalten, bei den Leistungsbeschreibungen verstärkt auf die Einfügung der verbindlichen Vorgaben der VwVBU zur ausschließlichen Beschaffung von nachhaltigem Holz zu achten sowie von dem beauftragten Bieter auch das entsprechende Zertifikat oder den Einzelnachweis zur Nachweisführung vorlegen zu lassen. Verstößt der Bieter gegen diese genannten Verpflichtungen der VwVBU, ist vom Auftraggeber eine Vertragsstrafe festzulegen.
Überprüfungen, ob vorgelegte Zertifikate aktuell gültig ist, kann einfach über die FSC- Datenbank oder PEFC Datenbank erfolgen.

Durch den Einzelnachweis oder ein Zertifikat stehen auch kleineren Betriebe praxistaugliche Nachweisverfahren zur Verfügung, um auch zukünftig an öffentlichen Ausschreibungen im Land Berlin teilnehmen zu können.

Für alle Rückfragen zur Beschaffung von zertifiziertem Holz stehen wir Ihnen gerne unter Umweltvertraegliche.Beschaffung@senstadtum.berlin.de zur Verfügung.

Aktuelles


Fachdialoge

2. Fachdialog
am 26.04.2016
:
"Öffentliche Beschaffung von nachhaltigem Holz (u.a. Tropenholz) im Land Berlin"

1. Fachdialog
am 14.10.2014
:
"Nachhaltige Beschaffung von zertifiziertem Holz als Bau- und Brennstoff im Land Berlin"

Tropenwald; Foto GIZ / Stefan Essel
Tropenwald (FSC Konzession Kamerun); Foto: GIZ / Stefan Essel

Cumaru Holzsitzbank; Foto: Schradi Garten- und Landschaftsbau GmbH
Cumaru Holzsitzbank; Foto: Schradi Garten- und Landschaftsbau GmbH

Cumaru Holzterrasse; Foto: Schradi Garten- und Landschaftsbau GmbH
Cumaru Holzterrasse; Foto: Schradi Garten- und Landschaftsbau GmbH