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Archiv: Tempelhof (Stand 2007-2008)

Planungsvorlauf


Überlegungen für die Nachnutzung des Tempelhofer Flughafens reichen in die frühen 1990er Jahre zurück.

Mit einem ersten Rahmengutachten beauftragte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz 1994 die Büros Hentrich-Petschnigg & Partner (HPP) gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten Seebauer, Wefers und Partner. In diesem Gutachten wurden wesentliche Rahmenbedingungen für eine zukünftige Nachnutzung abgesteckt und in städtebauliche Konzepte umgesetzt.

Eine für alle weiteren Planungen zentrale Erkenntnis war die Herausarbeitung der stadtklimatologischen Bedeutung des Freiraums für die umliegenden dicht bebauten Bezirke Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof. Ein hoher Stellenwert wurde in diesem Zusammenhang darüber hinaus der potentiellen Erholungsfunktion für die mit Freiräumen stark unterversorgten angrenzenden Gebiete eingeräumt.

Die sich aus den Diskussionen um eine städtebauliche Ordnung des Geländes herauskristallisierende Vorzugsvariante zeichnet eine die Figur des Flughafengebäudes fortsetzende ellipsenförmige, kompakte Randbebauung nach, die sich um einen zentralen Freiraum organisierte.

Zur Überprüfung der städtebaulichen Haltung dieses Gutachtens wurde 1995 eine international besetzte Konzeptwerkstatt durchgeführt. Das Expertengremium - dazu gehörten Alsop & Störmer, Maria Auböck, Harald Bodenschatz, Tilman Buddensieg, Dieter Hoffmann-Axthelm, Peter Latz, Josep Lluis Mateo, Hans Christian Müller, Jürgen von Reuß, Bernhard Schneider, Otto Steidle, Bernhard Strecker und Inge Voigt - gelangte übereinstimmend zu der Überzeugung, dass in Abänderung zu den Vorschlägen von HPP die monumentale Herrschaftsgeste des Flughafengebäudes "gebrochen" werden müsse und keinesfalls das neu zu entwickelnde Stadtfeld formal und atmosphärisch dominieren solle.

Eigentumsverhältnisse 2006 - Bund 53% / Land Berlin 47%
Eigentumsverhältnisse 2006 - Bund 53% / Land Berlin 47%
Bezüglich des anzustrebenden Bauvolumens wurden divergierende Haltungen eingenommen. Einigkeit bestand jedoch darin, dass das Gelände zukünftig von Funktionen mit gesamtstädtischer Ausstrahlung besetzt werden müsse, und dass der Entwicklungsprozess offen gestaltet und über einen großen Zeitraum hinweg gedacht werden solle. Dabei wurde einvernehmlich die frühzeitige Sicherung und Qualifizierung des zentralen Parks als wichtiger Initiator für jegliche Entwicklung beurteilt.
 
Die sich 1998 anschließende "Zukunftswerkstatt Tempelhof 2020" diente u.a. als Grundlage für den Masterplan der Landschaftsarchitekten Dieter Kienast / Günther Voigt, den sie gemeinsam mit dem Architekten Bernd Albers erarbeiteten. Der Masterplan wurde zur Grundlage der aktuellen Flächennutzungsplandarstellung.

Der Entwurf ist von der Idee des "Wiesenmeers" geprägt, einem zentral gelegenen Park, der durch unterschiedliche Park- und Stadtbausteine gefasst wird. Ein "Ringboulevard" zeichnet das bisherige Flugfeld nach und umgrenzt den ausgedehnten Freiraum - das Tempelhofer Feld. Er ist gleichzeitig Erschließung für die unterschiedlichen Baufelder und setzt diese zueinander in Beziehung. Die Flughafennutzung bleibt als Spur der Erinnerung in das Gelände eingeschrieben. Die einzigartige Weite inmitten der dicht gebauten Stadt bleibt damit erlebbar.

Die strukturierenden Elemente des "Wiesenmeeres" werden von den Start- und Landebahnen, der als Baumhain ausgebildeten "Insel im Wiesenmeer" - die an den Vorgängerbau des heutigen Flughafengebäudes erinnern soll - sowie dem "Fliegerberg und Himmelsgarten", der als 50 Meter hoher künstlicher Erdkegel eine Reminiszenz an die Flugpioniere der Jahrhundertwende darstellt, gebildet.

Die das Wiesenmeer rahmenden "Stadtmodule" sind:
  • Der denkmalgeschützte Gebäudekomplex des Flughafens mit rund 300.000 m² Geschossfläche, dessen künftige Nutzungen in den Bereichen Freizeit, Technologieentwicklung und Wissensvermittlung liegen
  • Der "Themenpark Fliegen" mit zum Tempelhofer Damm hin vorgelagerten Solitären für Büronutzungen sowie kommerzielle Unterhaltungs- und Erlebnispavillons in den unterschiedlichen Hallenbauten
  • Das die Stadtautobahn begleitende, durch die standortverträgliche gewerbliche Nutzungen geprägte Quartier
  • Der sich im Südwesten des Ringboulevards anschließende Sportpark, der bestehende Sportanlagen integriert, wobei die neuen Anlagen teilweise überdacht, teilweise als offene Freianlagen konzipiert sind
  • Das sich westlich an das Quartier "Schillerpromenade" anschließende urbane Wohnquartier sowie
  • Das zwischen dem neu entstehenden Park und der Hasenheide konzipierte Wohnquartier, das optional auch für Sport- und Freizeitnutzungen in Betracht zu ziehen wäre.

 





Hentrich-Petschnigg & Partner / Seebauer, Wefers und Partner - Städtebaulicher Entwurf 1994

Inge Voigt - Konzeptwerkstatt 1995
Inge Voigt - Konzeptwerkstatt 1995

Alsop und Störmer - Konzeptwerkstatt 1995
Alsop & Störmer - Konzeptwerkstatt 1995

Dieter Hofmann-Axthelm - Konzeptwerkstatt 1995
Dieter Hofmann- Axthelm - Konzeptwerkstatt 1995
 
 


 
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