Städtebau  

 

Molkenmarkt/Klosterviertel - Stadtgeschichte

Stadtgeschichte bis in die 1920er Jahre


Der Molkenmarkt im Jahr 1901. Im Hintergrund sieht man das Rote Rathaus. Quelle: Landesarchiv Berlin, Fotograf: Waldemar Titzenthaler
Der Molkenmarkt im Jahr 1901. Im Hintergrund sieht man das Rote Rathaus.
Quelle: Landesarchiv Berlin, Fotograf: Waldemar Titzenthaler

Berlin entstand in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Siedlung von Fernhandelskaufleuten nordöstlich einer Spreefurt, dem späteren Mühlendamm. Der Molkenmarkt ist als Schnittpunkt dreier Fernhandelsstraßen entstanden. Er ist der älteste Platzbereich Berlins und bildet mit der noch bestehenden Pfarrkirche von St. Nikolai (vermutlich 1232 begonnen) den Siedlungskern der Stadt. Sein städtebauliches Umfeld, in vielen Jahrhunderten entwickelt, spiegelt in der Verschiedenartigkeit seiner Bauten bzw. Überbauungen zugleich die Geschichte Alt-Berlins wider. Der Stadtgrundriss war in seinen wesentlichen Strukturen wahrscheinlich schon während des 13. Jahrhunderts ausgebildet.

Die dichten Blockstrukturen der vier den Molkenmarkt viertelkreisförmig umgreifenden parallelen Straßen (Poststraße, Spandauer Straße, Jüdenstraße und Klosterstraße) und die engen ärmlichen Gassen des sogenannten Krögels – zwischen Spreeufer und Stralauer Straße gelegen (heutiger Standort der „Münze”) - legen davon Zeugnis ab. Weitere Belege der historischen Strukturen sind die Reste der mittelalterlichen Stadtmauer, die Ruine der Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert, die von Johann-Arnold Nering geschaffene Parochialkirche (1695-1703) in der Klosterstraße sowie das in der Königstraße (heute Rathausstraße) in der Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Rote Rathaus, dem der an gleicher Stelle lokalisierte Vorgängerbau weichen musste.

Das große Stadthaus mit dem mächtigen Kuppelturm (Ludwig Hoffmann, 1902-1911) schließlich, das in funktionaler Ergänzung zum Roten Rathaus errichtet wurde, gab dem Viertel als neuer räumlicher Mittelpunkt seinen weithin sichtbaren „wilhelminischen Akzent” und festigte seine kommunale Bedeutung. Ein in Verbindung mit dem Stadthaus geplanter Vorplatz, der die Bedeutung und Monumentalität des städtischen Gebäudes unterstreichen sollte, konnte jedoch in Folge des Ersten Weltkrieges nicht realisiert werden und wurde auch in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, aufgrund der wirtschaftlichen Krise, nicht gebaut.
Bereich Molkenmarkt/Klosterviertel und Umgebung im Straubeplan (um 1910); Quelle: Landesarchiv Berlin, Kartenabt., Sign.: A 2012/2
Bereich Molkenmarkt/Klosterviertel und Umgebung im Straubeplan (um 1910)
Quelle: Landesarchiv Berlin, Kartenabt., Sign.: A 2012/2