Städtebau  

 

Molkenmarkt/Klosterviertel - Stadtgeschichte

Stadtgeschichte ab 1930


Ausschnitt aus dem historischen „Bebauungsplan für das Stadtzentrum von Groß-Berlin” vom Kollektiv des Stadtbauamtes unter Peter Schweizer, März 1961; © Dr. D. Tscheschner
Ausschnitt aus dem historischen „Bebauungsplan für das Stadtzentrum von Groß-Berlin” vom Kollektiv des Stadtbauamtes unter Peter Schweizer, März 1961   © Dr. D. Tscheschner

In den 1930er Jahren wurde die Platzidee (in Verschmelzung mit dem Molkenmarkt) im Zusammenhang mit der Planung eines städtischen Verwaltungszentrums um das Stadthaus wieder aufgenommen. Während jedoch einige der in diesem Zusammenhang konzipierten Verwaltungsgebäude bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges baulich umgesetzt werden konnten, wurde die geplante Aufweitung des Molkenmarktes nicht realisiert.

Im Zusammenhang mit den neuen Verwaltungsbauten, die nun die kleinteiligen Blockstrukturen des Gebietes zugunsten von Großstrukturen merklich auflösten, wurde auch der „Krögel” abgerissen. An seiner Stelle wurde – unter Einbeziehung des Schwerinschen Palais – die „Münze” errichtet, die wegen des Baues der Reichsbankerweiterung ihren Standort auf dem Friedrichswerder aufgeben musste.

Einen weiteren bedeutsamen strukturellen Eingriff, der den Charakter des Bereichs um den Molkenmarkt nachhaltig beeinflusste, stellte schließlich der Ausbau der Mühlendammschleuse dar und die damit verbundene Verlegung der Mühlendammbrücke, die eine Reihe von Gebäudeabtragungen notwendig machte. So ist u.a. das erst 1985-87 im Zuge des Nikolai-Viertels rekonstruierte Ephraim-Palais aus diesen Gründen abgebaut worden.

Schrägluftbild des Bereichs Molkenmarkt / Klosterviertel aus den 1960er Jahren; Foto: © Lothar Willmann
Schrägluftbild des Bereichs Molkenmarkt / Klosterviertel aus den 1960er Jahren
Foto: © Lothar Willmann
Der Zweite Weltkrieg fügte dem Quartier um das Stadthaus schließlich große, zum Teil irreversible Gebäudeschäden zu. Etliche Baulücken zeugen von den Kriegszerstörungen. Dennoch konnte sich der Bebauungscharakter der Gegend im Bestand in den Nachkriegsjahren weitgehend erhalten. Viele der bedeutenden historischen Bauten – vom Roten Rathaus bis zum Stadthaus, vom Stadtgericht Mitte bis zur „Münze”, von der Parochialkirche bis zum Rest der alten Stadtmauer – sind erhalten geblieben.

Die historische Stadtfigur blieb städtebaulich bis in die 60er Jahre des 20. Jh. unberührt und bewahrte ihre wesentlichen Charakteristika.

Erst einschneidende verkehrsplanerische Maßnahmen störten das Grundrissgefüge empfindlich. Die Stadtplanung in der Vor- wie in der Nachkriegszeit sah im motorisierten Individualverkehr den Inbegriff von Modernität und räumte ihm auch in Ost-Berlin den Vorrang vor allen anderen Zentrumsfunktionen ein. Die überdimensionierten Durchbrüche der Gruner- und der Karl-Liebknecht-Straße wurden zwischen 1966 und 1972 realisiert. Sie sind das Produkt einer jahrzehntelangen Vernachlässigung des Öffentlichen Nahverkehrs und eines hundertjährigen Planungsvorlaufs. Denn schon 1868 hat ein Mitarbeiter der Berliner Stadtverwaltung eine direkte Straßenverbindung zwischen Molkenmarkt und Alexanderplatz gefordert. Mit dem Bau der Grunerstraße war der Molkenmarkt unkenntlich gemacht und die nördlichen Bereiche von Alt-Berlin von den südlichen räumlich getrennt worden.

Verletzungen der historischen Blockkanten entstanden Anfang der 70er Jahre durch das Einfügen von zwei Gebäuden für das Fernmeldeamt in der Klosterstraße.
Bebauungsplan von 1961 (Ausschnitt)

Schon in den 1930er Jahren gab es neue Planungen für das Stadt­quartier Molken­markt / Kloster­viertel. Die Bebauung vor dem Alten Stadthaus wurde zurück­gebaut und gegenüber der nördlich verlaufenden Parochial­straße entstand das „Neue Stadthaus”.

Die Kriegszerstörungen sowie weitere Abrisse für die Verbreiterung und Verlängerung der Gruner­straße zum Molkenmarkt führten dazu, dass das Stadtquartier heute überhaupt nicht mehr erlebbar ist.