Städtebau  

 

Molkenmarkt/Klosterviertel - Stadtgeschichte

Bedeutende Teilbereiche


Molkenmarkt

Der Molkenmarkt, der älteste Platz Berlins, entstand aus einer Straßenkreuzung im Norden eines alten Spreeübergangs, des späteren Mühlendamms. Dem Mühlendamm verdankt der Platz auch seinen Namen; zuvor hieß er u.a. „Mulkenmarkt” und „Olde Markt”.

Der Molkenmarkt wies aufgrund seiner Lage im Stadtgefüge immer ein sehr hohes Verkehrsaufkommen auf. Trotzdem blieb er in seiner Struktur jahrhundertelang unverändert. Die Berliner Stadtplanung beabsichtigte allerdings schon in der Kaiserzeit eine Öffnung des Platzes nach Osten zum Alten Stadthaus hin. In den 1920er Jahren kaufte die Stadt in großem Umfang Grundstücke auf. Zwischen 1937 und 1939 riss sie in der unmittelbaren Umgebung des Molkenmarkts ca. 120 Gebäude ab. Der gesamte Häuserblock zwischen Rathaus, Altem Stadthaus und Molkenmarkt sollte mit einem dritten Rathaus bebaut werden. Die großflächigen Abrisse Alt-Berlins rechtfertigte die Stadtverwaltung zudem mit unabweisbaren Verkehrsbedürfnissen und der generellen Belebung des Wirtschaftslebens im alten Stadtkern.

Großer Jüdenhof

Der „Große Jüdenhof” in Alt-Berlin, 1938-39; Quelle: Landesarchiv Berlin
Der „Große Jüdenhof”, 1938-39
Quelle: Landesarchiv Berlin
Der im Hochmittelalter angelegte Große Jüdenhof bestand bis 1937 als ein Ensemble von zwölf Wohnhäusern um einen annähernd quadratischen Hofraum zwischen Jüden- und Klosterstraße. Der einzige öffentliche Zugang zum Hof befand sich zwischen den Häusern Jüdenstraße Nr. 46 und 47.

1937/38 erfolgte der Abriss der vier Häuser Nr. 1 bis 5 für den Neubau der Städtischen Feuersozietät (heute Neues Stadthaus). Die Häuser Nr. 6 bis 12 wurden renoviert. 1950/51 wurden die Reste des im Krieg schwer beschädigten Großen Jüdenhofs abgeräumt.

Die oft fotografierte etwa 200 Jahre alte Akazie vor dem Haus Großer Jüdenhof Nr. 9 wurde 1938 beseitigt. Anstelle der Laterne in der Mitte des Hofes pflanzte man um 1938 eine junge Scheinakazie. Dieser mittlerweile nicht mehr vorhandene Baum überdauerte als einziges Relikt des Großen Jüdenhofs Krieg und Nachkriegszeit.

Grunerstraße

Die Geschichte der heutigen Grunerstraße beginnt 1890. In diesem Jahr wurde sie als Stichstraße vor dem neuen Polizeipräsidium am Alexanderplatz angelegt und nach Karl Justus von Gruner, dem ersten Berliner Polizeipräsidenten benannt. Im Laufe der Jahrzehnte wurde sie immer wieder verlängert: 1898 bis zur Neuen Friedrichstraße, 1932 bis zur Klosterstraße; 1966-1969 wurde sie schließlich zwischen Molkenmarkt und Alexanderplatz sechsspurig ausgebaut.

Plan: Gebäudebestand um 2003
Gebäudebestand und Straßenverlauf
um 2003

Anti-Kriegs-Museum

Das im Jahr 1925 von dem bekannten Pazifisten Ernst Friedrich gegründete weltweit Erste Internationale Anti-Kriegs-Museum befand sich in der Parochialstraße am Standort des heutigen Neuen Stadthauses direkt am Großen Jüdenhof. Unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung wurde 1933 das Anti-Kriegs-Museum von der SA übernommen und in eine Folterkammer umgewandelt. Friedrich floh nach Brüssel, wo er das Museum 1936 wieder errichtete, bis es von der deutschen Wehrmacht 1940 zerstört wurde.

Das heutige Anti-Kriegs-Museum, das sich in der Tradition von Ernst Friedrich gegen jede Form von Gewalt und Krieg wendet, wird in Berlin ehrenamtlich von Lehrern, Studenten und Schülern betrieben.   Webseite Anti-Kriegs-Museum