Städtebau  

 

Molkenmarkt/Klosterviertel - Einführung

Planungsziele/Leitbild


Das Berliner Stadtzentrums im 3D-Innenstadtmodell (Stand: Oktober 2015) mit Darstellung der Radialen; Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt / CAD-Werkstatt
Das Berliner Stadtzentrum im 3D-Innenstadtmodell (Stand: Oktober 2015). Das System der Radialstraßen in der Altstadt wird bei den städtebaulichen Planungen im Bereich Molkenmarkt/Klosterviertel wieder aufgegriffen.

Durch die städtebauliche Neuordnung wird das Gebiet Molkenmarkt/Klosterviertel wieder zu einem zentralen und eigenständigen innerstädtischen Ort in Berlin entwickelt. Untergenutzte Flächen werden als gesamtstädtisch relevantes Potenzial der Innenentwicklung aktiviert. Kernpunkt ist die Integration von Städtebau- und Verkehrskonzept.

Molkenmarkt und Klosterviertel werden als Teile der mittelalterlichen Stadtgründung wieder erfahrbar gemacht, die noch vorhandenen Fragmente und Spuren Alt-Berlins in einen nachvollziehbaren historisch-stadträumlichen Kontext gestellt. Die Qualitäten einer ehemals kleinteilig angelegten Stadtstruktur sollen dabei für die künftige Entwicklung nutzbar gemacht werden und dafür sorgen, dass sich ein urbanes Stadtquartier entwickelt. Angestrebt wird eine Nutzungsmischung aus Wohnungen, Arbeitsstätten, gastronomischen, touristischen und kulturellen Einrichtungen.

Angelehnt an den historischen Stadtgrundriss sollen Quartiere in zeitgenössischer Architektur entstehen und die Innenstadt als Wohnort stärken. Historische Baufluchten und archäologische Funde werden in die Neugestaltung aufgenommen. Kleinmaßstäbliche Blöcke sorgen dafür, dass die historische Mitte nicht nur großen Baustrukturen vorbehalten bleibt. Die Monumente Rathaus, Stadthaus und Nikolaikirche werden maßstäblich eingebunden. Es entsteht ein Netz qualitätsvoller öffentlicher Räume.

Als „Kreuzungsgelenk” zwischen Mühlendamm, Stralauer Straße, Spandauer Straße und Grunerstraße kommt dem Molkenmarkt dabei eine besondere Bedeutung zu. Molkenmarkt und Spittelmarkt sind die zentralen Knoten zwischen der Altstadt und der barocken Stadterweiterung. Sie bilden die markanten Punkte des Straßenzuges Leipziger Straße - Grunerstraße. Durch die Neugestaltung kann auch das früher prägende System der Radialstraßen in der Altstadt Berlins aufgegriffen und in Teilbereichen, etwa in der Jüden- und in der Klosterstraße, mit qualitätvollen Straßenräumen vervollständigt werden.

Das städtebauliche Leitbild und die diesbezüglichen Visualisierungen sollen als Rahmensetzung verstanden werden, die im weiteren Umsetzungsprozess hinsichtlich der konkreten architektonischen Ausgestaltung sowie in weiteren Details geklärt werden. Es dient insofern als Grundlage für Dialoge mit der Öffentlichkeit, mit Bauherren und Entwicklern im Zuge des Umsetzungsprozesses.

Im Einzelnen werden für das Plangebiet Molkenmarkt/Klosterviertel folgende Ziele verfolgt:
  • Schaffung neuer Bebauungsmöglichkeiten in Anlehnung an den historischen Stadtgrundriss durch die Verlagerung der Hauptverkehrsstraßen
  • bauliche Fassung der Straßenräume der neuen Grunerstraße, des Molkenmarktes und der Stralauer Straße durch eine Randbebauung, deren Höhenentwicklung den Bestand im Umfeld berücksichtigt
  • Blockrandbebauung mit integriertem Stadtplatz vor dem Alten Stadthaus mit Durchwegung zum Molkenmarkt, Beibehaltung einer Sichtbeziehung
  • Ergänzung der Blöcke beiderseits der Klosterstraße sowie Entwicklung neuer Baublöcke zwischen Spandauer Straße (Molkenmarkt) und Jüdenstraße
  • Reaktivierung der Wohnfunktion des Klosterviertels
  • Verlängerung der Parochialstraße nach Westen als Fußgängerbereich und bauliche Fassung unter Berücksichtigung historischer Fluchten
  • Verlegung der Grunerstraße zwischen Tunnel Alexanderplatz und Spandauer Straße an die vorhandene nordwestliche Bauflucht und Änderung der Kreuzung von Grunerstraße/Mühlendamm und Stralauer Straße/Spandauer Straße in zwei Teilknoten
  • Freihaltung einer Straßenbahntrasse zwischen Mühlendamm und Spandauer Straße.
Grundlage der Planungsziele ist ein mehrjähriger städtebaulicher Zielfindungsprozess zur Konkretisierung der Ergebnisse des im Rahmen einer Planungswerkstatt zum Planwerk Innenstadt erzielten Ergebnisses. Er gliedert sich in fünf Phasen:
  • Workshopverfahren 2004
  • Ausarbeitung eines Masterplans 2005
  • ergänzendes Workshopverfahren 2008
  • Konkretisierung des Leitbildes 2009
  • Anpassung des Leitbildes an aktuelle Anforderungen 2015