Städtebau  
 

Messe Berlin

Historische Entwicklung des Messegeländes


Charlottenburg und Umfeld, 1857
Charlottenburg und Umfeld, 1857
  Berlin-Westend, 1901
Berlin-Westend, 1901

Bereits im beginnenden 19. Jahrhundert war im nördlichen Ausläufer des Grunewalds (auf dem Jagen 51, dem späteren Standort der Hallen 1-9) ein Schießplatz sowie seit 1873 daneben (Jagen 50) ein Exerzierplatz vorhanden. Diese Plätze wurden von den 1889 nach Charlottenburg verlegten  Füsilieren des "3. Garderegimentes Königin-Elisabeth", die nördlich im neu entstehenden Westend seit 1896 ihre Kaserne besaßen, genutzt. Am westlichen Rand des Exerzierplatzes wurde 1898 bis 1902 von den Architekten Georg Pauly und Hermann Luedecke das Garnisons-Lazarett des Regimentes errichtet. Es wurde seit 1926 nach einigen Umbauten als "St.-Hildegard-Krankenhaus" geführt und wird heute von der Messe Berlin genutzt.

1914 wurde nördlich der neuen Kantstraße und westlich der Ringbahn (heute Parkplätze P1 und P2) vom "Verein Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller" eine repräsentative Ausstellungshalle (Arch. Hans Alfred Richter) errichtet, die 1924 durch eine westlich auf der anderen Seite der Königin-Elisabeth-Straße gelegene Halle ergänzt wurde (Arch. Johann Emil Schaudt und Jean Kremer). Gleichzeitig errichtete die "Gemeinnützige Berliner Messe- und Ausstellungs GmbH" auf dem zwischenzeitlichen Kleingartengelände am Rande der Sportanlagen südlich der Neuen Kantstraße eine Funkhalle aus Holz.

Luftbild Messegelände, 1926
Luftbild Messegelände, 1926

  1926 wurde daneben der Funkturm anstelle eines einfachen Funkmastes eingeweiht (beide: Arch. Heinrich Straumer). Damit wurde der Grundstein für den heutigen Messestandort gelegt.

Gesamtkonzept Wagner/Poelzig
Gesamtkonzept Wagner/Poelzig
  1929-30 wurde nach Entwürfen von Martin Wagner und Hans Poelzig ein erstes Gesamtkonzept für das Messegelände erarbeitet und in Teilen realisiert.

Gegenüber dem Oval des Messegeländes wurde (als Ergebnis eines beschränkten Wettbewerbs) 1930 von Hans Poelzig das Haus des Rundfunks errichtet. An die ruhige, ca. 150 m lange und 22 m hohe Fassade entlang der Masurenallee schließen sich beiderseits Büroflügel an. Die horizontale Bewegung der Fassade wird durch die vertikalen farbigen Tonplatten, die die Brüstungspfeiler optisch hervorheben, gegliedert.

Haus des Rundfunks, 1930
Haus des Rundfunks, 1930
  Haupteingang Hammarskjöldplatz, 1937
Haupteingang Hammarskjöldplatz,
1937

Planung Richard Ermisch, 1937
Planung Richard Ermisch, 1937

 
Zwischen 1935 und 1937 wurde nach Entwürfen von Richard Ermisch das Messegelände durchgreifend verändert. Nach dem Brand der Funkhalle wurde diese zunächst durch eine "Gläserne Galerie" ersetzt. 1936-37 wurde schließlich die monumentale Haupthalle am heutigen Hammarskjöldplatz mit der 35 m hohen Ehrenhalle errichtet (s.o.). Die Neuplanung konterkarierte jetzt das "Ei" und überformte das gesamte Messegelände
mit einer strengen, nun rechtwinkligen Anlage, die den Sommergarten mit einer Ehren- bzw. Eingangshalle, zwei langgestreckten Ausstellungshallen und einem Querriegel umschließen sollten.
Die städtebauliche Disposition war achsial vom Mittelteil der Ehrenhalle über den Sommergarten bis zur 1935 fertiggestellten Deutschlandhalle angelegt.

Lageplan, 1970
Lageplan, 1970

  Nach Reparatur der Kriegsschäden und Neubauten zwischen 1950 und 1957 durch Alfred Roth und teilweise Heinrich Sobotka und Georg Müller (Hallen 7, 9, 10, 21 und 22), dem Bau des "Marshall-Hauses", des Palais hinter der Ehrenhalle und der Halle 23 durch Bruno Grimmek, wurde schließlich der Ausstellungsrundgang mit den Hallen 1-6 an der Jafféstraße (Arch. Harald Franke) vervollständigt.
ICC
ICC

  1969 bis 1979 wurde östlich an das Messegelände anschließend das ICC gebaut. Die Architekten Ralf Schüler und Ursula Schüler-Witte planten das Kongresszentrum sowie einen Ersatzbau der "Gläsernen Galerie" der Messe, der 1976-78 gemeinsam mit einer Verbindungsbrücke zum ICC gebaut wurde. In den 80er Jahren erfolgten noch weitere Neu- und Umbauten an den Hallen auf dem Messegelände.

Süderweiterung O. M. Ungers
Süderweiterung O. M. Ungers

  Auf der Grundlage eines Realisierungswettbewerbes, den der Architekt O. M. Ungers für sich entscheiden konnte, wurde von 1993 bis 2000 die südliche Messeerweiterung im Bereich an der Jafféstraße realisiert. Wesentliches Ziel des Entwurfs war die Wiedergewinnung einer Gesamtfigur im Sinne von Wagner/Poelzig. Dem Entwurf wohnt eine Kompaktheit und modulare Systematik inne. Der Wettbewerbsentwurf wurde in mehreren Überarbeitungen an die Bedürfnisse der Messe Berlin angepasst.

Skanska-Projekt, 1991
Skanska-Projekt, 1991

  1991 fand nördlich der Masurenallee auf dem Gelände der Parkplätze und des ZOB ein Architekturwettbewerb für den Entwickler Skanska statt, der von dem Büro Ganz & Rolfes gewonnen wurde. Dieser sogenannte "Teleport" konnte nicht realisiert werden.
Das Gelände des ZOB weist jedoch unverändert ein erhebliches Entwicklungspotenzial auf.