Städtebau  

 

Messe Berlin

Entstehung des Messegeländes


Die Berliner Messetradition reicht zurück bis zum ersten Viertel des 19. Jahrhunderts, als die preußische Regierung im Jahr 1822 Einzelmärkte und einzelne Messen erstmalig zu einer übergreifenden Gewerbeausstellung zusammenfasste.

Die frühen Berliner Messestandorte lagen innerhalb des Stadtbereiches und wechselten häufig. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die großen freien Flächen im Westen des Bezirks Berlin-Charlottenburg für Messeveranstalter interessant, da sie mit dem Bau des S-Bahnhofs Witzleben im Jahr 1913 nun gut zu erreichen waren. Im Jahr 1914 wurde daher vom "Verein Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller" für die seit 1897 stattfindende Automobilausstellung eine repräsentative Ausstellungshalle als dreischiffiger Stahlskelettbau (Architekt: Hans Alfred Richter) mit einer Grundfläche von 13.800 Quadratmeter nördlich des heutigen ICC Berlin gebaut. Eine weitere Ausstellungshalle wurde 1924 westlich der Königin-Elisabeth-Straße ergänzt (Architekten: Johann Emil Schaudt und Jean Kremer) und zur gleichen Zeit errichtete die "Gemeinnützige Berliner Messe- und Ausstellungs GmbH" südlich der Neuen Kantstraße eine Funkhalle.

Auch das heute als Messegelände bekannte Areal war im 19 Jahrhundert noch unbebaut und gehörte ursprünglich zum nördlichen Ausläufer des Grunewalds. Seit 1889 nutzte hier das nach Westend verlegte "3. Garderegiment Königin-Elisabeth" auf dem Jagen 51 (dem späteren Standort der Hallen 1-9) einen Schießplatz und daneben auf dem Jagen 50 einen Exerzierplatz. Am westlichen Rand des Exerzierplatzes wurde 1898 bis 1902 das Garnisons-Lazarett des Regimentes errichtet (Architekten: Georg Pauly und Hermann Luedecke), das im Jahr 1926 zum "St.-Hildegard-Krankenhaus" umgebaut wurde. Seit der Krankenhaus-Schließung im Jahr 1997 wird das Gelände von der Messe Berlin GmbH genutzt.

Im Jahr 1924 wurde die erste "Große Deutsche Funkausstellung" durchgeführt, wofür neben einer weiteren großen Halle das Haus der Funkindustrie errichtet und der Bau des Funkturms anstelle des früheren einfachen Funkmastes (beide: Arch. Heinrich Straumer) begonnen wurde. Im Jahr 1926 wurde der Funkturm eröffnet und bald zum Wahrzeichen der Stadt Berlin und des Messegeländes. Entgegen ursprünglichen Planungen bekam der Funkturm eine Aussichtsplattform und ein Restaurant, was ihn zu einem außerordentlichen Anziehungspunkt für die Berliner und ihre Besucher machte.

Wegen der wachsenden Zahl der Messebesucher wurde das Messegelände stetig erweitert. 1929-30 wurde nach Entwürfen von Martin Wagner und Hans Poelzig ein erstes Gesamtkonzept für das Messegelände erarbeitet und in Teilen realisiert.

Gegenüber dem Oval des Messegeländes wurde 1930 als Ergebnis eines beschränkten Wettbewerbs das Haus des Rundfunks errichtet (Architekt: Hans Poelzig). An die ca. 150 Meter lange und 22 Meter hohe Fassade entlang der Masurenallee schließen sich beiderseits Büroflügel an.

1935-1937 wurde das Messegelände nach den Plänen des Architekten Richard Ermisch durchgreifend verändert. 1935 hatte ein Brand die hölzerne Funkhalle zerstört und auch die nebenstehenden Hallen sowie den Funkturm beschädigt. Nach dem Brand wurde die Funkhalle zunächst durch eine "Gläserne Galerie" ersetzt und bald darauf die Deutschlandhalle als Versammlungsraum und Sporthalle gebaut. In den Jahren 1936-37 wurde die Haupthalle am heutigen Hammarskjöldplatz mit einer 35 Meter hohen Ehrenhalle errichtet.

Die inzwischen abgerissene Deutschlandhalle (2011) war eine der weltweit ältesten Veranstaltungsarenen dieser Größe. Sie wurde anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 nach Entwürfen des Hallendirektors Franz Ohrtmann und des Bauunternehmers Fritz Wiemer in nur neunmonatiger Bauzeit gebaut. 1943 wurde die Deutschlandhalle durch eine Brandbombe schwer beschädigt und erst im Jahr 1957 wurde sie wieder eröffnet.

Die Neuplanungen Mitte der 1930er Jahre für das Messegelände widersprachen dem ovalen Gesamtbild der vorigen Planung und überformten das gesamte Messegelände mit einer rechtwinkligen Anlage. Der zentrale Sommergarten war nun von einer monumentalen Eingangshalle im Norden, zwei seitlichen langgestreckten Ausstellungshallen und einem Querriegel im Süden umgeben. Die Planung war bestimmt durch eine klare Mittelachse, die vom Haupteingang der Eingangshalle über den Sommergarten bis zur Deutschlandhalle führte.

Berlin hatte sich in den 1930er Jahren mit seinem großen Messegelände und einer Vielzahl von Veranstaltungen als Messestadt etabliert. Dies änderte sich, als im August 1939 die Reichsstelle für Getreide alle Hallenbauten zu Einlagerungszwecken beschlagnahmte. Während des bald darauf beginnenden Zweiten Weltkriegs wurde das Messegelände weitgehend zerstört. Auch die Deutschlandhalle und der Funkturm wurden dabei schwer beschädigt.


Charlottenburg im Jahr 1857
Westend im Jahr 1857

Charlottenburg im Jahr 1901
Westend im Jahr 1901

Charlottenburg im Jahr 1934
Westend im Jahr 1934