Städtebau  

 

Archiv: Leipziger und Potsdamer Platz

Leipziger Platz

Blick vom Kollhoff-Turm auf den Leipziger Platz, Juni 2014; Foto: Philipp Eder
Blick vom Kollhoff-Turm auf den Leipziger Platz, Juni 2014
Investor/Bauherr
Land Berlin

Landschaftsarchitekt
Langenbach/Ivancsics, Berlin/Wien

Baubeginn/Fertigstellung
2001 / 2002


Das im 19. Jahrhundert von Peter Josef Lenné als Schmuckplatz angelegte Oktogon war bis zum Mauerfall 1989 Bestandteil der Grenzanlagen. Zwar waren die Umrisse des Platzes auf Luftbildern noch ablesbar, doch die Anlage als solche war vollständig zerstört. In dem am historischen Vorbild orientierten Entwurfskonzept wird mit modernen Gestaltungsmitteln der damalige Charakter aufrechterhalten, Spuren des dazwischen liegenden Geschichtszeitraums werden hinzugefügt. Der Verlauf der kleineren Hinterlandmauer, welche auf der Ostseite der ehemaligen Grenzanlagen verlief, ist durch eine Reihe von Pflastersteinen auf dem Platz gekennzeichnet. Außerdem sind zur Erinnerung zwei Mauersegmente entlang dieser Linie platziert.

Bis zum Baubeginn der Grünanlage stand hier auf der heutigen südlichen Grünfläche die rote Infobox, welche am 16.10.1995 nach kürzester Bauzeit eröffnet worden war. Partner des Projektes waren die Senatsverwaltung für Bau-und Wohnungswesen, A+T, Bewag, Daimler-Benz, Deutsche Bahn AG, Deutsche Telekom AG, Sony/Tishman Speyer/Kajima.
Ziel der Infobox war es, den Berlinern, den Touristen sowie den Fachleuten Informationen über die größte Baustelle Europas zu vermitteln. Neben der Darstellung der Investorenprojekte wurden u.a. das Konzept der Verkehrsanlagen im Zentralen Bereich sowie das Baustellenlogistikkonzept erläutert. Die Infobox schloss planmäßig im Dezember 2000 und hat einen hervorragenden Beitrag bei der publikumswirksamen Darstellung der mit privaten und öffentlichen Mitteln geplanten Investitionsvorhaben geleistet. Anstelle der konzipierten 4 Mio. Besucher nutzten über 8 Mio. Menschen die Infobox.

Die Grünflächen auf dem Leipziger sind an das Aussehen der Vorkriegszeit angepasst. Im Zentrum der Platzanlage entstand ein Stadtgarten, dessen Kontur nun nicht mehr durch ein Gitter sondern durch einen leicht erhöhten Granitsockel vom Straßenniveau abgegrenzt wird. Die Innenfläche wird von Rasen bedeckt, in welchen ein Raster aus Bodenleuchten integriert ist. Wenn man den Platz bei Dunkelheit umschreitet, werden wechselnde Muster im Rasen sichtbar. Von den umliegenden Gebäuden aus ist das Gesamtbild erlebbar. In der Platzmitte ermöglichen Wege die Querung in Nord-Süd-Richtung. Weißblühende japanische Schnurbäume (Sophora japonica) wurden nach sorgfältiger Analyse der Raum- und Blickbeziehungen in einem zweischichtigen Bepflanzungskonzept gesetzt, welches die Fußgängerperspektive in jedem Blickwinkel berücksichtigt. Es lässt jeweils Blicke auf die Randbebauung frei. Dies wurde durch die Platzierung der aufgeasteten Bäume in den Oktogonecken erreicht. Die gartenarchitektonische Raumgeometrie geht dabei einen fast unmerklichen Dialog mit der Geometrie der Stadtfigur ein.

Auch wenn Potsdamer und Leipziger Platz sprachlich oft in einem Atemzug genannt werden, so sind doch die Charaktere beider Bereiche recht unterschiedlich. Der Potsdamer Platz erreicht zwar nicht mehr die Betriebsamkeit der 20er Jahre, doch hat er als Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs nach wie vor eine wichtige Verteilerfunktion, dem auch der feste Bodenbelag Rechnung trägt. Der Leipziger Platz ist dagegen ruhig und grün. Als "heiterer Garten" verstärkt er die städtebauliche Qualität des Leipziger Platzes.


Nordhälfte des Leipziger Platzes, Juni 2014; Foto: Philipp Eder
Nordhälfte des Leipziger Platzes, Juni 2014. Links im Bild sieht man die Leipziger Straße, die den Platz in zwei gleichgroße Bereiche teilt. Rechts im Bild sieht man ein bunt angemaltes Mauerteil, das hier an den Verlauf der Hinterlandmauer erinnern soll.

Fotos: Philipp Eder