Städtebau  

 

Archiv: Leipziger und Potsdamer Platz

Juryentscheidung


Die Preisgerichtssitzung zum Wettbewerb Potsdamer/ Leipziger Platz fand am 1. und 2. Oktober 1991 im ehemaligen Hotel Esplanade am Potsdamer Platz statt.

Nach zwei Bewertungsrundgängen und einem Revisionsverfahren, in welchem einige bereits ausgeschiedene Arbeiten nochmals diskutiert wurden, verblieben fünf Arbeiten in der engeren Wahl. Hiervon wurde die Arbeit 1104 vom Büro Hilmer & Sattler mit dem 1. Preis ausgezeichnet.

Jury-Beurteilung des Preisträgers

Aus den schriftlichen Beurteilungen der in die engere Wahl gelangten Wettbewerbsarbeiten hieß es damals zum 1. Preis:

„Das Projekt besticht zunächst durch ein einfaches, traditionelles Bebauungsmuster, aber diese Erscheinung maskiert z.T. die eigentliche Nutzung. Durch die Wahl der Blockvolumen, die eine Wohnbautypologie auf das Bürogebäude überträgt, ergibt sich eine Kontinuität mit dem traditionellen Stadtbild, aber auch ein Konflikt mit den Programmanforderungen, insbesondere im Hinblick auf die Belichtung der Innenräume.
Der typologischen Einheitlichkeit entspricht auch die Großform der südwestlichen Achse, deren Weite und Ausgestaltung mit Wasserflächen Bezug nimmt auf den überdimensionalisierten Neubau des Oktogons. Der beherrschende Zug zur Monumentalisierung führt zu breiten Achsen, insbesondere der Leipziger Straße als Zug zum Kulturforum. Die Höhe der einzelnen aufgesockelten Blöcke und ihre weitgehend regelmäßige, symmetrische Anordnung bringen allerdings Gewichte ins Spiel, die sowohl dem Kulturforum als auch den anschließenden Stadtbezirken gegenüber etwas kolossal wirken müssen.
Der Verfasser schlägt ein prinzipiell funktionsfähiges System von Kleinblöcken vor, die er als städtebauliche Bausteine versteht. Damit gelingt eine kleinteilige Nutzungsmischung, die nicht nur im Quartier, sondern auch im Einzelblock möglich wird und ausdrücklich erwünscht ist.
Angezweifelt wird der hohe Anteil an innenliegenden, unbelichteten Nutzflächen, die als Büroflächen schwer nutzbar sind. Dies wird einen Abschlag an Nutzfläche zumindestens in einzelnen Blöcken notwendig machen.
Die kleinteilige Blockstruktur ermöglicht ein differenziertes System von Öffentlichkeit, welches durch entsprechende Nutzungsanordnungen unterstützt wird.
Die Nutzungsarten, insbesondere am Potsdamer Platz, erscheinen in diesem Zusammenhang besonders gelungen (Filmhaus, Kaufhaus, Konzernzentrale, Hotel etc.).
Die Verteilung des Einzelhandels muß vorwiegend in den Schwerelinien des Straßenraumes erfolgen, (hintere Lagen problematisch), was das Konzept jedoch in flexibler Weise ermöglicht.
Das Wohnen am Tiergartenrand wird sehr befürwortet, desgl. das Angebot, Wohnen prinzipiell in jedem Block zu ermöglichen.
Das Konzept läßt darüber hinaus ein differenziertes und vielseitiges städtisches Leben erwarten. der großzügige Wasser-/Grünbereich auf dem ehemaligen Potsdamer Personenbahnhof unterstützt die Aufenthalts- und Freizeitqualität des Stadtbereiches.
Das Verkehrsgeschehen wird auf dem Potsdamer Platz konzentriert. Die daraus resultierenden Verteilungsfunktionen werden für alle Verkehrsträger und Verkehrsmittelbenutzer über eine gleichmäßige Flächenerschließung positiv gelöst.
Die Vorgaben zum Schienenverkehr werden vom Verfasser aufgenommen und weitestgehend berücksichtigt (Regionalbahn, S-Bahnen, U-Bahnen einschließlich Ost-West-Linie 3). Die Darstellung der Untergeschoß-Ebene zeigt eine veränderte (gedrehte) Passarelle, um die Anbindungen an die benachbarten Baukörper zu verbessern. Es fehlt die S-Bahn-Rampe zum Gleis-Dreieck. Es fehlen die Südausgänge des Regionalbahnhofes. Die Zugänglichkeit der Bahnhöfe von der Oberfläche ist gelungen, zu beachten ist, daß die Gründung der Gebäude auf den Bahnanlagen (inclusive Wasser) aufwendig ist und Einschränkungen in der Nutzung und Zugänglichkeit nach sich zieht.
Die große, durchgehende Nord-Süd-Achse (Steglitz-Wedding) bringt Durchgangsverkehr in Herz des Gebietes. Die Knoten im Hauptstraßennetz (Potsdamer Platz) sind verniedlicht (z.B. auch Anbindung der Stresemannstraße). Bei Beibehaltung des Konzeptes sind die Grün- und Freiräume so nicht qualitativ haltbar.
Veränderungsvorschlag:
Nord-Süd-Tunnel südlich Landwehrkanal unter Tiergarten oder Cityboulevard von Flottwellstraße bis Entlastungsstraße.
Das Erschließungsnetz der Straßen ist sehr gut strukturiert (kurze Wege/ gute Orientierung). Positiv sind die Tor-Situationen herauszustellen. Dies gilt auch für die Straßencharakteristiken der Straßentypen.
Die Stellplatzfrage ist sehr gut gelöst (>7000 Plätze). Die kleineren dezentralen Tiefgaragen sind in den Blöcken über Rampen mit dem nachgeordneten Erschließungsnetz verbunden.”


Das Preisgericht empfahl der Ausloberin (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz), die Arbeit 1104 mit folgenden Modifizierungen den weiteren Planungen zugrunde zu legen:
  1. Verringerung der Baumassen zugunsten einer besseren Profilierung. Für eine verträgliche Ausnutzung der Grundstücke sollte in einer Überarbeitungsphase nicht die in der Auslobung genannte obere GFZ von 5,0 angestrebt werden.
  2. Das Verkehrskonzept ist dem übergeordneten Gesamtkonzept anzupassen.
  3. Die Gestaltung der großen Grünflächen ist zu überarbeiten.